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Ostholsteiner Anzeiger

13. Dezember 2017 | 14:43 Uhr

Geldstrafe für Pizzaboten

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Amtsrichterin und Staatsanwalt einig: 32-Jähriger hatte in Plön einen Überfall auf sich selbst vorgetäuscht

shz.de von
erstellt am 16.Sep.2013 | 00:33 Uhr

Zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je zehn Euro verurteilte das Plöner Amtsgericht einen ehemaligen Pizzaboten. Die Richterin war überzeugt davon, dass der Kieler einen Überfall auf sich selbst nur vorgetäuscht und die angeblich gestohlenen 700 Euro selbst behalten hatte. Der 32-Jährige hatte behauptet, am 12. Juni 2011 nach Dienstende in einer Plöner Pizzeria von mehreren Männern überfallen und bewusstlos geschlagen worden zu sein.

Schnell aber hatte die Polizei Zweifel an seiner Aussage. So passten die Verschmutzungen an seiner Kleidung nicht zu seiner Aussage, er sei auf allen Vieren zurück in den Laden gekrochen. Auch die Verletzungen am Kopf reichten nach Einschätzung des Gerichtsmediziners nicht für eine Bewusstlosigkeit aus. „Ein Schlag mit einem Baseballschläger ist eher auszuschließen“, sagte der Sachverständige, den das Gericht am zweiten Verhandlungstag hörte. Auffällig sei auch gewesen, dass der Angeklagte keine Begleitverletzungen durch einen Sturz gehabt habe.

Eingestellt wurde hingegen der Vorwurf der Unterschlagung. Im August 2011 hatte der Angeklagte rund 1900 Euro aus dem Tresor seines Chefs genommen und war anschließend nicht mehr zur Arbeit erschienen. Vor Gericht hatte der Angeklagte ausgesagt, er habe gedacht, dass das Geld ihm zustehe. Denn er habe einige Monate lang an seinen Chef Raten für ein Auto gezahlt. Als er das hauptsächlich dienstlich genutzte Fahrzeug nach seiner Kündigung jedoch im Betrieb ließ, habe er sich das bereits gezahlte Geld zurück holen wollen. Da der Chef diese Vereinbarung vor Gericht bestätigte und außerdem die genaue Schadenshöhe nicht benennen konnte, wurde der Anklagepunkt eingestellt.

Dafür, dass der Überfall nur vorgetäuscht worden war, gab es hingegen nur Indizien. „Unterm Strich aber reichen die Indizien in der Summe für eine Verurteilung aus“, fand der Staatsanwalt. Es kämen einfach zu viele Ungewöhnlichkeiten zusammen. Und so forderte er eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je zehn Euro.

Anders sah das der Verteidiger, der für einen Freispruch plädierte. „Mit Indizien ist es wie mit einem Puzzle mit vielen Teilen: Man kann es auch falsch zusammensetzen.“

Die Richterin aber schloss sich der Sicht des Staatsanwaltes an. Sie glaube nicht, dass sich die Tat so zugetragen habe, wie der Angeklagte es ausgesagt habe. „Ich bin überzeugt, dass der Überfall nur ein Vorwand dafür war, dass der Angeklagte das Geld selbst genommen hat.“

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