Eutiner Amtsgericht : Geldstrafe nach Gewalt gegen Polizei und Rettungskräfte

Ein 30-Jähriger wurde wiederholt aggressiv gegen Einsatzkräfte im Rausch nach Neudorfer Osterfeuer. Am Eutiner Amtsgericht wurde er am Dienstag zu einer Geldstrafe verurteilt.
Ein 30-Jähriger wurde wiederholt aggressiv gegen Einsatzkräfte im Rausch nach Neudorfer Osterfeuer. Am Eutiner Amtsgericht wurde er am Dienstag zu einer Geldstrafe verurteilt.

Angeklagter Familienvater zeigt sich reuig. Einsatzkräfte wurden vor seiner gewalttätigen Art über Funk gewarnt.

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29. September 2020, 15:09 Uhr

Eutin | Er galt als gewaltbereit gegenüber Rettungssanitätern und Polizisten – Einsatzkräfte wurden über Funk vor ihm gewarnt. Dienstag musste sich Ronny S. (30, Name geändert) vor Gericht für seinen jüngsten Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit Verstoß gegen das Waffengesetz und falscher Vermögensauskunft verantworten. Am Ende entschuldigte er sich bei den Polizisten: „Sie werden mich im Einsatz nicht wiedersehen, ich habe mich geändert.“

Betrunken soll er sich oft ohnmächtig gestellt und dann plötzlich um sich geschlagen

Seine Masche war bekannt unter den Einsatzkräften: „Passt auf, der täuscht Ohnmachtsanfälle vor und plötzlich schlägt er um sich“, erinnerte ein Polizeibeamter die Warnung über Funk von Kollegen eines anderen Reviers. Ronny S. hatte vergangenen April beim Neudorfer Osterfeuer zu viel getrunken, zu sehr durcheinander, wie er selbst zugibt. Er könne sich selbst an nichts erinnern – nur daran, dass er sich an einer Brücke mehrmals übergeben hatte. Als ihn die Beamten in der Nacht vom 20. auf den 21. April 2019 im Auto reglos sitzend fanden, lief der Motor. Der Angeklagte sagte, er habe den Wagen gestartet, um die Heizung in Gang zu bringen, der Wagen habe einen Getriebeschaden gehabt, wäre nicht gefahren. Seine Freundin sagte den gerufenen Polizeibeamten am Handy etwas anderes. Zeugen hatten, nachdem sie Ronny S. nach 20 Minuten immer noch bei laufendem Motor in der Quisdorfer Straße stehend sahen, die Polizei gerufen, weil er auch auf ihr Klopfen nicht reagierte.

1,79 Promille nach Osterfeuer in Neudorf – Schreckschusspistole fiel auf die Straße

Als die Beamten Ronny S. aus dem Auto zogen, fiel eine Waffe auf die Straße. Ob diese am Rücken im Gürtel steckte oder sie nur vom Sitz rutschte, blieb offen. Ronny S. hatte keine Genehmigung für den Besitz der Schreckschusspistole und mit der Vorwarnung der Gewaltbereitschaft gegenüber Rettungsanitätern und Polizisten habe die Eigen- und fremdsicherung im Vordergrund gestanden. Der 30-Jährige wurde fixiert und ins Krankenhaus zur Blutprobenentnahme gebracht. „Er reagierte nicht. Erst als er die Nadel sah, war er plötzlich hellwach und wehrte sich, trotz Fixierung“, sagten die befragten Polizisten im Gericht. Zu viert haben sie ihn festgehalten, damit der Arzt die Blutprobe entnehmen konnte. 1,79 Promille hatte die ergeben. „Ich bekomme den Abend nicht mehr zusammen. Leider“, sagte Ronny S. Den Beamten hörte er mit gesenktem Blick zu.

Familienvater zeigt sich reuig, will Leben für seine Tochter in den Griff kriegen

Dem Gericht erklärte er, dass er seit diesem Vorfall nichts mehr getrunken habe. „Das war für mich ein Warnschuss. Bei mir finden sie nur noch Kaffee und Tee zuhause. Nichts anderes.“ Er habe häufiger im Gericht gesessen, erst vor kurzem sei er zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er einen Rettungssanitäter angegriffen habe. „Ich habe eine kleine Tochter zu Hause und will das wirklich hinkriegen. Ich bin seit kurzem verlobt, wir ziehen demnächst in ein Haus.“ Außerdem habe er eine neue Arbeit gefunden in einem Großkonzern für Gebäudemanagement. „Ich habe mich geändert“, sagt er dem Richter. Dieser schilderte, dass sein Eindruck und Erleben von ihm im Gericht nicht zu den Schilderungen aus der Akte passen. „Ich hab’ mich geändert und will das andere nicht mehr“, bekräftigte Ronny S. daraufhin. Seine Familie und sein Vater helfen ihm dabei, so sagt er. Videos seines Großvaters im Rausch hätten ihm – zusätzlich zum Erleben des letzten Polizeieinsatzes die Augen geöffnet: „So will ich nicht enden.“

Er wurde schließlich zu einer Geldstrafe von 1800 Euro verurteilt. Die falsche Vermögensauskunft sowie der unerlaubte Waffenbesitz wurden im Strafmaß zusammen gefasst.

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