GLC-Vertrag steht weiter auf der Kippe

Grüne plädieren erneut für Ablehnung, SPD hat sich noch nicht festgelegt

Avatar_shz von
09. Dezember 2014, 13:01 Uhr

Steht Malente am Ende doch noch ohne touristischen Vermarkter da? Die Vorzeichen vor den entscheidenden Sitzungen des Tourismusausschusses (Montag, 15. Dezember, ab 17 Uhr) und der Gemeindevertretung (Donnerstag, 18. Dezember, ab 17 Uhr), jeweils im Haus des Kurgastes, sind nicht gerade positiv. Die Freien Wähler Malente (FWM) hatten sich zuletzt ohnehin gegen einen neuen Vertrag mit dem bisherigen Dienstleister und einzigen Bewerber GLC Glücksburg Consulting ausgesprochen. Doch auch die Grünen zeigen sich unzufrieden mit dem Ergebnis der Nachverhandlungen, die Bürgermeister Michael Koch und Kurdirektor Georg Kurz mit GLC geführt haben.

„Das Nachverhandlungsergebnis des Bürgermeisters Michael Koch mit dem GLC ist eine Mogelpackung“, kritisiert Grünen-Fraktionschefin Dagmar Nöh-Schüren. Verbesserungen gebe es nur auf den ersten Blick. Dem widersprach Koch: Von einer „Mogelpackung“ könne keine Rede sein. Vielmehr habe er alle Verhandlungsaufträge erfüllt, die er von den Fraktionsvorsitzenden erhalten habe.

Dagmar Nöh-Schüren stört sich daran, dass GLC zusätzlich zu dem Honorar von 210 000 Euro nun auch noch ein „Erfolgshonorar von 20 000 Euro“ erhalten solle, das aus der Kurabgabe berechnet werde. Dieses werde damit begründet, dass das Veranstaltungsvolumen gegenüber dem in der Gemeindevertretung abgelehnten Vertragsangebot sich nunmehr auf 40 000 Euro erhöhe.

Dem hielt Koch entgegen, dass durch die Erhöhung des Veranstaltungsbudgets kaum noch Geld für Marketing übrig bleibe. Deshalb solle dies über das Erfolgshonorar finanziert werden, wie es ursprünglich von GLC vorgeschlagen worden war. Wenn die Fraktionen mit geringeren Marketing-Ausgaben einverstanden seien, könne man auch auf das Erfolgshonorar verzichten, erklärte Koch. „Deshalb gibt es den Tourismusausschuss, um an Feinheiten zu arbeiten.“ Allerdings sei es unfair, mit zusätzlichen Positionen zu kommen, die im Verhandlungsauftrag gar nicht enthalten gewesen seien. „Das macht mich schon ein bisschen sauer. Das macht Malente in der Öffentlichkeit unglaubwürdig.“

Unzufrieden zeigt sich Dagmar Nöh-Schüren auch mit dem Thema Schnittstelle zwischen Tourismuszentrale Holsteinische Schweiz (TZHS) und GLC für Online-Buchungen. Jetzt müsse GLC nur die Stammdaten der Vermieter der TZHS bereitstellen. Eine Kooperation und eine Verpflichtung zur Schaffung einer beidseitigen Online-Schnittstelle sehe anders aus, kritisiert die Grüne. Auch hier habe die Politik die Wahl zwischen einer dauerhaft teuren Lösung und einer einmalig günstigen Lösung, wie sie nun im Vertragsentwurf stehe, entgegnete Koch.

Weiterer Kritikpunkt der Grünen: GLC werde nicht verpflichtet, eine DB-Agentur zu betreiben, sondern solle sich nur darum bemühen. Hier, wie von den Grünen gefordert, eine Kompensation zu verlangen, wenn dies nicht gelinge, nannte Koch „lebensfremd“. GLC habe den Vertrag mit der Bahn aufgrund der ungewissen Situation kündigen müssen.

Dagmar Nöh-Schüren plädiert nun für eine Trennung von GLC mit einem „sauberen Schnitt“. Die Tourist-Info könnte der Eigenbetrieb Kurverwaltung übernehmen, gegebenenfalls auch GLC-Beschäftigte. Das Buchungssystem gäbe es von der Tourismuszentrale gratis und Veranstaltungen könnten weiter bezuschusst werden. Und die Vermarktung könnte allein der Tourismuszentrale überlassen werden.

Letztendlich dürfte es bei den Abstimmungen auf die SPD ankommen, die in der Gemeindevertretung mit „Nein“ gestimmt hatte. Fraktionschef Jürgen Redepenning hielt sich gestern bedeckt, ob es dabei bleibe: „Wir werden uns darüber unterhalten.“ Zwar ließ er durchblicken, dass er mit dem Vertrag nicht unbedingt zufrieden sei, andererseits sieht er auch große Schwierigkeiten auf Malente zukommen, wenn der Vertrag ein weiteres Mal durchfiele: „Das gibt Riesenprobleme.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen