Gericht beendet 30 Jahre Gewalt

84-Jähriger Plöner stand vor dem Schöffengericht

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10. Juli 2018, 11:40 Uhr

Mit einer Entschuldigung und einem Schmerzensgeld in Höhe von 1500 Euro setzte das Plöner Schöffengericht in einer zweitägigen Verhandlung jetzt einen Schlussstrich unter eine 30-jährige, von Gewalt und Demütigungen geprägte Partnerschaft. Das Besondere an diesem Strafverfahren: Der Angeklagte hatte im Mai diesen Jahres bereits sein 84-jähriges Lebensjahr vollendet, die Geschädigte das achtzigste. Damit dürfte der Angeklagte wohl der älteste Delinquent gewesen sein, der sich je vor dem Plöner Gericht wegen einer Straftat zu verantworten hatte.

Dem rüstigen Rentner aus Plön warf die Kieler Staatsanwaltschaft räuberische Erpressung und Körperverletzung vor. Zwischen März und Juli 2016 hatte der Angeklagte, so der Vertreter der Staatsanwaltschaft, seine damalige, offensichtlich vermögende Lebensgefährtin durch Schläge und Stiche mit einer Kuchengabel dazu nötigen wollen, ihn als Miteigentümer einer am Tegernsee gelegenen Eigentumswohnung ins Grundbuch eintragen zu lassen.

Ihre Ablehnung beantwortete der Angeklagte mit Drohungen und körperlichen Übergriffen, die darin gipfelten, dass er seiner Partnerin mehrfach mit einer Kuchengabel in den Arm stach, ihr Haare ausriss und so heftig ins Gesicht schlug, dass sie Hämatome davon trug. Anlass für die Geschädigte, sich nun anwaltschaftlichen Beistand zu holen.

In einem diesem Strafverfahren vorausgegangenen Zivilverfahren vor dem Plöner Familiengericht wurde der Angeklagte aus dem Haus gewiesen und mit einem lebenslangen Kontaktverbot belegt. Angesichts des angeschlagenen Gesundheitszustandes der Geschädigten, der es ihr offenkundig große Mühe bereitete, dem Verhandlungsablauf zu folgen, kamen Gericht, Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Rechtsbeistand der Geschädigten überein, das Verfahren ohne Urteil zu beenden.

Nach Beratung mit seinem Verteidiger akzeptierte der Angeklagte die verhängten Auflagen. Noch im Gerichtssaal entschuldigte er sich bei seinem Opfer und versprach, das geforderte Schmerzensgeld zügig zu zahlen. Danach wird das Gericht das Verfahren endgültig einstellen.

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