Eutin : Gericht reduziert Fahrverbot

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Angeklagte hatte bei der Curtius-Klinik ein Auto gerammt. Sie beteuerte, von dem Unfall nichts bemerkt zu haben.

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25. Oktober 2018, 14:03 Uhr

Ungeschoren kam sie nicht davon, dennoch hat sich der Widerspruch gegen einen Strafbefehl für eine 75-Jährige aus dem niedersächsischen Stelle gelohnt. Am Mittwoch wurde ihr Fall vor dem Eutiner Amtsgericht verhandelt. Die Frau war Patientin der Malenter Curtius-Klinik und hatte beim Ausparken mit ihrem betagten Opel Combo einen Audi gerammt. Ihr Vergehen: Statt sich um den angerichteten Schaden zu kümmern, fuhr sie davon und stellte das Auto später an anderer Stelle auf dem gleichen Parkplatz wieder ab. Die vom geschädigten Autofahrer informierte Polizei hatte daher leichtes Spiel.

Amtsrichterin Anja Farries mochte kaum glauben, dass die Friseurmeisterin, die erst vor kurzem in den Ruhestand gegangen ist, von dem Unfall nichts bemerkt hat, wie diese beteuerte. „Ich habe in meinem Leben schon einige Beulen ins Auto gefahren“, bekannte die Amtsgerichtspräsidentin freimütig. So ein Unfall sei „irre laut“.

An dem gegnerischen Fahrzeug entstand laut Gutachten immerhin ein Schaden von knapp über 2000 Euro. Doch die Angeklagte blieb dabei. Sie habe nichts bemerkt. „Wenn ich etwas gehört hätte, wäre ich ausgestiegen und hätte nachgesehen“, versicherte die Frau. Schließlich sei sie ja auch versichert.

Ihr Anwalt setzte alles daran, seine Mandantin aus der Sache rauszupauken. Da ihm die Versicherung aus Datenschutzgründen das Gutachten nicht zur Verfügung gestellt habe, meldete er Zweifel an der Höhe des Schadens an – und damit an den rechtlichen Folgen der Unfallflucht. Dafür nahm der Anwalt auch ein Wortgefecht mit der Staatsanwältin in Kauf. Farries bot eine Vertagung an: „Ich habe kein Problem damit, nur dann wird alles noch teurer“, erklärte sie.

Nun machte der Anwalt gut Wetter: Seiner Mandantin komme es vor allem darauf an, die Führerscheinsperre zu reduzieren. „Dann sollte man vielleicht etwas anders auftreten“, belehrte ihn Anja Farries. Das übernahm schließlich die Angeklagte selbst. „Ich wohne auf einem Dorf“, erklärte sie. Ohne Auto könne sie ihre Kinder nicht besuchen. Eigentlich hätte sie gemäß Strafbefehl noch sieben Monate auf ihren Führerschein verzichten müssen.

Anja Farries schlug vor, die Führerscheinsperre auf drei Monate zu reduzieren. Damit tat sich die Staatsanwältin zwar sichtlich schwer, stimmte dann jedoch zu. „Ich habe den deutlichen Eindruck gewonnen, dass Sie die vorläufige Entziehung des Führerscheins derart wachgerüttelt hat, dass sich so etwas nicht wiederholen wird“, begründete Anja Farries das milde Urteil. Außerdem reduzierte sie angesichts der niedrigen Rente der Angeklagten die Geldstrafe auf 750 Euro (30 Tagessätze).

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