Malente : Graffiti-Kunst an den Auewiesen

Die Detailtreue der Darstellungen ist beeindruckend.
Die Detailtreue der Darstellungen ist beeindruckend.

Die beiden Sprayer Johann Hopp und Paul Bressau aus Kiel schufen auf der Fassade einer Lagerhalle ein riesiges Landschaftsgemälde.

shz.de von
26. Mai 2015, 17:00 Uhr

Wer in den vergangenen Tagen den Fußweg an der Malenter Au entlang gegangen ist, hat das immens große Wandbild an der Lagerhalle der Firma Karl G. Klemz schon gesehen. Seit Anfang April ließen die Kieler Graffiti-Künstler Johann Hopp und Paul Bressau in nur etwa 60 Stunden ein Bild entstehen, das die Landschafts- und Seevielfalt rund um die Schwentine aus der Vogelperspektive zeigt.

Das Großbild ist der Abschluss des zehn Jahre andauernden Flurbereinigungsverfahrens Malenter Au, für das sich Gerd Schumacher als langjähriger Vorsitzender des Wasser- und Bodenverbands Schwentine eingesetzt hatte. Er hatte auch die Idee, die Wand in Abstimmung mit den Gebäudeeigentümern mit einem Naturbild verzieren zu lassen. Von der Planung bis zur Fertigstellung gingen aber noch drei Jahre ins Land.

Für die Entstehung des Bildes benötigten Hopp und Bressau über 120 verschiedenen Farben aus rund 300 Spraydosen und waren dafür seit Anfang April an sechs Tagen vor Ort. Im Mittelpunkt des Bildes ist der Kellersee zu sehen, von dem die Schwentine sich durch die abwechslungsreiche Landschaft der Holsteinischen Schweiz schlängelt. Am Horizont ist die Ostsee zu sehen.

„Mit den Proportionen haben wir ein wenig gespielt“, berichtet Johann Hopp kurz vor der Fertigstellung des Großbildes. Hauptberuflich ist er Vollzugsbeamter in der Justizvollzugsanstalt Kiel. Seit 17 Jahren lässt er gesprayte Kunstwerke entstehen. Mit dem Psychologiestudenten Paul Bressau arbeitet Hopp seit gut zehn Jahren zusammen. Mit einer beeindruckenden Detailtreue hob das Duo die Bildnisse von einem Seeadler, Fischreiher und Otter sowie einem Laubfrosch, einer Libelle und Bachforelle in vergrößerter Form hervor.

Mit 15 Metern Breite und sieben Metern Giebelhöhe sei das Malenter Bild eines der größten, das sie bisher in Auftragsarbeit umgesetzt hätten, sagen die Sprayer. Andere Kunstwerke der beiden sind etwa in Spielparks Schleswig-Holsteins, an der Sporthalle der Grundschule Melsdorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) und in der Heavy-Metal-Hochburg Wacken (Kreis Steinburg) zu finden.

„Ursprünglich war eine vereinfachte Ansicht der Seen und der Schwentine angedacht“, sagt Hopp. Eine neue Inspiration erhielt Ideengeber Schumacher bei einer Warschau-Reise, so dass die erste Planung vor Beginn überarbeitet wurde.

„Das Bild soll ein Dank an die Unterstützer der beteiligten Behörden sein“, sagt Schumacher. Auf dem 100 Hektar großen Gelände sei eine nutzreiche und inhaltsvolle Landschaft entstanden, die diverse Auszeichnungen erhalten habe. „In einer Kooperation mit der Schule an den Auewiesen sollen den Schülern im Biologieunterricht, beispielsweise durch Wasserproben und Insektenbestimmung, die Wunder dieser kleinen Welt näher gebracht werden“, so der engagierte Naturschützer weiter. Zugleich solle das Wandbild Treffpunkt für Führungen werden.

Jetzt fehlen nur noch die Buchstaben WBV (Wasser- und Bodenverband), die als Insektenhotel hergestellt wurden. Sie werden „in den Wolken“ des Großbildes in der Bildmitte befestigt. Die Kosten in Höhe von rund 5000 Euro übernahmen der Wasser- und Bodenverband sowie Sponsoren und Institutionen.

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