Bosau : Gemeinde hat eine gute Zukunft

rauch, eberhard
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Rund 120 Interessierte folgten am Mittwoch einer Einladung des Ostholsteiner Anzeigers zum Info-Abend nach Bosau.

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09. Januar 2019, 23:36 Uhr

Die Gemeinde Bosau hat eine gute Zukunft im Amt Großer Plöner See. Davon überzeugten sich am Mittwochabend knapp 120 Interessierte im Haus „Schwanensee“. Sie folgten einer Einladung des Ostholsteiner Anzeigers mit Blick auf den 1. April, an dem Bürgermeister Mario Schmidt in Ruhestand geht und Eberhard Rauch die Nachfolge als ehrenamtlicher Bürgermeister antritt.

Unter der Moderation des OHA-Redakteurs Michael Kuhr wurde auch der neue Leitende Verwaltungsbeamte des Amtes Großer Plöner See, Stefan Dockwarder aus Bornhöved, vorgestellt. Der ehemalige Chef der Heimaufsicht des Kreises Plön wird am 1. April die Aufgaben übernehmen, die bis dahin Mario Schmidt beim Amt erledigt hat.

Die Umstellung der Verwaltungsstruktur in der Gemeinde Bosau solle reibungslos verlaufen, betonte Schmidt. „Wenn Sie nichts merken, wäre es das Beste.“ Der aus dem Amt scheidende Bürgermeister merkte an, dass durch den Personalwechsel nicht jede Veranstaltung vom Bürgermeister besucht werden könne. Die Stellvertreter würden für den Besuch von Veranstaltungen deutlich häufiger eingebunden. Seiner Erfahrung nach wollten jedoch viele „das Original“, also den Bürgermeister persönlich. Er mahnte an: „Der Stellvertreter ist genauso viel wert wie das Original.“

Dockwarder ist seit über 25 Jahren in leitender Funktion beim Kreis Plön tätig und in Bornhöved für die CDU in der Kommunalpolitik aktiv. Er war dort im Mai 2018 Bürgermeisterkandidat, schaffte den Sprung allerdings nicht und ist jetzt zweiter stellvertretender Amtsvorsteher. Er versprach, für das Amt Großer Plöner See da zu sein, trotz seiner Tätigkeiten in Bornhöved. „Selbstverständlich werde ich auch in der Gemeinde Bosau sein“, betonte der geborene Neumünsteraner.

Michael Kuhr blickte zurück in das Jahr 2006, als Ulf Witt, Karl-Heinz Mielke, Klaus Peter Kühl und Ernst August Dohm in Hutzfeld eine Demonstration für den Erhalt der Hauptamtlichkeit organisiert und 574 Unterschriften dafür gesammelt hätten. Die Große Koalition in Kiel mit Ministerpräsident Peter Harry Carstensen und Innenminister Ralf Stegner hatte beschlossen, dass eine Gemeinde mindestens 4000 Einwohner haben muss, um einen hauptamtlichen Bürgermeister zu beschäftigten und ein Amt mindestens 8000 Einwohner, um weiter allein zu existieren.

In Bosau mit seinen heute rund 3400 Einwohnern stand damals der Abschied von Bürgermeister Joachim Hermann in den Ruhestand bevor. Die Gemeinde agierte schnell genug und wählte noch einen neuen hauptamtlichen Bürgermeister: Mario Schmidt. Mit ihm übernahm die Gemeinde Bosau 2007 als geschäftsführende Gemeinde die Verwaltung des damaligen Amtes Plön-Land, das in Amt Großer Plöner See umbenannt wurde. Nach 18 Amtsjahren geht Mario Schmidt am 31. März in den Ruhestand – und das Gesetz von 2006 greift.

Mit Amtsvorsteher Gerold Fahrenkrog blickte Moderator Michael Kuhr in die Zukunft: Das Amt Großer Plöner See mit etwas über 8000 Einwohnern und das Amt Bornhöved mit 10 500 Einwohnern, das Stefan Dockwarder aus kommunalpolitischer Tätigkeit kennt, könnten zusammenwachsen und mit Dockwarder als Amtsdirektor eine große Einheit bilden. Fahrenkrog blieb gelassen: „Daran habe ich noch gar nicht gedacht.“

Und die Feuerwehren? Fusionieren die auch? Im Amt gebe es eine Amtswehr, sagte Fahrenkrog, in der Gemeinde Bosau eine Gemeindewehr. Er sei für alles offen, nur die Initiative müsse von den Feuerwehren kommen.

Von den Zuhörern kam die Frage, wie sich der neue Bürgermeister Eberhard Rauch seine Arbeit vorstelle. Rauch sagte, er werde Sprechstunden anbieten und sich erst einmal einfuchsen. Dafür erhoffe er sich 100 Tage Schonfrist. Er wolle den Bürgern in gemeindlichen Belangen zur Seite stehen. Ein „Bürgermeister für alle sein“ – das sei sei Ziel. Seine erste Tat im neuen Amt: „Das erste wird sein, sich dort hinzusetzen und zu schauen, wie das alles aussieht, und Kaffee zu bestellen.“ Die Antwort des neuen Bürgermeisters sorgte im Publikum für Gelächter.

Enno Meier nannte es wichtig, dass die Gemeinde Bosau auch weiterhin in den touristischen Gremien der Holsteinischen Schweiz und darüber hinaus vertreten sei. Auch das stehe dem ehrenamtlichen Bürgermeister zu. Rauch versicherte dem Publikum: „Der Tourismus liegt mir am Herzen und ich glaube, dass er ein wichtiges Standbein ist.“

Der Vorsitzende des Seniorenbeirates, Horst Wulf-Schnabel, erfuhr, dass der neue ehrenamtliche Bürgermeister auch dem Seniorenparlament zur Seite stehen werde. Und wenn es um die Sanierung der maroden Bosauer Straßen geht, dann wolle er der erste Ansprechpartner sein, sagte Rauch weiter.

Eine weitere Frage lautete, ob der Posten des ehrenamtlichen Bürgermeisters nicht die Grenzen der Ehrenamtlichkeit bedeuteten und ob Rauch einen festen Stundensatz habe? „Ich kann heute noch nicht sagen, wie viele Stunden dafür notwendig sind“, antwortete Rauch. „Ich weiß, dass das ein Packen ist, was da auf mich zukommt, rein zeitlich betrachtet, aber ich bin bereit, das zu tun.“

Die zeitliche Belastung sei für den neuen ehrenamtlichen Bürgermeister nicht zu verkennen, denn auch der noch amtierende Bürgermeister sei an seine Grenzen gestoßen. „Die Grenze der zeitlichen Belastung ist bei mir auch manchmal überschritten worden. Deswegen war nach 18 Jahren auch Schluss,“ bekannte Schmidt.

Bürgervorsteher Alfred Jeske nutzte den OHA-Informationsabend, um sich von den Bosauern aus dem Amt zu verabschieden. Auch er werde im April sein Mandat zurückgeben und nach sieben Legislaturperioden als Gemeindevertreter – darunter drei als Bürgervorsteher – aufhören. Als Nachfolger stehen auf der Liste Manfred Wollschläger und Christian Lüth. „Wenn ich an die Zeit zurückdenke, dann muss ich sagen: Das war eine produktive Zeit.“ Sicherlich habe man in dieser Zeit auch kontrovers diskutiert, aber immer im Sinne der Bürger, sagt Jeske. Vor der bevorstehenden Umstellung habe der aus dem Amt scheidende Bürgervorsteher keine Sorge, denn er schätze Rauch als ruhigen Menschen mit einem offenen Ohr. Alfred Jeske: „Wenn Sie später noch einmal Fragen haben, wenden Sie sich an den Bürgermeister“.

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