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Ostholsteiner Anzeiger

22. Oktober 2017 | 14:03 Uhr

Eutin : Geschlossen wegen Beliebtheit

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Künftig ist die Kompostanlage im Baubetriebshof nur noch zweimal im Jahr geöffnet / Zu viele Menschen liefern zu viel Grünschnitt

shz.de von
erstellt am 10.Apr.2015 | 05:00 Uhr

Eutin | Die Sonne scheint und ganz Eutin hübscht den heimischen Garten auf. Doch wohin mit den Abfällen? In Spitzenzeiten kommen bis zu hundert Gartenfreunde täglich auf den Baubetriebshof, um alles, was unter die Rubrik Grün- und Parkabfälle fällt, auf der Kompostanlage loszuwerden. An normalen Tagen sind es zwischen 40 und 60. „Zu viele“, sagt Jens Rohe, stellvertretender Leiter des Baubetriebshofs. „Wir kommen an unsere Kapazitätsgrenzen. Deshalb ist die Kompostanlage nach mehr als zehn Jahren, in denen sie neun Monate im Jahr geöffnet hatte, künftig nur noch je zwei Wochen im Frühjahr und Herbst geöffnet.“

Die ökologischen Anforderungen hätten sich seit Einführung der Kompostannahme deutlich verändert, wie es in der offiziellen Mitteilung heißt, und dem müsse der Baubetriebshof Rechnung tragen. Pro Jahr darf der Baubetriebshof nur rund 500 Kubikmeter Kompost annehmen. Hinzu kommen Grün- und Parkabfälle, die die Städtischen Betriebe dort entsorgen. Dass die Fällarbeiten im Seepark für die Landesgartenschau zum Erreichen der Kapazitätsgrenze geführt hätten, verneint Rohe. Das liege auf einem anderen Haufen. „Es ist ein Serviceangebot von uns für die Bürger, das gut und gerne angenommen wird“, sagt Rohe. Ein Eutiner Gartenfreund bestätigt: „Ich komme viele Jahre hierher. Es ist wirklich ein tolles Miteinander. Das einzige Problem, das es gibt: Die Wertschätzung dieses Angebots sollte mehr in den Fokus der Benutzer gerückt werden.“ Rohe weiß, was der Gartenfreund, der namentlich nicht genannt werden will, meint, und zeigt auf einen großen Müllberg hinter Baumresten. „Wir fischen hier Autobatterien, Kanister, blaue Säcke, in denen die Leute ihren Müll zu uns bringen, und Autoreifen raus. Alles gut getarnt mit Grünzeug.“ Mittlerweile haben er und seine Mitarbeiter ein Auge dafür entwickelt, kontrollieren den Komposthaufen mehrfach. „Einiges entdecken wir aber doch erst, wenn wir den Haufen mit dem Radlader zusammenfahren.“

Neben dem unerlaubten Entsorgen des Mülls sei das Feilschen um Centbeträge nervig, bestätigen Mitarbeiter vor Ort. Für jeden abgegebenen Kubikmeter müssen fünf Euro gezahlt werden, für einzelne Säcke rund einen Euro. Die Mitarbeiter schätzen die Menge vor dem Abladen. „Viele sagen dann, dass wir das ja wieder zu Geld machen und als Kompost verkaufen“, sagt Rohe. Das stimme auch. Der Kubikmeter Kompost kostet 8,50 Euro. Das jedoch reiche nicht, um am Ende eine schwarze Null zu generieren. Rohe erklärt: „Der Kompost muss von einer Fremdfirma geschreddert werden, das kostet pro Kubikmeter 3,50 Euro. Das Ergebnis des Schredderns wird gesiebt, was weitere 3,50 Euro kostet.“ Gröbere Aststücke werden an Biomasseheizkraftwerke verkauft.

Die Begründung der Stadtwerke, die für den Baubetriebshof zuständig sind, liest sich dagegen eher, als wolle die Stadt wirtschaftlichen Interessen anderer Anbieter nicht in die Quere kommen. Mark Mißling, Leiter der Städtischen Betriebe, sagt darin: „Neben dem Angebot, welches der ZVO mit seiner ‚grünen Tonne‘ bietet, sind rund um Eutin und im gesamten Kreisgebiet eine ganze Reihe von Deponien entstanden, die sich auf diesen Wirtschaftszweig spezialisiert haben.“ Doch Druck, das bestätigte ZVO-Sprecher Detlef Lichtenstein, habe es nicht gegeben. Im Gegenteil: „Wir unterstützen die Annahme von Grünschnitt auf dem Betriebshof.“ Denn wer dort Grünschnitt abliefere, werde das nicht alles in eine Biotonne bekommen, die in erster Linie für Essensreste und Biomüll gedacht sei.

Öffnungszeiten Kompostanlage: Noch bis 17. April und vom 2. bis 13. November: Mo.-Do.: 7.30 bis 15 Uhr, Fr. 7.30 bis 12 Uhr.

 


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