„Gewalt kommt nicht in die Tüte“

Vertreter von Polizei, Schulsozialarbeit, Familienbildungsstätte, Frauenhaus und -Notruf sowie die Gleichstellungsbeauftragte Gudrun Dietrich (rechts) starten die Brötchentütenaktion gemeinsam. Autorin Petra Glueck (2.v.l.) spricht offen über ihre Erlebnisse mit K.O.-Tropfen.
Vertreter von Polizei, Schulsozialarbeit, Familienbildungsstätte, Frauenhaus und -Notruf sowie die Gleichstellungsbeauftragte Gudrun Dietrich (rechts) starten die Brötchentütenaktion gemeinsam. Autorin Petra Glueck (2.v.l.) spricht offen über ihre Erlebnisse mit K.O.-Tropfen.

Brötchen-Aktion gegen häusliche Gewalt auf dem Wochenmarkt / Lesung und Infoveranstaltung zu K.O.-Tropfen am 23. November

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17. November 2017, 00:58 Uhr

Die alljährliche Aktion der Bäckereien gegen häusliche Gewalt möchte in diesem Jahr in Eutin auch für das Thema K.O.-Tropfen sensibilisieren. „Es kann jeden treffen und deshalb ist es wichtig, das die Menschen wissen, wie sie helfen und richtig reagieren können“, sagt Petra Glueck. Sie ist die Autorin des Buches „K.O. – No, Pass auf dich auf!“, aus dem sie lesen und ihre Geschichte berichten wird, denn vor 20 Jahren wurde die damals 35-Jährige selbst Opfer und schwer missbraucht.

„Wir wollen junge Menschen mit dem Thema erreichen und werden deshalb nächsten Donnerstag in der Aktionswoche mit einer Lesung und Vertretern von Polizei, Frauennotruf, Familienbildungsstätte und mir als Gleichstellungsbeauftragten in die Kreisberufsschule gehen“, sagte Gudrun Dietrich gestern.

Die Aktionswoche zum Thema „Gewalt kommt nicht in die Tüte“, die bereits zum 14. Mal gemeinsam vom Sozialministerium, des Landesinnungsverband des Bäckerhandwerks und der Gleichstellungsbeauftragten veranstaltet wird, geht vom 20. bis 25. November. Mehr als 320 000 Tüten mit dem Aufdruck
der kostenlosen Hilfshotline (08000116016) werden im Land verteilt. Von den rund 21 000 Tüten in Ostholstein, sind in der nächsten Woche insgesamt 5000 in den Klausberger-Filialen erhältlich. „Wir wollen das Thema Gewalt gegen Frauen enttabuisieren und Betroffenen Mut machen, darüber zu sprechen“, sagt Dietrich.

In einer gemeinsamen Aktion mit allen Beteiligten werden in Eutin am Samstag, 25. November, von 10 bis 13 Uhr rund 300 Brötchen in den besonderen Tüten auf dem Eutiner Wochenmarkt verteilt, gespendet von Klausberger. Wie aktuell das Thema der häuslichen Gewalt immer noch ist, berichteten Vertreter von Polizei, Frauennotruf und Frauenhaus. „800 Fälle von häuslicher Gewalt gab es 2016 im gesamten Gebiet der Polizeidirektion Lübeck, 147 Fälle davon in Ostholstein“, sagte Ralf Hoffschild, der bei der Polizei Sachbearbeiter für häusliche Gewalt ist. Sibylle Rohowsky vom Frauenhaus schilderte ein landesweites Problem: „Wir sind zwischen 85 und 95 Prozent ausgelastet, es gibt Wochenenden, an denen finden wir keinen Platz und müssen auf Nachbarbundesländer ausweichen.“ Ob das daran liege, dass die Fallzahl zunehme, könne sie nicht sagen. Fakt sei aber, dass die Toleranzgrenze der jungen Frauen heute deutlich niedriger sei und sie schneller der Gewalt entfliehen als früher. „Das Thema ist gesellschaftsfähiger geworden und auch Flüchtlingsfrauen kommen zu uns, weil auch die Frauen, die mit ihren Männern geflohen sind, sehen, wie Frauen hier leben und wollen auch für sich ein gewaltfreies Leben“, so Rohowsky. Dann sei, ebenso wie im Frauennotruf, immer häufiger ein Dolmetscher gefragt. „Unter der Hilfshotline sind Dolmetscher in 23 verschiedenen Sprachen erreichbar“, ergänzte Dietrich. Nicht nur Hilfesuchende, sondern auch Institutionen können hier in einem ersten Gespräch mit den Frauen anrufen und viel Druck von den Schultern nehmen, so Dietrich.

Um die Jugendlichen in einem geschützten Rahmen direkt ansprechen und informieren zu können, wurde eine Lesung und Infoveranstaltung in der Kreisberufsschule am Donnerstag, 23. November, ab 11.15 Uhr organisiert. Am Abend lädt die Familienbildungsstätte im Dunckernbek ebenfalls zur kostenlosen Lesung mit Petra Glueck und zur Infoveranstaltung zum Thema ein.

>Infomaterialien liegen im Rathaus, der Kreisbibliothek, der Familienbildungsstätte, den Klausberger-Filialen und der Volkshochschule aus – auch mehrsprachig. Mehr zur Autorin Petra Glueck in der Mittwochausgabe.

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