Geldstrafe für versuchten Missbrauch

Er lernte ein Mädchen im Internet kennen, verlangte am Telefon von ihr, dass sie sich streichelt. Wegen versuchten sexuellen Missbrauchs verurteilte das Amtsgericht gestern einen 26-Jährigen zu einer Geldstrafe von 3600 Euro.

Avatar_shz von
29. Oktober 2009, 10:49 Uhr

Eutin/ | Die drängende Frage bei der Verhandlung war: War es ein Ausrutscher? Oder eine Warnung, die Offenbarung einer schlimmen Neigung?

Der 26-jährige Elektro- und Maschinenbauer aus Timmendorfer Strand hatte im März dieses Jahres unter dem Benutzernamen "schwimmer" in einem Internetportal für Mädchen eine Elfjährige kennengelernt. Sie tauschten zwei Monate lang Nachrichten aus, telefonierten schließlich miteinander. Am Telefon forderte der Angeklagte die Elfjährige auf, sich im Intimbereich zu streicheln. Die Eltern des Kindes gingen zur Polizei.

"Ja, so war es", gestand der Angeklagte im Gerichtssaal. Und gab auch zu, das Alter des Mädchens gekannt zu haben. Bei der Frage nach dem Warum geriet er in Erklärungsnot. "Warum es so weit gekommen, ist, weiß ich nicht. Es war wohl der Reiz, zu gucken, wie weit kann man gehen", gab er nach einigem Herumdrucksen an. Richter Otto Witt bohrte nach: "Hatten Sie mehr mit dem Mädchen vor?" "Nein. Es war definitiv nie eine Absicht, sie zu treffen", sagte der Angeklagte und erklärte, sich sonst nicht zu Mädchen hingezogen zu fühlen. Auch habe ihn das Telefonat mit der Elfjährigen nicht sexuell erregt.

"Das Wichtigste ist: Was für eine Perspektive haben Sie? Wird es schlimmer?" fragte der Amtsrichter. Und weil niemand diese Frage beantworten kann, verband er das Urteil mit einer Auflage: Innerhalb eines Zeitraums von vier Wochen muss der Angeklagte dem Gericht einen Therapie-Termin mitteilen.

"Ich hätte erwartet, dass das schon geschehen wäre", tadelte Witt. "Ich hatte es geplant. Aber es ist schwierig, von der Arbeit wegen der Sache zu telefonieren", rechtfertigte sich der 26-Jährige. Ausreden darf es nun nicht mehr geben. "Es darf sich nicht wiederholen. Da müssen Sie an sich arbeiten", stellte der Richter klar.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen