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Ostholsteiner Anzeiger

23. Oktober 2017 | 12:03 Uhr

Eutin : Gildeschatz auf Zelluloid entdeckt

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Über Jahrzehnte lag eine Plastiktüte mit alten Filmen unbeachtet im Haus der Schützengilde: Es waren historische Aufnahmen auf 160 Meter Film

von
erstellt am 25.Nov.2014 | 04:00 Uhr

Irgenwie sind es vertraute Bilder. Die Schützen treten auf dem Markt an, marschieren los. Eine Kapelle gibt den Takt an. Auf Dechantshorst wird zur Ermittlung des Schützenkönigs mit Vorderladern auf den hölzernen Vogel geschossen.

Nur: Die Kleidung der Leute und die Frisuren sind merkwürdig. Ein Herr trägt einen Schnurrbart, wie ihn Adolf Hitler getragen hat. Und tatsächlich gibt es auch eine Szene, in der eine Fahne mit Hakenkreuz auftaucht.

Des Rätsels Lösung: Die Filmaufnahmen stammen aus dem Jahr 1939. Sie geben Aufschluss darüber, wie früher in Eutin Schützenfest gefeiert wurde. Und sie lassen den Schluss zu, dass sich beim Schützenfest in den vergangenen acht Jahrzehnten wenig geändert hat. das gilt auch für Filmnaufnahmen aus dem Jahr 1968, die ebenfalls aufgetaucht sind.

„Ganz unscheinbar, so lag sie da“, erzählte Gilde-Vorsteher Heiko Godow auf dem jüngsten Klönabend der Eutiner Schützengilde. Er sprach dabei von einer Plastiktüte, die über Jahrzehnte unbeachtet in einem kleinen Raum auf dem Vogelberg lag. Als ihn die Neugierde dazu getrieben hatte, mal reinzuschauen, entdeckte er Super-8-Filme. Altes Zelluloid, angelaufen und bröselig.

Was ist auf diesen Filmen? Wer hat noch einen passenden Projektor? Übersteht das Material überhaupt den Lauf der Rollen und die Hitze des Projektionslichtes? So lauteten bange Fragen, bevor das Material behutsam und mit großem Respekt in Augenschein genommen wurde.

Die schnelle Erkenntnis: Ein wahrer Gildeschatz der jüngeren Zeitgeschichte tat sich auf. Unschätzbar wertvolle Bewegtbilder aus dem vorangegangenen Jahrhundert: In Schwarzweiß vom Schützenfest 1939 und in Farbe vom Schützenfest 1968.

Dmit dieses Filmmaterial nicht verloren geht, wurde beschlossen, die Filme durch einen Spezialisten digitalisieren zu lassen. Dabei wurden die Zelluloidstreifen mehrfach gereinigt, entstört und in hoher Auflösung in heutige digitale Formate konvertiert. Insgesamt wurden 162 Meter Film bearbeitet und gesichert.

Das geborgene Material wurden beim ährlichen Klönabend gezeigt. Der Schützenkönig von 1967, Gustav Reese „Zu den 5 Eichen“, sowie auch Günther und Gudrun Kruse fanden sich auf dem Film vom Schützenfest 1968 wieder.

Das alte Filmmaterial aus Zelluloid restauriert und ordentlich verpackt. Die übertragenen Filmdateien sind digital in zeitgemäßen Formaten gespeichert und gesichert. Heiko Godow: „Das nächste Jahrhundert kann kommen. Und wer weiß, welche bewegten ,Schätze‘ dann gezeigt werden?“

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