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Ostholsteiner Anzeiger

16. Dezember 2017 | 07:04 Uhr

Gottesdienste für Demenzkranke

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Kirche und Glaube geben Menschen mit Demenz durch vertraute Rituale, Erinnerungen und Impulse Halt, Sicherheit und Geborgenheit

von
erstellt am 26.Okt.2013 | 00:32 Uhr

Das schwarze Ringbuch lässt Pastorin Dorothea Lindow in der Tasche, wenn sie in der Kirche von Gleschendorf predigt. Ihr Predigtkonzept hat die Altenheimseelsorgerin des Kirchenkreises Ostholstein im Kopf. Beim Gottesdienst für Demenzkranke sei vor allem „emotionale Präsenz“ gefragt, sagt sie: „Hier muss es auf besondere Weise anschaulich zugehen, sonst erreicht man die Menschen nicht.“ Fast immer bringt sie einen Gegenstand zur Predigt mit. An diesem Tag sind es Zweige, denn es wird darum gehen, was der Glaube mit Bäumen zu tun hat.

Seit sieben Jahren versammeln sich rund 60 Bewohner aus Alten- und Pflegeheimen zwischen Eutin und Scharbeutz mit ihren Betreuungskräften in der Dorfkirche zum Gottesdienst für Menschen mit Demenz, den Altenheimseelsorgerin Lindow gemeinsam mit einem Team an jedem dritten Dienstag im Monat anbietet.


Vertraute Rituale geben Halt und Geborgenheit


„Kirche und Glaube geben auch Menschen mit Demenz durch vertraute Rituale, durch Erinnerungen und Impulse Halt, Sicherheit, Geborgenheit und Klarheit auch über diesen Tag, diesen Moment hinaus„, sagt André Winkler, Leiter des „Rosenhofs“ in Pönitz am See. Auf das Gottesdienstprojekt in Gleschendorf hätten nicht nur Bewohner und Pflegekräfte, sondern auch Mediziner und Fachleute von Anfang an begeistert reagiert: „Glaube und Kirche sind ein beruhigter und klar ritualisierter Lebensbereich für viele Betroffene, in dem vertraute, positive Gefühle und ihre Erinnerungswelt wachgerufen werden – davon geht eine heilsame Energie aus.“ Winkler hat seinerzeit das Konzept dieser besonderen Gottesdienste mit entwickelt und ist heute noch dankbar, dass die Kirchengemeinde Gleschendorf ihre Kirche regelmäßig für die Demenzkranken öffnet.


Kirchenkreis unterstützt diese Gottesdienste


Auch der Kirchenkreis Ostholstein unterstützt das Projekt, das seine Altenheimseelsorgerin inzwischen leitet. Anfang 2013 stellte er Wärmedecken für die Gottesdienstbesucher zur Verfügung. Inzwischen bietet Pastorin Lindow gemeinsam mit einer Kollegin auch an einem zweiten Standort – in Stockelsdorf vor den Toren Lübecks – Gottesdienste für Menschen mit Demenz an.
„Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.“ – Mit dem traditionellen Kanzelsegen aus dem Neuen Testament beschließt Dorothea Lindow jede Predigt. „Wie gut passt dieser Segen im Blick auf Menschen, die an Demenz erkrankt sind“, sagt die Altenheimseelsorgerin und fügt hinzu: „Dass der Friede Gottes höher ist als die Vernunft, relativiert für mich die Demenzerkrankung, die ja so furchtbar ist, weil die Vernunft verlorengeht. Aber der Friede Gottes bewahrt Herzen und Sinne – und das möchte ich in meiner Begleitung erreichen: etwas von diesem Frieden Wirklichkeit werden zu lassen – und wenn es nur für einen kurzen Moment ist.“


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