Generationswechsel kommt

Eberhard Rauch (v. re.) verabschiedet sich als Geschäftsführer von den Vorstandsmitgliedern Werner Süß, Ingo Gerwanski und Karsten Kahlcke und übergibt ab Juli an Nachfolger Hannes Wendroth.
Foto:
Eberhard Rauch (v. re.) verabschiedet sich als Geschäftsführer von den Vorstandsmitgliedern Werner Süß, Ingo Gerwanski und Karsten Kahlcke und übergibt ab Juli an Nachfolger Hannes Wendroth.

Unternehmensverband fordert gerechte Netzentgelt-Struktur und mehr Unterstützung für schwache Kommunen

shz.de von
25. März 2017, 00:59 Uhr

Der Unternehmensverband Ostholstein-Plön (UVOHP) steht vor einem Führungswechsel und zahlreichen großen Aufgaben, das wurde gestern beim Pressegespräch deutlich.

Eberhard Rauch (74) wird ab 1. Juli die Geschäftsführung des UVOHP nach elf Jahren an Hannes Wendroth (59) abgeben. Der zwölfköpfige Vorstand des UVOHP hat ihn bereits gewählt. „Mit ihm haben wir den Richtigen gefunden“, ist Werner Süß, Vorsitzender des UVOHP, überzeugt. Den gut 350 Mitgliedsbetrieben soll der „Neue“ im Mai vorgestellt werden. Rauch hört auf eigenen Wunsch auf, will sich ab Sommer auf seine Kunstgalerie samt Biergarten in Bosau konzentrieren.

Die Themen, die den UVOHP beschäftigen, sind groß: von der Nullzinspolitik, die gerade in Deutschland für erhebliche Vermögensverluste sorge und die Altersversorgung vieler in Gefahr bringe; über den Standortnachteil der „Energiewende“ im Norden bis hin zu der Einbindung der Flüchtlinge in die Arbeitswelt und Unternehmen.

Karsten Kahlcke, Vorstandsmitglied und ehrenamtlicher Berater in Nachfolger- und Existenzgründungsfragen, kritisierte die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank stark. „Es führt dazu, dass in Unternehmen schneller Investitionen getätigt werden, die gar nicht mehr die notwendigen Erträge erzielen.“ Der Immobilien- und Aktienmärkte spielen laut Kahlcke verrückt, sodass es nur eine Frage der Zeit sei, wann die Blase wie 2008 zu platzen drohe. „Die Verluste gehen dann aus Sicht der Wirtschaft zu Lasten der Unternehmer und kleinen Regionalbanken, die ihre Zahlen nicht mehr erwirtschaften können.“ Die Folge: Kosten- und Personaleinsparung. Die Verunsicherung bei den Mittelständlern, bringe ein Unternehmen an die Grenzen: „Die privaten Vermögen schrumpfen, ebenso die Sparguthaben, die als Vorsorge gedacht waren. Das lässt viele bangen“, so Kahlcke.

Ein anderes Problem der Wirtschaft im Norden sei die ungerechte Netzentgelt-Struktur. „Es war mal angedacht, dass die Mehrkosten, die die Energiewende kosten, von allen Bundesländern gleich getragen wird, dagegen wehrten sich aber einige Länder“, macht Ingo Gerwanski vom UVOHP-Vorstand deutlich. Die Folge: „Allein in den Kreisen Ostholstein und Plön zahlen die Kunden 1,5 Cent mehr pro Kilowatt Strom. Vergangenes Jahr waren das insgesamt rund 20 Millionen Euro.“ Heruntergebrochen auf die Haushalte in den beiden Kreisen macht das jährlich rund 64 Euro Preisunterschied. „Das ist ein erheblicher Standortnachteil für die Wirtschaft im Norden“, so Gerwanski. Ob die Bundesregierung einem entsprechendem Appell des Bundesrates noch vor der Wahl folgt, ist fraglich.

Kritik an der Landesregierung gab es vom Noch-Geschäftsführer Eberhard Rauch: „Die mangelnde finanzielle Ausstattung der Kommunen hat unmittelbare Auswirkung auf die Ansiedlung von Gewerbe.“ Neben der mangelnden Investitionsbereitschaft in die Infrastruktur sei vor Jahren der Ausbau von Breitband verschlafen worden. „Das fängt jetzt erst an, gehört aber bei Ansiedlung – ob von Unternehmen oder Familien – heute zur Selbstverständlichkeit wie früher fließend Wasser und Elektrizität“, so Rauch.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen