Eutiner Schöffengericht : Gericht griff durch: Sextäter soll sitzen

Das Eutiner Schöffengericht wirft einem 45-Jährigen, der eine 32-jährige Frau niederschlug, eine besonders schwere sexuelle Nötigung vor.

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12. November 2009, 11:06 Uhr

Eutin | Zweieinhalb Jahre Gefängnis ohne Bewährung hat gestern das Eutiner Schöffengericht gegen einen 45-jährigen Handwerker aus der Gemeinde Süsel verhängt. Dieses auch von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmaß wurde wegen sexueller Nötigung und Körperverletzung festgelegt. Dabei ging das Gericht von einem besonders schweren Fall aus, obwohl es keine vollendete Vergewaltigung gegeben hatte.

In einer gut vierstündigen Verhandlung wurde unter Vorsitz von Richter Otto Witt intensiv ein Geschehen beleuchtet, das sich am 1. November 2008, also vor etwas mehr als einem Jahr, in Eutin ereignet hatte. Die Beweisaufnahme ergab, dass sich der 45-jährige Angeklagte und eine 32-jährige Eutinerin in einer Gaststätte in der Bahnhofstraße erstmals getroffen und sich am frühen Morgen gegen 6 Uhr ein Taxi zur Heimfahrt geteilt hatten - weil die Wohnung der Frau auf dem Heimweg des Handwerkers lag. Beide waren erheblich alkoholisiert, ihr Blutalkoholwert lag um 9.27 Uhr noch bei 1,98 Promille, seiner bei 1,5.
Die Frau habe blutverschmiert vor der Haustür gelegen
Doch der Angeklagte fuhr nicht nach Hause, sondern stieg gemeinsam mit der Frau vor deren Adresse aus. Nach Überzeugung des Gerichtes geschah dann, was in der Anklageschrift stand: Der Mann habe die Frau vor der Haustür mit einem Schlag ins Gesicht zu Fall gebracht, ihr die Hose heruntergezogen und versucht, sie zu vergewaltigen - trotz ihrer Gegenwehr.

Die Überfallene rief so laut um Hilfe, dass eine Nachbarin trotz geschlossener Fenster wach wurde und ihren Mann die Polizei anrufen ließ. Ein Beamter, der mit einem Kollegen sieben Minuten später am Tatort eintraf, schilderte gestern als Zeuge, dass er im Kegel einer Taschenlampe gesehen habe, wie der Angeklagte in liegestützartiger Position über der Frau gewesen sei. Erst nach dem Eintreffen der Beamten sei er aufgestanden und habe sich die Hose hochgezogen. Die Frau habe blutverschmiert und mit entblößtem Unterleib auf den Betonplatten vor der Haustür gelegen.
Der Schlag sei versehentlich erfolgt, weil sie stark getorkelt sei
Der Angeklagte, der vor zehn Jahren schon einmal wegen einer Körperverletzung verurteilt worden war, schilderte das Geschehen so, als ob die Frau kaum in der Lage gewesen sei, auf zwei Beinen zu stehen. Sie sei bei dem Versuch, die Haustür aufzuschließen, zweimal gegen die Hauswand gefallen. Der Schlag, der bei der 32-Jährigen zu einem "blauen Auge" führte, sei versehentlich erfolgt, weil sie stark getorkelt sei. Den Versuch einer sexuellen Annäherung stritt er nicht ab, erzählte aber, er habe von der Frau schon vor dem Eintreffen der Polizei abgelassen.

Die Darstellung nahmen Staatsanwältin und Gericht dem Angeklagten nicht ab. Allein die Aussagen von Taxi-Fahrer, Nachbarin und Polizei, so Richter Witt in der Urteilsbegründung, hätten gereicht, um dem Angeklagten eine sexuelle Nötigung und Körperverletzung nachzuweisen.
"Für eine Frau, die so etwas erlebt hat, ist das Leben nicht mehr wie vorher"
Nicht leicht machten es sich Staatsanwältin und Gericht bei der Frage, ob die Tat einen besonders schweren Fall darstellte, was auf jeden Fall bei einer vollendeten Vergewaltigung eingetreten wäre. Denn mit der besonderen Schwere ist eine Mindeststrafe von zwei Jahren Haft verbunden, die nur noch unter besonderen Umständen zur Bewährung ausgesetzt werden kann.

Während der Verteidiger für eine Bewährungsstrafe warb, da der Angeklagte eine schwangere Freundin habe und keine Wiederholungsgefahr bestehe, bejahte das Gericht die besondere Schwere der Tat, die Möglichkeit zur Bewährung nicht. Es wäre zu einer Vergewaltigung gekommen, so stimmte das Gericht der Anklagevertreterin zu, wenn der Täter dazu in der körperlichen Verfassung gewesen und keine schnelle Hilfe gekommen wäre.

Mit dem Urteil, gegen das Berufung oder Revision eingelegt werden kann, muss der 45-Jährige nicht nur eine Haftstrafe antreten, sondern auch die gesamten Verfahrenskosten tragen und dem Opfer 2000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Zu den Folgen der Tat gehörten für die zweifache Mutter nicht nur die längst verheilten Verletzungen, sondern besonders die psychische Belastung: Ihre Ehe sei in die Brüche gegangen, sie sei keine Beziehung mehr eingegangen und in psychiatrischer Behandlung. Otto Witt in der Urteilsbegründung: "Für eine Frau, die so etwas erlebt hat, ist das Leben nicht mehr so wie vorher."

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