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Glasfaser: Sagauer kritisieren die Gemeinde wegen Stillstands

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Kieler TNG Stadtnetz GmbH oder Stadtwerke Eutin (SWE)? Die Tatsache, dass sich in der Gemeinde Kasseedorf zwei Glasfasernetz-Betreiber engagieren, spaltet die Bürger. Montagabend übten etwa 15 Sagauer Bürger in der Sitzung des Gemeinderates harsche Kritik am Vorgehen der Gemeinde.

Ende Juni hat der Zweckverband Ostholstein (ZVO) die Kieler TNG beauftragt, das Glasfasernetz des ZVO zu betreiben. In den Gemeinden Altenkrempe, Süsel und Kasseedorf soll der Ausbau beginnen. Morgen wird als Auftakt der Vermarktung eine Veranstaltung in Griebel stattfinden.

Sagauer – es sollen über 80 Prozent aller Haushalte sein – haben aber im Frühjahr Verträge mit den SWE geschlossen und warten auf Umsetzung. Bislang vergeblich. Die Schuld dafür geben sie der Gemeindevertretung und der Verwaltung – befördert durch – wie der OHA erfuhr – ein Schreiben der SWE an ihre Kunden. Bürgermeisterin Regina Voß sagte Montagabend, dass die vollständigen Unterlagen zur Genehmigung der Bauarbeiten durch die SWE erst Mitte Juni eingegangen seien und die Verwaltung drei Monate für die Prüfung Zeit habe. In dieser Mitteilung sahen anwesende Sagauer eine bewusste Verzögerung. Der ebenfalls anwesende SWE-Geschäftsführer Alexander Baumgärtner widersprach der Darstellung der Bürgermeisterin: Seit April seien keine zusätzlichen Unterlagen eingereicht worden. Es gebe auch kein Schreiben, in dem solche gefordert würden. Voß reagierte verständnislos: Die Unterlagen seien in einem Gespräch mit Baumgärtner im Bauamt gefordert worden.

Claudia Eßer aus Sagau warf den Gemeindevertretern fehlende Informationen zu den bisherigen Bemühungen in Sachen Breitband und das Protegieren eines Unternehmens vor: „Warum lädt mich die Bürgermeisterin zu einer Veranstaltung der TNG ein?“. Voß verwies als Antwort auf das berechtigte Interesse der Gemeinde am Erreichen einer Anschlussquote von 60 Prozent der Haushalte im Cluster. Schon früh habe sich die Gemeinde nach der Feststellung eines sogenannten Marktversagens für die Mitgliedschaft in der Breitbandsparte des ZVO ausgesprochen und als erste der 29 Mitgliedsgemeinden beschlossen. Nachdem europaweit kein Unternehmen Interesse am Ausbau angemeldet habe, sei dies der richtige Schritt gewesen. Und auch bei Vertragsunterzeichnung mit dem ZVO im Mai 2016 habe es moch keine Anzeichen für andere Interessenten gegeben.

Dennoch bezweifelte Eßer die Rechtmäßigkeit des öffentlichen Eingriffes in den Markt, auf dem sich nach ihrer Ansicht die SWE als einzige für die Kunden einsetzten. „Ich fühle mich von der Gemeindevertretung im Stich gelassen“, äußerten viele ihren Unmut. Sie hätten von den Aktivitäten der Gemeinde in Sachen Internet nichts gehört, bis die „ansprechende und überzeugende Mappe der SWE“
im Briefkasten gelegen habe.
 Die Erwartung, über jeden Beschluss der Gemeinde mittels Rundbrief informiert zu werden, erteilte Mirko Strunge eine Absage: „Lesen Sie Zeitungen und besuchen Sie Sitzungen. Das Thema war über Jahre auf der Tagesordnung.“

Der Hinweis auf mögliche Konzessionseinnahmen für die Gemeinde aus dem vom ZVO gebauten Netz verhallte ebenso ungehört wie der Hinweis auf ein offenes Netz des ZVO mit der Möglichkeit, den Anbieter nach zwei Jahren zu wechseln. Eßer widersprach der Darstellung aus der Einladung der Bürgermeisterin, wonach das ZVO-Netz allen Bürgern gehöre.

Voß gab zu bedenken, dass der Anschluss Sagaus an das SWE-Netz den Ausbau der übrigen Dörfer der Gemeinde gefährden könne, weil die Quote von 60 Prozent nicht erreicht werde. „Was sagen wir dann den Bürgern in Griebel oder Vinzier? Dann fühlen die sich von uns im Stich gelassen“, beschrieb Strunge das Dilemma.

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