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Ostholsteiner Anzeiger

18. August 2017 | 19:10 Uhr

Fussball : Gegenwind aus Ostholstein

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Schleswig-Holsteinischer Fußballverband will die 13 Kreisverbände abschaffen und Organisation straffen.

Das weitreichende Reformkonzept ist rund 50 Seiten stark, trägt den sperrigen Titel „Vorschlag einer neuen Organstruktur für den SHFV“ – und sorgt derzeit im schleswig-holsteinischen Fußball für viel Wirbel und hitzige Diskussionen. Kein Wunder: Die zentrale Idee des brisanten Thesenpapiers ist die Abschaffung der 13 Kreisverbände (KFV), in die der Schleswig-Holsteinische Fußballverband (SHFV) in nahezu unveränderter Form seit Jahrzehnten unterteilt ist. Sechs Regionen sollen laut Planung des Verbands im Juli 2016 an ihre Stelle treten und für mehr Flexibilität bei der Spielplangestaltung sowie weniger Verwaltungsaufwand sorgen.

„Wir wissen, dass das Thema hochsensibel ist“, sagte Jörn Felchner, Geschäftsführer des SHFV. „Wir glauben aber auch, dass der richtige Zeitpunkt für Veränderungen gekommen ist.“ Der Vorsitzende des KFV Ostholstein, Egon Boldt, hadert mit den Plänen: „Ich kann mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass die Kreisverbände zerschlagen werden sollen.“ In Ostholstein ist die Welt noch in Ordnung, denn die Zahl der Mannschaften ist mit 411 im Jahr 2013 und 407 im laufenden Betrieb konstant. Die ehrenamtlichen Posten im Kreisvorstand sind besetzt.

Die Vorschläge für eine Strukturveränderung sind kein Schnellschuss. Bereits vor Jahren rief der SHFV eine Projektgruppe ins Leben, die Zukunftsmodelle erarbeiten sollte. Und die Expertenrunde nahm ihren Auftrag augenscheinlich ernst. „Es liegt nun ein Konzept zur Lösung unserer Probleme vor“, stellte SHFV-Präsident Hans-Ludwig Meyer zufrieden fest. Die beiden zentralen Punkte lauten: Abbau der Bürokratie, Schaffung neuer Gestaltungsmöglichkeiten im zunehmend schwieriger zu organisierenden Spielbetrieb.

Durch die Eliminierung der 13 Kreisverbände soll der Organisationsaufwand verringert werden. „Die Abläufe müssen schlanker werden, zumal wir nicht mehr genug Ehrenamtliche finden“, verdeutlichte Felchner. „Wir erlauben uns den Luxus, eine Aufgabe 13 Mal zu erledigen, obwohl sie auch ein Mal an zentraler Stelle erledigt werden kann.“ Im Klartext: Vieles soll den Funktionären vor Ort abgenommen und künftig von hauptamtlichen Kräften in der Kieler Verbandszentrale bearbeitet werden. „Wir würden zu diesem Zweck weitere Mitarbeiter einstellen“, erklärte Felchner.

Auch im Spielbetrieb soll das Sechs-Regionen-Modell Verbesserungen bringen. Hintergrund: Die Zahl der Teams geht – vor allem im Jugendbereich – seit Jahren zurück, einzelne Kreise tun sich schwer, Spielklassen in angemessener Größe zusammenzustellen. „Derzeit ist ein Verein an seinen Kreis gebunden. Das wollen wir aufweichen, die Flexibilität erhöhen“, sagte Felchner. Die Ostholsteiner haben auch dieses Problem selbstständig angepackt. Sie haben im Mädchen- und Frauenfußball gemeinsame Ligen mit dem KFV Lübeck aus der Taufe gehoben. „Das haben wir ohne Kümmerer hinbekommen“, stellt Egon Boldt fest.

Die Fußballer in Schleswig-Holstein diskutieren das Thema kontrovers.
„Ich sehe eine Spaltung“, erklärte Werner Papist, Vorsitzender des KFV Steinburg. „50 Prozent der Kreise sind dafür, 50 Prozent dagegen.“ Aus seiner persönlichen Meinung machte Papist keinen Hehl: „Das Konzept ist zentralistisch, durch die Abschaffung der Kreise ginge Tradition verloren.“

Für Felchner kommt der Gegenwind nicht unerwartet. „Wir sind am Anfang einer Entwicklung“, sagte der SHFV-Geschäftsführer, „da kann es noch keine breite Zustimmung geben.“

Der Verband will Überzeugungsarbeit vor Ort leisten. Im Februar und März sollen in den Kreisen Info-Abende zum Thema stattfinden. Im März 2015 soll auf einem SHFV-Verbandstag über die Reform abgestimmt werden, die Umsetzung ist ab der Saison 2016/17 geplant.

wrb/pp

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