Neue Wohnformen in der ehemaligen Schill-Kaserne : „Genossen“ bekommen in Lütjenburg lebenslanges Wohnrecht

Bürgermeister Dirk Sohn und die „Ting“-Geschäftsführerin Jasna Baumgarten aus Schwentinental luden Interessenten zu einem vor Ort Termin.
Bürgermeister Dirk Sohn und die „Ting“-Geschäftsführerin Jasna Baumgarten aus Schwentinental luden Interessenten zu einem vor Ort Termin.

Gesellschafter eines neuen Wohnprojekts auf dem Gelände der ehemaligen Schill-Kaserne können ihre Einlagen auch vererben

Avatar_shz von
14. September 2020, 15:06 Uhr

Lütjenburg | Die Erschließung des Geländes der ehemaligen Schill-Kaserne geht zügig voran. Rund die Hälfte der Grundstücke ist bereits verkauft, für den Rest gibt es mehr als genug Interessenten. Jetzt wurde auch der Boden bereitet für ein neues Wohnprojekt, das es bisher in der Stadt noch nicht gibt. Auf rund 3000 Quadratmetern sollen 20 Wohnungen in zwei Geschossbauten entstehen, die von den späteren Bewohnern in einer privaten Genossenschaft realisiert werden. Bürgermeister Dirk Sohn und die „Ting“-Geschäftsführerin Jasna Baumgarten aus Schwentinental luden nun Interessenten zu einem vor Ort Termin.

Menschen, die in einem Haus wohnen wollen, kaufen sich dort ein

„Ting“ plant, baut und betreut das genossenschaftliche Wohnprojekt „Uns Lüttenburg“. Realisiert hat das Unternehmen bereits 16 ähnliche Bauvorhaben in allen Teilen des Landes mit insgesamt 370 Wohneinheiten. Und das seit gut 10 Jahren. Im Kreis Plön ist „Ting“ bereits in Laboe und Preetz vertreten. Lehrstände gebe es dabei nicht, so die Geschäftsführerin, Jasna Baumgarten. „Menschen, die in einem Haus wohnen wollen, kaufen sich dort ein. ,Ting’ begleitet dies“, so Baumgarten zum grundlegenden Prinzip.

Alle Häuser sind behindertengerecht geplant, jede Wohnung verfügt über einen Balkon oder eine Terrasse

Und der Erfolg gibt ihr Recht. So wurde „Ting“ von Experten 2019 als Sieger beim Kieler Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet. Der Preis wird seit 2016 für innovative Ideen, Konzepte und Projekte ausgelobt, die den Wandel zu einer nachhaltigen Gesellschaft unterstützen. Die beiden Wohnhäuser sollen am Rande des Kasernengeländes nahe der Hochmode gebaut werden. Nach dem vorliegenden Prospekt haben die Wohnungen zwei bis vier Zimmer und sind bis zu 94 Quadratmeter groß. Angesprochen werden sollen damit Alleinstehende wie auch Familien oder Ruheständler. Acht der Wohnungen werden staatlich gefördert, für diese sind Wohnberechtigungsscheine notwendig. Alle Häuser sind behindertengerecht geplant, jede Wohnung verfügt über einen Balkon oder eine Terrasse. Vor den Bauten wird es 20 Stellplätze für Autos geben.

Jeder kann jeder seine Wohnung so ausstatten, wie er möchte

„Wir hoffen, dass hier – wie schon in anderen Projekten – eine neue Gemeinschaft entsteht“, so Baumgarten. Die Gesamtkosten bezifferte sie mit 4,9 Millionen Euro. Wer sich für eine der Wohnungen interessiert, muss sich allerdings in die Genossenschaft „Uns Lüttenburg“ mit einer entsprechend der Wohnungsgröße gestaffelten Einlage einkaufen. „Dafür kann jeder auch seine Wohnung so ausstatten, wie er möchte“. Er hat als Gesellschafter dann auch lebenslanges Wohnrecht und kann die Einlage auch vererben. Statt einer Miete zahlt der Bewohner dann ein Nutzungsentgelt, das meist geringer als die ortsübliche Miete ist.

Wir wollten kein reines Wohngebiet, vielmehr ein „urbanes Gebiet Dirk Sohn, Bürgermeister in Lütjenburg
 

Los geht es mit dem Bau, wenn „Ting“ für 70 Prozent der Wohnungen Interessenten gefunden hat, die die Genossenschaftsanteile gezeichnet haben. Angesprochen werden sollen vor allem Einwohner der Region. Gut zwei Dutzend – viele davon aus Lütjenburg – nahmen bereits die Chance war und informierten sich vor Ort. Laut Bürgermeister Dirk Sohn gibt es noch 47 Interessenten für Grundstücke auf dem Areal. „Wir wollten kein reines Wohngebiet, vielmehr ein „urbanes Gebiet“, sagt er. Gemeint ist damit eine Durchmischung mit stillem Gewerbe wie einer Arztpraxis oder einem Bürobetrieb. Im Gespräch sei bereits ein weiterer Wohnblock mit acht Wohnungen auf der gegenüberliegenden Seite. Kein Objekt darf allerdings die zulässige Bauhöhe von 12,5 Meter überschreiten. Der Vorteil dieses Areals sei die Stadtnähe, der Markt mit den Einkaufsbereichen ist nur 900 Meter entfernt. Auf der anderen Seite grenzt der Wohnbereich direkt mit Durchgängen an das Naturschutzgebiet. „Ich glaube, dass dies eine tolle Geschichte wird und wünsche mir, dass dies einen entsprechenden Zuspruch erhält.“
 

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen