Geldstrafe für Lügen über Ex-Ehemann

Frau erhebt Vorwurf des Kindesmissbrauchs und wird selbst verurteilt

JulianHeldt_5837.jpg von
08. November 2013, 00:31 Uhr

Als „Kinderficker“ und „Frauenbetrüger“ hatte sie ihren Ex-Ehemann in Internetchats tituliert; ihn bei der Polizei des Missbrauchs am eigenen Sohn bezichtigt. Schwerwiegende Vorwürfe, die sich jedoch als haltlos erwiesen. Das Ermittlungsverfahren gegen ihren Ex-Mann wurde eingestellt. Zum Entsetzen der 57-Jährigen, die gestern selbst auf der Anklagebank Platz nehmen musste. Der Vorwurf: Verleumdung in Tateinheit mit übler Nachrede.

In der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Eutin blieb die Angeklagte aus Ratekau bei ihren Beschuldigungen. Ihr geschiedener Mann haben seinen Sohn aus erster Ehe sexuell missbraucht. Dies habe sie in einem Telefongespräch mit dessen Mutter erfahren, so die Frau. Auch sonst ließ sie an ihrem ehemaligen Lebenspartner kein gutes Haar: „Unsere Ehe bestand aus Lug und Betrug.“ Über ihren Internetaccount habe er immer wieder mit jungen Frauen und Mädchen geschrieben. Chats mit pikantem Inhalt. So habe er Minderjährigen angeboten, mit ihnen Sex zu haben und ihnen eindeutige Fotos geschickt.

Mehrfach wurde sie bei ihren Ausführungen von Richterin Katrin Leinen und der Staatsanwaltschaft unterbrochen. „Darum geht es hier heute nicht“, mahnten beide unisono. Schließlich habe sich der Verdacht des Kindesmissbrauchs nicht bestätigt. „Sie haben etwas behauptet, was nicht beweisbar war“, erklärte Richterin Katrin Leinen. Die Angeklagten blieb dennoch uneinsichtig. „Ich sage die Wahrheit“, beteuerte sie immer wieder.

Die Staatsanwaltschaft schenkte dem wenig Glauben und beantragte eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 20 Euro. Aus Sicht der Rentnerin zu viel. „Wie soll ich das bezahlen?“, fragte sie in ihrem Schlusswort. Ihr spärliches Einkommen von gerade einmal 750 Euro reiche nicht einmal, um sich mit Essen zu versorgen: „Ab dem 15. eines Monats gehe ich zur Tafel.“ Die Angeklagte beantragte deshalb eine Halbierung der geforderten Geldstrafe. Richterin Katrin Leinen kam diesem Wunsch nicht nach und verurteilte sie schließlich zu einer Strafzahlung von 400 Euro. Sie bewertete die Tat als schwerwiegend, weil sie für den Ex-Mann der Angeklagten durchaus existenzgefährdend gewesen sei.

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