zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

23. Oktober 2017 | 16:10 Uhr

Gesperrte Brücke: Eltern entsetzt

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Während die Verwaltung einen Neubau der Regenbogenbrücke ins Spiel bringt, müssen Grundschüler gefährliche Umwege in Kauf nehmen

shz.de von
erstellt am 05.Feb.2014 | 00:31 Uhr

Als Mara-Lisa (7) und ihre sechs Klassenkameraden den Weg zur Gustav-Peters-Schule zum ersten Mal ganz alleine bewältigten, war Katja Dawidowicz Stolz auf ihre Tochter. „Wir Eltern haben uns jeden Morgen um 7.30 Uhr an der Brücke getroffen und unsere Kinder von hier aus auf den Weg zur Schule geschickt“, erzählt sie. Bereits nach vier Wochen seien die Erstklässler zum ersten Mal ohne elterliche Begleitung zu ihrer Grundschule gegangen. Nur kurze Zeit später wurde die Regenbogenbrücke zwischen Kamp und Blauer Lehmkuhle im Herbst 2013 wegen Schäden am Bauwerk gesperrt.

Für die Schüler und ihre Eltern aus dem Hochkamp eine kleine Katastrophe. „Es gibt von unserem Wohngebiet aus keinen Schulweg mehr, den ich meine Tochter mit gutem Gewissen alleine gehen lassen würde“, sagt Dawidowicz. Um die Schüler auch weiterhin sicher zum Unterricht zu bringen, hat sie mit den anderen Eltern Fahrgemeinschaften gebildete. Weitere Alternativen sieht Dawidowicz nicht. „Von dem Weg über die Bahnschienen und die Kerntangente hat uns die Schule trotz der Verkehrsinsel abgeraten.“ Auch die von der Schule empfohlene Route über die Bahnschienen und den Festplatz hält die Mutter für ungeeignet. „Sie ist nur spärlich beleuchtet und führt die Kinder mindestens zehn Minuten durch einsames waldähnliches Gebiet.“ Der Umweg über die Plöner Straße entfalle wegen der großen Entfernung.

Gemeinsam mit über 230 Eltern, deren Kinder ebenfalls von der Sperrung betroffen sind, unterzeichnete sie deshalb einen Appell an das Bau- und Schulamt. In diesem fordern sie die schnellstmögliche Wiederöffnung der Brücke. „Ich schlage vor, dass man bis dahin über den Einsatz eines Schulbusses für das Wohngebiet Hochkamp nachdenkt – zumindest für die Stoßzeiten.“ Schon jetzt würden die „Elterntaxis“ vor der Gustav-Peters-Schule jeden Tag ein extremes Verkehrschaos verursachen.

Dass die Regenbogenbrücke in den kommenden Wochen tatsächlich wieder geöffnet wird, ist äußerst fraglich. Die Verwaltung will den Mitgliedern des Bauausschusses heute empfehlen, sie mit einer Vorplanung für den Neubau der Brücke zu beauftragen. „In Hinblick auf eine dauerhafte Lösung und bei Betrachtung der erheblichen Sanierungskosten erscheint die weitergehende Untersuchung einer Neubauvariante wirtschaftlich äußerst sinnvoll“, heißt es hierzu in der Beschlussvorlage. Die groben Kosten für einen möglichen Neubau der Brücke schätzt die Verwaltung auf bis zu 500 000 Euro. Die Vorplanung sei notwendig, um belastbare Zahlen zu erhalten. Die vom zuständigen Ingenieurbüro empfohlene Sanierung der Brücke wird derzeit mit 212 000 Euro zuzüglich der Kosten für die Sicherung der Stützen veranschlagt.

Für die Schulkinder hätte die Sanierung den Vorteil, dass sie die Regenbogenbrücke womöglich schon im Sommer wieder passieren könnten. Ein Neubau würde sich hingegen bis ins kommende Jahr hinziehen. „Trotz dieser negativen Zeitschiene empfehlen wir, den Neubau der Brücke detaillierter zu untersuchen. In der Vergangenheit konnte bei verschiedensten Maßnahmen immer wieder festgestellt werden, dass eine Sanierung meist nur eine Kompromisslösung sein kann“, erklärt die Verwaltung. Für Dawidowicz würde der Neubau hingegen bedeuten, dass sie weiter „Elterntaxi“ spielen müsste.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen