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Ostholsteiner Anzeiger

17. Dezember 2017 | 05:46 Uhr

Geldbuße für tödliche Trunkenheitsfahrt

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

25-jähriger Koch musste sich gestern vor dem Eutiner Amtsgericht verantworten

shz.de von
erstellt am 22.Jan.2014 | 00:33 Uhr

Es war das tragische Ende einer Geburtstagsparty in Warnsdorf: Auf dem Nachhauseweg verunglückten drei junge Besucher der Party am frühen Morgen des 21. Aprils 2013 am Ortseingang von Häven (Gemeinde Ratekau) in einer leichten Linkskurve mit dem Auto. Einer der Mitfahrer starb wenige Tage später im Universitätsklinikum an seinen schweren Verletzungen. Gestern musste sich der Fahrer, ein 25-Jähriger aus Timmendorfer Strand, vor dem Eutiner Amtsgericht für die Todesfahrt verantworten. Er hatte betrunken am Steuer gesessen. Das Gericht verurteilte den Koch daher wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 3600 Euro (120 Tagessätze à 30 Euro). Außerdem muss er noch für ein Jahr auf seinen Führerschein verzichten.

Eine Blutprobe anderthalb Stunden nach dem Unfall hatte einen Wert von 1,18 Promille ergeben. „Zwei, drei Bier, vielleicht auch vier“ habe er bei der Feier getrunken, außerdem habe er mit Sekt auf das Geburtstagskind angestoßen, schilderte der Angeklagte. Der wirkte bei seiner Aussage angesichts des Geschehens zwar bedrückt, aber beherrscht. Mit dem tödlich Verletzten sei er befreundet gewesen.

Dass er unter erheblichem Alkoholeinfluss gestanden hat, will er nicht gemerkt haben: „Ich war mir bewusst, dass ich was getrunken habe, aber dass es so viel war, war mir nicht bewusst.“ Auf die Frage von Amtsrichterin Katrin Leinen, warum er als Fahrer überhaupt getrunken habe, wusste der Timmendorfer keine Antwort.

So machte er vor Gericht auch nicht seine Trunkenheit, sondern einen Wildwechsel für den Unfall verantwortlich. In der Linkskurve, die in den Ort führe, habe plötzlich ein Reh auf der Fahrbahn gestanden. Ohne Nachzudenken sei er nach rechts ausgewichen. Das Fahrzeug habe sich gedreht und er habe einen Knall gehört. „Dann hab ich die Augen aufgemacht und wir lagen im Graben, die Musik lief noch.“

Er selbst zog sich bei dem Aufprall gegen einen Baum einen Anbruch des Halswirbels zu. Trotzdem kümmerte er sich noch um seine Mitfahrer, die beide hinten saßen. Der eine war eingeklemmt, der andere zeigte keine Lebenszeichen mehr: „Ich habe Mund-zu-Mund-Beatmung gemacht und auf den Brustkorb geschlagen. Danach hat er geatmet, war aber nicht bei Bewusstsein“, schilderte er seine Bemühungen. Eine Woche später starb der junge Mann, der wahrscheinlich nicht angeschnallt war.

Der zweite Mitfahrer, ein 22-jähriger Koch aus Groß Grönau, erlitt einen Bruch des Handgelenks, eine Verletzung des Fingers und ein Hämatom am Kopf. „Ich hab von vorn nur noch gehört: ,Oh Scheiße‘, schilderte er seine Erinnerung an den Unfall. „Dann hab ich aus dem Seitenfenster gesehen und den Baum auf mich zukommen sehen.“ Der Verstorbene sei einer seiner besten Freunde gewesen. Er habe unmittelbar nach dem Unfall auf seinem Schoß gelegen. Anfangs seien die Geschehnisse sehr schwer zu verkraften gewesen. „Aber inzwischen muss ich sagen, dass ich nach vorne schau.“

Zweifel an der Version des Angeklagten von einem Reh äußerte ein Polizeibeamter, der den Unfall aufgenommen hatte. Zwar könne er einen Wildwechsel nicht ausschließen, doch: „Das Spurenbild deutet darauf hin, dass es eine Schutzbehauptung war.“ Es gebe eher Anzeichen dafür, dass der Angeklagte zu schnell in die Kurve gefahren sei.

Auch die Richterin war nicht überzeugt: „Ich kann Ihnen sagen, ich glaube Ihnen das nicht“, erklärte Katrin Leinen dem Angeklagten unumwunden. Für das Strafmaß war diese Frage jedoch nicht von Belang, stellte sie klar. Einzig entscheidend sei, dass der Angeklagte beim Unfall im Zustand der „absoluten Fahruntüchtigkeit“ gewesen sei. Mit dem Strafmaß folgte sie dem Staatsanwalt, ging mit der Führerscheinsperre jedoch um sechs Monate über dessen Forderung hinaus.

Der Verteidiger hatte sowohl eine niedrigere Geldstrafe als auch eine kürzere Führerscheinsperre gefordert. Der Anwalt des Nebenklägers – des Vaters des Verstorbenen – plädierte dagegen für weitere 18 Monate Führerscheinentzug. „Der Angeklagte übernimmt keine Verantwortung“, kritisierte er. Seine Angaben zum Bierkonsum stimmten vorne und hinten nicht, die Spurenlage entspreche nicht seinen Angaben zum Unfall und er habe nach dem Unfall auch keinen Kontakt zu seinem Mandanten aufgenommen.

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