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Ostholsteiner Anzeiger

20. November 2017 | 07:07 Uhr

Malente : Gleichstellung bleibt ein Thema

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Nach 25 Jahren als Malenter Gleichstellungsbeauftragte hört Hedy Gudegast auf.

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2017 | 15:26 Uhr

Hedy Gudegast kann sich noch gut an Zeiten erinnern, in denen Gleichberechtigung ein Fremdwort war. „Als ich 1970 geheiratet habe, war mein Mann noch befähigt, meinen Arbeitsvertrag zu kündigen, und ich konnte eigenständig keinen Kaufvertrag abschließen“, berichtet die Grebinerin.

Zwei Jahrzehnte später wehte da schon ein anderer Wind. Die Landesregierung unter SPD-Ministerpräsident Björn Engholm hatte – zunächst nur per Verordnung – Gleichstellungsbeauftragte eingeführt. Und Hedy Gudegast, die sich bei der Gewerkschaft und im Personalrat schon länger mit Frauenrechten beschäftigte, ließ sich in der Gemeinde Malente zur ehrenamtlichen Gleichstellungsbeauftragten wählen.

Wahrscheinlich ist sie heute im ganzen Land die letzte Gleichstellungsbeauftragte der ersten Stunde, die noch im Amt ist. Doch spätestens zum Jahresende will sie aufhören. „Der Zeitpunkt passt gut, irgendwann muss Schluss sein, obwohl es mir noch Spaß macht“, sagt Hedy Gudegast mit Blick auf ihr 25. Dienstjahr und ihren 75. Geburtstag, den sie vor kurzem gefeiert hat.

Lebhaft erinnert sich die gelernte Krankenschwester, die mit 29 Jahren die Leitung eines Kurheims in Grebin übernahm, an die ersten Jahre im Amt. „Das war nicht so ganz einfach. Eigentlich wusste niemand so recht, was eine Gleichstellungsbeauftragte machen soll.“ Zunächst sei sie eher mit einer negativen Einstellung konfrontiert worden. „Man wurde mit extremen Feministinnen gleichgesetzt und nicht mit Frauen, die daran interessiert waren, die Frauenperspektive in die Gesellschaft einzuführen.“

Auf große Unterstützung der Verwaltung konnte sie jedenfalls nicht bauen. „Als wir einen Frauenförderplan aufstellen wollten, war das nicht ganz einfach.“ Die Einstellung habe sich erst geändert, als Alt-Bürgermeister Michael Koch sein Amt angetreten habe. Doch obwohl Malente damals eigentlich eine hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte hätte einführen müssen, sei es nie dazu gekommen. Sie habe die damalige Frauenministerin Gisela Böhrk zwar öffentlich aufgefordert, dafür zu sorgen, dass das Gesetz eingehalten werde, doch es sei nichts passiert. „Ich habe es dann irgendwann aufgegeben.“ Mittlerweile seien erst Gemeinden ab 15  000 Einwohner verpflichtet, eine hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte zu beschäftigen.

Nicht aufgegeben hat Hedy Gudegast ihren Einsatz für Betroffene. „Viele kommen wegen häuslicher Gewalt zu mir.“ Dabei leiste sie keine professionelle Beratung wie etwa ein Therapeut, sondern Hilfe zur Selbsthilfe. „Ich gehe etwa mit den Frauen zu Ämtern oder sage ihnen, an wen sie sich wenden können.“

Wie häusliche Gewalt gehöre auch sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, etwa bei Verkäuferinnen durch Vorgesetzte, zu den Themen, mit denen im Laufe der Jahre mehr und mehr Frauen zu ihr gekommen seien. Sie glaube, die Sensibilität und Bereitschaft der Frauen, darüber zu reden, sei gewachsen. Nicht alle Betroffenen hätten professionelle Hilfe gesucht. „Bei manchen Frauen hat es schon gereicht, wenn sie ihr Herz ausschütten konnten.“ Gefragt ist Hedy Gudegast auch bei weniger brisanten Themen, etwa Rentenfragen oder wenn es um den Versorgungsausgleich bei Scheidungen gehe.

Das Recht, Vorlagen von Ausschusssitzungen zu erhalten, habe sie sich ebenso erkämpfen müssen wie das Recht, bei Vorstellungsgesprächen der Gemeinde dabei zu sein. Manchmal sei sie unmittelbar dazwischengegangen, wenn Frauen etwa gefragt worden seien, wie sie denn die Erziehung ihrer Kinder mit ihrem Beruf in Einklang bringen wollten. Solche unzulässigen Fragen wären Männern gar nicht erst gestellt worden, sagt sie.

Mittlerweile habe sich vieles zum Positiven gewendet. Dennoch ist die Beauftragte überzeugt, dass für ihre Nachfolgerin noch genug zu tun bleibe. „Wir haben die Gleichstellung noch nicht überall erreicht“, sagt Hedy Gudegast. So würden typische Frauenberufe immer noch schlechter bezahlt, und es seien immer noch vorwiegend Frauen, die unter häuslicher Gewalt litten.

Sie erinnert sich auch an manche Diskussion mit Männern. Einer habe etwa erklärt, wenn Frauen auf Gleichberechtigung bestünden, müsse er einer Frau auch keinen Stuhl mehr anbieten. „Dem habe ich entgegengehalten, dass er nicht gegen Gleichberechtigung verstößt, wenn er beispielsweise einer Frau in den Mantel hilft.“ Gar nicht so selten hätten sich auch Männer an sie gewandt, etwa, wenn diese sich bei Bewerbungen benachteiligt gefühlt hätten. Die habe sie genauso beraten wie Frauen.

In einem Fall hat Hedy Gudegast auch etwas für die Gleichstellung von Männern erreicht. So habe ein Malenter beklagt, dass der Seniorenpass der Gemeinde schon für Frauen ab 60, aber erst für Männer ab 65 Jahren gelte. Auf ihre Intervention hin habe die Gemeinde das Alter für beide Geschlechter angeglichen.

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