zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

21. August 2017 | 14:29 Uhr

Gemeinsam in Erinnerungen schwelgen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Nach 50 Jahren trafen sich 21 pensionierte Polizeibeamte an ihrem ehemaligen Ausbildungsort wieder

58 junge Männer traten 1965 als neunter Anwärterlehrgang gemeinsam die Ausbildung für den Dienst bei der Landespolizei auf Hubertushöhe an. Ein halbes Jahrhundert später trafen sich kürzlich 21 von ihnen an ihrer ersten polizeilichen Wirkungsstätte. Der ehemalige Eutiner Polizist Werner Jost hatte die Begegnung in der Polizeidienststelle für Aus- und Fortbildung (PD AFB) gemeinsam mit Günter Santjer organisiert.

Ihre Unterkunft war seinerzeit außerhalb der eigentlichen „Polizeikaserne“ in Waldhäusern: Vier Polizeianwärter teilten sich eine 16 Quadratmeter große Stube mit zwei Doppelstock-Betten und vier Schränken sowie einem Tisch und vier Stühlen in der Mitte: „Wenn einer seine Schranktür öffnen wollte, musste sich jeder erst von seinem Stuhl erheben und ihn unter den Tisch schieben. Das wäre sonst nicht gegangen“, erinnert sich der 74-jährige Jost.

Noch vor dem Frühstück sei der Tag damals mit Sport eingeläutet worden, und das bei jedem Wetter. Gefrühstückt worden sei dann auf den Zimmern – Verpflegung, die bereits am Abend zuvor ausgeteilt worden sei, „meist gebogenes, altes Misch- oder Schwarzbrot und dazu ungenießbaren Kaffee“, wie Jost schildert.

Er hatte bereits eine Maurerlehre und 18 Monate Wehrpflicht absolviert, war 24, als er die Ausbildung bei der Polizei begann und damit deutlich erfahrener als seine jüngeren Kollegen, die meistens von der Schulbank zur Polizei kamen. Trotzdem sei auch für ihn jeder Ausbildungstag eine echte Herausforderung gewesen: „Wir waren auch strengen, militärisch auftretenden Ausbildern ausgesetzt, die ihre Machtposition durchaus ausnutzten und uns jungen Polizeianwärtern täglich das Leben sehr schwer machten. Da wurden Grenzen eindeutig überschritten. Das wäre heute undenkbar“, meint der gebürtige Kieler.

Die tägliche Formalausbildung und auch die sportlichen Leistungen hätten den damaligen Polizeischülern alles abverlangt. So sei auf dem Eutiner Standortübungsplatz der Bundeswehr das Robben und Gleiten „unterhalb der Grasnarbe“ geübt worden. „Da wurde keine Pfütze oder Matschkuhle ausgelassen, und das alles noch mit Gewehr oder auch MG 42“, berichtet Jost, der im Juli 2001 pensioniert wurde. Nach der gemeinsamen Ausbildung hätten alle damaligen Einsteiger sehr unterschiedliche Karrieren gemacht. Einige wechselten zur Kriminal- oder Wasserschutzpolizei.

In einem Punkt waren sich fast alle beim Wiedersehen trotz der entbehrungsreichen Zeit während ihrer Ausbildung mit Werner Jost einig: „Ich habe es niemals bereut, Polizeibeamter geworden zu sein. Diese Entscheidung war genau richtig.“



zur Startseite

von
erstellt am 12.Okt.2015 | 18:08 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen