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Juristisches Nachspiel : Geldstrafe für Todesfahrt

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Das Eutiner Amtsgericht verurteilt einen 44-jährigen Eutiner, der auf der B 76 bei Röbel in den Gegenverkehr raste. Dabei starb ein 63-jähriger aus Bad Schwartau.

shz.de von
erstellt am 25.Apr.2014 | 04:00 Uhr

Was ein Ehepaar und sein Enkel am 8. Februar 2013 um 18.39 Uhr auf der B 76 auf dem Weg zur Autobahn erlebten, ist der Albtraum jedes Autofahrers. „Wir waren an Röbel vorbei, plötzlich schert auf der Gegenfahrbahn ein Wagen aus, frontal auf uns zu“, erinnerte sich gestern die 62-jährige Beifahrerin aus Bad Schwartau vor dem Eutiner Amtsgericht. Dort musste sich ein 44-jähriger Eutiner verantworten – wegen fahrlässiger Tötung. Den Ehemann (63) der Zeugin kostete der Zusammenstoß das Leben. Er starb nach 18 Tagen im Koma in der Lübecker Uni-Klinik, während die Zeugin und ihr heute 12-jähriger Enkel Verletzungen erlitten. Ebenfalls verletzt wurde eine 36-jährige Griebelerin, die mit ihrem VW Golf in die Unfallstelle fuhr.

Schwere Verletzungen erlitt auch der Unfallfahrer. Er brach sich bei dem Zusammenprall seines schwarzen VW Touran mit dem roten Opel Meriva das rechte Handgelenk und sechs Rippen. Nun verurteilte Amtsrichterin Katrin Leinen den arbeitlosen Mann zu 600 Euro Geldstrafe. Mit 60 Tagessätzen blieb sie unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die 90 Tagessätze à 10 Euro gefordert hatte. Der Verteidiger hatte dagegen eine Einstellung des Verfahrens verlangt.

Nicht geklärt werden konnte die Unfallursache. Ein Busfahrer, der gerade mit einer Schulklasse der Kreisberufsschule Eutin aus Prag zurückkam, beobachtete den Unfall und leistete Erste Hilfe. Er will gesehen haben, dass der Angeklagte nach dem Aufprall mit einem Smartphone in der Hand am Steuer saß. Doch das bestritt der Mann: „Ich habe noch nie ein Smartphone besessen.“ Möglicherweise habe es sich um sein Navigationsgerät gehandelt.

Für den Unfall machte der bis dahin unbescholtene dreifache Familienvater einen Defekt an seinem Wagen verantwortlich: „Ich habe einen Knall gehört, bevor ich reagieren konnte, ist es passiert“, schilderte er den Unfallhergang. Kurz zuvor habe der ADAC-Pannendienst einen Plattfuß am rechten Vorderreifen des Wagens repariert. Vielleicht hänge der Unfall damit zusammen, mutmaßte sein Anwalt.

Mehrere Zeugen schilderten übereinstimmend, dass der Wagen des Angeklagten nicht ruckartig, sondern eher langsam auf die Gegenfahrbahn abdriftete. Das sei ganz typisch für Unaufmerksamkeit, folgerte Amtsrichterin Leinen in der Urteilsbegründung. Zwar könne sie nicht ermessen, ob ein Smartphone im Spiel gewesen sei, doch: „Ich schließe daraus, dass Sie abgelenkt wurden.“

Einen technischen Defekt an dem Wagen schloss Richterin Leinen aufgrund der Aussage eines Sachverständigen aus. Positiv ins Urteil floss die Entschuldigung des Angeklagten ein. „Egal, ob ich schuldig bin oder nicht, ich bin die Ursache des Unfalls.“ Mit diesen Worten hatte er sich in seinem Schlusswort an die Hinterbliebenen des getöteten Autofahrers gewandt. Gegen das Urteil sind Rechtsmittel möglich.

 

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