Aus dem Gericht : Geldbuße für Messerattacke

Eine 21-Jährige aus dem Kreis Plön hatte in einer Kieler Diskothek einen anderen Besucher verletzt - jetzt muss sie 900 Euro zahlen.

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31. Oktober 2011, 11:28 Uhr

Plön | Sie stach mit einem Messer zu und kam vor Gericht mit einem "blauen Auge" davon. Amtsrichter Dr. Wolfgang Dräger stellte das Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung gegen eine 21-Jährige aus dem Kreisnorden ein - gegen Zahlung einer Geldbuße von 900 Euro.

Die junge Frau hatte nach Überzeugung des Gerichts nach einem handfesten Streit ihren 20-jährigen türkischstämmigen Kontrahenten durch vier Messerstiche in Oberschenkel, Arm und Oberkörper verletzt. Dabei hatte Angestellte eines Call-Centers ein in Deutschland verbotenes Butterfly-Messer verwendet. Die Tat ereignete sich am 13. Oktober vergangenen Jahres in der Kieler Diskothek "Tucholsky" in der Bergstraße. Die Wunden des Opfers wurden im Krankenhaus genäht.

Die Angeklagte selbst und eine mit ihr befreundete Zeugin hatten am ersten Verhandlungstag aus Sicht des Gerichts wenig bis nichts zur Wahrheitsfindung beigetragen (wir berichteten). Das schien sich bei der Aussage des Geschädigten fortzusetzen. Er könne sich an nichts erinnern, dafür sei er an dem fraglichen Tag "zu besoffen" gewesen, erklärte der desinteressiert wirkende Zeuge dem Richter lapidar. Das nahm dieser ihm jedoch nicht ab und drohte massiv: "Ich nehme Sie in Haft, dann können Sie sich überlegen, was Sie hier sagen wollen."

Bei den drei Freunden des jungen Mannes, die im Zuschauerraum Platz genommen hatten, brach daraufhin leichte Unruhe aus. Der Zeuge selbst brauchte einige Sekunden, bis er seine Überraschung überwunden hatte, dann fragte er halb ungläubig, halb aggressiv: "Wollen Sie mich verarschen oder was?" Dräger bekräftigte daraufhin seine Drohung. Das wirkte: Nach einigem Nachdenken kam die Erinnerung zurück, wenn auch sehr bruchstückhaft.

Schließlich ergab sich folgende Vorgeschichte: Zum Streit kam es, weil es der Angeklagten nicht passte, dass sich das Opfer zu sehr um ihre beiden Freundinnen "kümmerte". Die kräftig gebaute Frau schubste den athletisch und durchtrainiert wirkenden Kieler und gab ihm eine Ohrfeige. Der wehrte sich, indem er - wie er einräumte - deutlich kräftiger zwei Mal zurückschlug.

Von einem späteren Gerangel auf der Tanzfläche berichtet der Zeuge aber nichts. Die Angeklagte hatte geschildert, von dem Geschädigten und seinen Freunden dort geschlagen worden zu sein. Sie habe sich dann nicht anders zu helfen gewusst, als das Messer aus der Tasche zu ziehen und zuzustechen. Dem schenkte Dräger keinen Glauben, wie er dem Rechtsanwalt der Angeklagten unmissverständlich klar machte. Vielmehr sei die junge Frau von sich aus mit dem Messer auf den Geschädigten losgegangen. "Dass sich bei der Angeklagten etwas angestaut hat, ist klar, aber es war kein Notwehr-Tatbestand", urteilte Dräger.

Angesichts dieser Lage nahm der Verteidiger das "Angebot", das Verfahren gegen eine Geldbuße einzustellen, an. Sie habe Glück gehabt in jeder Hinsicht, gab Dräger der Angeklagten mit auf den Weg. "Wenn die Verletzungen schwerer gewesen wären und der Geschädigte nicht so aufgetreten wäre, wäre es ganz bitter für Sie geworden." Denn die Mindeststrafe für gefährliche Körperverletzung betrage sechs Monate Haft.

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