Gericht zeigt Video der Vernehmung

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11. Januar 2018, 13:56 Uhr

Wann ist ein „Nein“ ein „Nein“ und wann ein „Vielleicht“ gar ein „Ja“. Diese Frage versucht noch immer das Amtsgericht Plön in einem Prozess um einen sexuellen Missbrauch zu klären. Angeklagt ist ein heute 25-Jähriger aus dem Kreis. Ihm wird vorgeworfen, im März 2016 auf einem Frühlingsfest in einem Dorf unweit von Plön eine damals 17-Jährige sexuell bedrängt und angefasst zu haben. Auch der zweite Verhandlungstag war wieder durch einige Überraschungen geprägt.

Es passiert nicht sehr oft, dass das Gericht die Vernehmung, in diesem Fall des damaligen Opfers, durch die Polizei als Video-Aufzeichnung im Gerichtssaal abspielen lässt. Angeordnet hatte das das Gericht selbst im Hinblick auf mögliche Widersprüche während der Anhörung des Opfers im laufenden Prozess. Darin schildert das Opfer einer Kripobeamtin die Ereignisse jenes bewussten Tat-Abends.

Auf dem Weg vom Klo habe sie der Angeklagte, den sie vom Fußballverein des Dorfes her kennt, abgefangen. Er habe sie am Arm gefasst und gegen ihren Willen geküsst. Dann sei sie von ihm in die Umkleidekabine im Sporthaus gezogen worden. Auch dort habe der Angeklagte sie geküsst, obwohl sie nein gesagt habe. Schließlich hätte der Angeklagte seine Hose aufgemacht und ihr an die Brust gegriffen – gegen ihren Willen. Glücklicherweise habe ihre Mutter sie gesucht. So konnte sie sich aus der Umkleidekabine losreißen. Das alles schilderte sie der Kripobeamtin durchaus ergriffen auf wiederholte Nachfragen in Bruchstücken.

Erster Zeuge im Gericht war gestern ein ehemaliger guter Freund des Opfers. Auch er war auf dem Fest. Nach dem Vorfall war er es, der sie fand und dem sie heulend die Übergriffe schilderte. „Sie ist in meinem Arm zusammengebrochen und hat mir alles erzählt“, schildert er. Und doch wirft seine Aussage ein fragwürdiges Licht auf seine Erinnerung.

Richter, Staatsanwalt und Verteidiger machen dem Zeugen wiederholt den Vorhalt, mehr als vage zu bleiben, was er erlebt, gehört oder nur erzählt bekommen habe. „Sie haben damals (bei der Polizei - Red.) ganz schön vom Leder gezogen“, ermahnte ihn der Staatsanwalt. Da sei doch eine „riesige Diskrepanz“ in seinen Angaben damals und heute. „Was stimmt denn da so?, fragte der Richter. Unklar bleibt, ob es in der Umkleidekabine letztlich nur der Versuch war oder eine Tat. Was habe das Opfer ihm tatsächlich gesagt? Ein entscheidender Punkt, den das Gericht noch bewerten muss.

Klar und deutlich dagegen die Aussage des ebenfalls als Zeuge befragten Vaters des Opfers. „Sie weinte sehr als sie mir kurz nach dem Vorfall davon erzählte.“ Er war es auch, der von zu Hause aus die Polizei rief. Er schilderte dem Gericht, dass der Angeklagte nach Aussage seiner Tochter schon mehrfach gegen deren Willen am Po angefasst habe, er dem Angeklagten dies schon vor jenem Abend untersagt hatte.

„Sie hat sich zuerst geschämt, zumal bereits am Montag in der Schule darüber getuschelt wurde“, erzählte er. Von Vergewaltigung sei dann gleich die Rede gewesen. Schließlich wurden der Tratsch und die Anfeindungen im Dorf so schlimm, dass die Tochter die Ausbildung abbrach und in Therapie ging. „Immer wieder hatte sie nachts Panik-Attacken.“ Aus dem Dorf ist sie nun ausgezogen, macht woanders eine neue Ausbildung. Sie selbst lebten im Dorf „wie auf einer Insel“ mit Gerüchten und Anfeindungen. „Man schneidet uns.“

Bedeutend ist in diesem Fall ein Urteil aus zweierlei Sicht. Einmal geht es um dem Ruf des Opfers und der Familie. Andererseits könnte der Angeklagte es bei einer Verurteilung – egal in welcher Höhe – vergessen, als Beamter der Bundespolizei in den Dienst aufgenommen zu werden. Wie das Dorf, in dessen Sportheim das ganze durch einen aktiven Fußballer passiert sein soll, damit letztlich umgehen wird, bleibt abzuwarten. Zwei weitere Verhandlungstage sind noch in diesem Monat bis zum Urteil angesetzt.

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