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Gewerbsmäßiger Diebstahl ließ sich nicht beweisen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Bade-Shorts, ein Sommerkleid, Strickjacken, Polo-Shirts, eine Geldbörse und ein Bikini: Das alles landete Mitte August 2016 im Kinderwagen einer heute 38-jährigen Lübeckerin. Die Ware stammte aus drei Geschäften in Scharbeutz. Bezahlt war nichts davon, wie sich herausstellte, als die Frau erwischt wurde. Vor dem Eutiner Amtsgericht kassierte die Hartz-IV-Empfängerin, die aus dem EU-Ausland stammt und seit 2006 in Deutschland lebt, nun eine Geldstrafe wegen Diebstahls.

Der Verdacht: Bei ihrem Raubzug soll die Mutter nicht nur mit ihrem damals einjährigen Kind, sondern auch mit einer Begleiterin unterwegs gewesen sein. Gemeinsam hätten sie gestohlene Waren einem Mann für den Weiterverkauf übergeben, warf die Staatsanwaltschaft der Angeklagten vor. Deshalb lautete die Anklage auch auf gewerbsmäßigen Diebstahl.

Vor Gericht räumte die Frau zwar die Diebstähle ein, bestritt aber den Vorwurf, diese hätten dem Ziel gedient, damit Geld zu verdienen. Sie habe eigentlich nur mit ihrer Freundin an der Strandpromenade spazieren gehen wollen. Die Diebstähle seien nicht geplant gewesen: „Ich weiß nicht, was ich mir gedacht habe, es war spontan“, erklärte die Angeklagte, die einräumte, Geldprobleme zu haben. Bei den Diebstählen sei sie allein gewesen, ihre Freundin sei währenddessen an der Promenade spazieren gegangen.

Angesichts einer beachtlichen Leibesfülle der Angeklagten hätte sich ihre Behauptung, die gestohlene Ware sei für sie selbst bestimmt gewesen, möglicherweise leicht widerlegen lassen. Doch Angaben über die Kleidergrößen habe die Polizei nicht notiert, erklärte der Staatsanwalt dem Ostholsteiner Anzeiger. Die gestohlene Ware sei lediglich den Eigentümern zurückgegeben worden.

So ließ der Anklagevertreter mangels handfester Beweise zwar den Vorwurf der Gewerbsmäßigkeit fallen, sprach in seinem Plädoyer aber von einem „Geschmäckle“. Wenn es zu weiteren Taten komme, müsse man von einer Gewerbsmäßigkeit ausgehen“, warnte er. Das sah auch Amtsrichter Witt so. In die Geldstrafe in Höhe von 400 Euro ließ das Gericht eine Verurteilung vom September vergangenen Jahres einfließen. Damals war die Angeklagte in Lübeck ebenfalls wegen Diebstahls zu 100 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Weitere Taten soll es nicht geben: „Das kommt nicht wieder vor“, versicherte die Angeklagte. Es war der einzige Satz, den sie in ihrem Schlusswort sagte.

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erstellt am 08.Feb.2017 | 18:03 Uhr

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