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Diskussionsstoff : Geht Inklusion bei Feuerwehren nicht?

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Bei der Eutiner Feuerwehr wurde ein Anwärter abgelehnt, weil er behindert ist. Noch steht das Brandschutzgesetz der Inklusion entgegen, eine Neufassung ist auf den Weg gebracht.

Zu 99 Prozent ist es ein formeller Akt, ein so genannter Selbstgänger: Bei den Freiwilligen Feuerwehren wird über die Aufnahme von Anwärtern abgestimmt. Eine Ablehnung gehört zur sehr seltenen Ausnahme: Dann muss sich ein Bewerber in seinem Anwärterjahr schon ziemlich merkwürdig angestellt haben.

Eine Ablehnung, die sich am Wochenende bei der Eutiner Feuerwehr abgespielt hat, berührt hingegen eine Grundsatzfrage: Geht Inklusion – die Einbindung von Menschen mit geistigem und körperlichen Handicap – bei der Feuerwehr nicht? Denn der abgelehnte Bewerber ist aufgrund seiner mentalen Flexibilität nur sehr eingeschränkt für den Feuerwehrdienst geeignet.

Der Vorgang hatte unter den zahlreichen Gästen der Jahresversammlung schon Beklemmung oder Bestürzung ausgelöst: Über drei Bewerber war abzustimmen, die zu diesem Zweck den Raum verlassen mussten. Zwei junge Leute wurden einstimmig aufgenommen, einem jungen Mann wurde die Aufnahme verweigert: Er bekam nur Enthaltungen oder Nein-Stimmen.

Mit diesem Ergebnis hatte auch die Feuerwehrführung nicht gerechnet: Es sei klar gewesen, dass die Aufnahme des jungen Mannes in die Reihen der Aktiven umstritten war. Aber mit einer so klaren Ablehnung habe er nicht gerechnet, räumte Ortswehrführer Wolfgang Mevs ein. Sonst hätte er dem jungen Mann diese für ihn peinliche Situation mit so vielen Zeugen erspart.

„Das ist gelebte Demokratie“, merkte Gemeindewehrführer Heino Kreutzfeldt an. Grundsätzlich freuten sich Feuerwehren natürlich über jeden, der mitmachen wolle, aber es müsse bei Bewerbern mit eingeschränkten Fähigkeiten auch entsprechende Aufgaben geben. Das aktuelle Brandschutzgesetz gebe solche Ausnahmen bislang nicht her.

Tatsächlich steht im Gesetz, dass in den Feuerwehren aufgenommen werden kann, wer den Herausforderungen des aktiven Dienstes „geistig und körperlich“ gewachsen ist. Es muss zwar nicht jeder Feuerwehrmann schwindelfrei sein und eine 30 Meter hohe Drehleiter erklimmen können. Aber ein ausreichendes körperliches und geistiges Reaktionsvermögen in gefährlichen Situationen muss schon gegeben sein. Denn die Bekämpfung von Feuer oder technische Hilfeleistungen ist zwangsläufig mit Gefahr verbunden.

„Natürlich sind Feuerwehren für Inklusion, aber alles hat seine Grenzen“, sagt der Sprecher des Landesfeuerwehrverbandes, Holger Bauer, dem OHA. Immerhin sollen diese Grenzen mit einer Änderung des Brandschutzgesetzes verschoben werden: Der Landesfeuerwehrverband habe Änderungen formuliert. Danach könnte es bei den Feuerwehren neue Abteilungen geben: Dazu zählen Kinder-Feuerwehren, außerdem eine Abteilung von Helfern, die nicht mit den den aktiven Einsatz fahren: „Das könnte ein querschnittgelähmter IT-Fachmann sein, der die Wehr in diesem Bereich unterstützt, oder auch die Frau eines Feuerwehrmannes, die bei der Verpflegung hilft.“ In den Wehren gebe es mittlerweile einen so großen Verwaltungsaufwand, dass auch da Entlastung willkommen sei.

In Arbeitsbereichen außerhalb des Einsatzgeschehens sei grundsätzlich durch Mitglieder dieser neuen Abteilung – „wir haben dafür noch keinen Namen“ – solche jede Hilfe denkbar, etwa bei der Gerätewartung oder auch im Materiallager oder in der Kleiderkammer. Bislang könnten solche Helfer offiziell nicht in die Feuerwehr aufgenommen werden. Die offizielle Aufnahme werde erst mit der Änderung des Brandschutzgesetzes ermöglicht. Holger Bauer geht davon aus, dass die Änderungen bis Jahresende im Landtag beschlossen und mit entsprechenden Satzungsänderungen 2015 gültig werden.

Für den in Eutin abgelehnten jungen Mann ist auf jeden Fall eine Zukunft bei der Feuerwehr möglich: Er hat noch am Abend das Angebot bekommen, in eine Nachbarwehr einzutreten.

 

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erstellt am 26.Feb.2014 | 06:00 Uhr

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