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Ostholsteiner Anzeiger

14. Dezember 2017 | 23:57 Uhr

GLC-Kündigung: Chance oder Fiasko?

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Bewertung des überraschenden Schritts geht in der Politik weit auseinander

shz.de von
erstellt am 20.Dez.2016 | 16:52 Uhr

Optimismus und große Skepsis: Zwischen diesen beiden Polen schwankt die Stimmung der Malenter Gemeindevertreter nach dem Paukenschlag, mit dem Malentes touristischer Dienstleister „GLC Glücksburg Consulting“ am Montag seine Zusammenarbeit mit der Gemeinde Malente zum Jahresende 2017 aufgekündigt hat.

Wenig begeistert über die Entwicklung ist naturgemäß die CDU, die immer zu den GLC-Befürwortern zählte. Fraktionschef Uwe Potz wünscht sich zwar ein eindeutiges Signal der Gemeindevertretung, es noch einmal mit GLC zu versuchen. Doch ist ihm auch klar, das es nicht dazu kommen wird. „Dann ist Frau Rönck gefordert“, sagte Potz mit Blick auf die klar gegen GLC positionierte Bürgermeisterin Tanja Rönck. Den von ihr skizzierten Fahrplan, bis April eine Entscheidung zu treffen und bis Ende 2017 mit geeignetem Personal zu starten, hält Potz aber für illusorisch: „Das ist nicht in einem Jahr zu schaffen.“

Das sieht auch Wilfred Knop so. „Eine ausgereifte Lösung wird es in dieser kurzen Zeit nicht geben“, sagte der FDP-Fraktionschef und verwies auf die Arbeitsbelastung durch viele andere Projekte, wie den geplanten Schulneubau. Natürlich könne man etwa eine privatwirtschaftliche Lösung wie in Eutin anstreben. „Aber man muss dann auch genau wissen, was man will und das auch in den Vertrag hineinschreiben“, mahnte er.

Knop und Potz erinnerten an ihren Vorschlag, bis zum regulären Ende des GLC-Vertrags Ende 2019 gemeinsam ein Konzept zu entwickeln, wie es dann weitergehen solle. Das sei von den GLC-Gegnern ignoriert worden, bedauerte Potz. Ein „großer Wurf“, etwa eine GmbH, in der Stadtmarketing sowie Verwaltung und Vermarktung der gemeindeeigenen Liegenschaften zusammengefasst würden, sei in weite Ferne gerückt, beklagte Potz. Er glaubt: „In einem Jahr arbeiten wir mit einer Krücke. Und diese Krücke wird erheblich teurer als der Dienstleister, den wir jetzt haben.“

Ganz anders beurteilt Jürgen Redepenning die neue Situation. Der SPD-Fraktionschef hält nichts davon, „von vornherein zu unterstellen, dass man keine Lösung in dieser Zeit erarbeiten kann“. Und auf die Idee, gemeinsam ein Konzept für die Zukunft zu erarbeiten, seien die GLC-Befürworter leider erst gekommen, als die Kündigung in greifbare Nähe gerückt sei.

GmbH, Eigenbetrieb oder Anstalt öffentlichen Rechts: Welches Modell die SPD bevorzugt, ließ Redepenning offen, um eine vernünftige Diskussion nicht von vornherein zu gefährden. „Wir müssen ja gucken, was sinnvoll ist, was finanzierbar ist, müssen uns über die Aufgabenstellung unterhalten und sehen, welche Hilfe wir von anderer Seite bekommen.“ Das bedürfe einer vernünftigen Zusammenarbeit aller Beteiligten.

Konkreter wird FWM-Fraktionschef Holger Bröhl: „Wir können uns vorstellen, dass wir die Vermarktung selbst in die Hand nehmen.“ Denkbar wären eine GmbH wie in Eutin oder ein Stadtmarketing wie in Plön. „Das wäre mein persönlicher Favorit, da hätten wir auch am meisten Einfluss“, sagte Bröhl. Bei der Entscheidungsfindung sei Tempo gefragt: „Im ersten Vierteljahr müssen die Weichen gestellt sein“, forderte Bröhl. Im ganzen Prozess setze er auch darauf, dass GLC seine Arbeit bis Ende 2017 vernünftig mache.

„Wir können uns das Modell aus Eutin gut vorstellen“, sagte Grünen-Fraktionschef Andreas Endler, – eine GmbH, die wirtschafte und Gewinne an die Gemeinde zurückführe. Alternativ sei auch ein Stadtmanager denkbar. Dieser könne etwa Kontakte knüpfen, die Beteiligten vor Ort einbinden, ein Marketing-Konzept ausarbeiten und die Verbindung zur Tourismuszentrale Holsteinische Schweiz halten. Angesichts des engen Zeitplans schwebt Endler ein Stufenplan vor. „Wir müssen sehen, was wir unbedingt brauchen und was mittel- und langfristige Ziele der Vermarktung Malentes sind.“

Keine Sorge ob des engen Zeitkorsetts hat Dagmar Nöh-Schüren. „Wir werden ein Jahr brauchen, und dann haben wir eine vernünftige Lösung ermittelt“, zeigte sich die Fraktionschefin der „Bürger-Innen für Malente“ voller Zuversicht. Es biete sich an, das vor zwei Jahren bei der Diskussion um einen neuen GLC-Vertrag gemeinsam mit Tourismus-Vertretern erarbeitete Konzept aufzugreifen. „Dann können wir überlegen, wollen wir das oder etwas ganz anderes.“

Obwohl GLC nun von sich aus vollendete Tatsachen geschaffen hat, wird sich die Gemeindevertretung morgen wohl mit dem Thema befassen. „Ich will eine Aussprache“, erklärte Uwe Potz. Und auch Wilfred Knop forderte eine Debatte: „Der Bürger muss ja wissen, was auf ihn zukommt.“

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