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Ostholsteiner Anzeiger

11. Dezember 2017 | 09:15 Uhr

Gefräßige Giftraupe erobert den Norden

vom

shz.de von
erstellt am 13.Mai.2013 | 10:02 Uhr

Kiel | 30 Kilometer schafft die Raupe pro Jahr - gen Norden. Nicht etwa krabbelnd. Nein, ihre Eltern, unscheinbare Nachtfalter, lassen sich einfach vom Wind tragen. Die Gefahr heißt Eichenprozessionsspinner - noch vor zwei Jahren galt Schleswig-Holstein frei von den Schädlingen. Auch Hamburg hatte die giftige Raupe noch nicht erobert. Doch jetzt gelten der lauenburgische Süden und die Hansestadt nach Angaben des Julius-Kühn-Instituts für Pflanzenkunde (JKI) offiziell als befallen. "Die Tiere verbreiten sich entlang der Elbe in Richtung Nordsee", erklärt JKI-Sprecherin Stefanie Hahn.

Was Schleswig-Holstein blüht, wenn sich der gefährliche Vielfraß breit macht, zeigt ein Blick nach Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Dort wird bereits Gift aus Hubschraubern versprüht. Der Schädling frisst nicht nur ganze Bäume kahl, Probleme bereiten die Raupen auch den Menschen. Bei Kontakt verbreiten sie das Nesselgift Thaumetopoein. Das kann allergische Reaktionen auslösen: Hautjucken, Pustelbildung, Bindehautentzündung, Asthma. Menschen mit Pollen- oder Hausstaubmilbenallergien droht sogar ein allergischer Schock.

In beiden Nachbarländern tobt bereits ein erbitterter Krieg zwischen Behörden und Naturschützern, die gegen den Pestizid-Einsatz per Hubschrauber Sturm laufen. Doch handeln muss man: Jetzt im Mai schlüpft die Raupe aus dem Ei und beginnt zu fressen. Bis Ende Juni häutet sie sich sechs Mal. Am Schluss ihrer Entwicklung verfügt sie über bis zu 600 000 kaum sichtbare Härchen mit winzigen Widerhaken an den Enden. Kommen die Härchen mit der Haut des Menschen in Kontakt, brechen die Widerhaken ab und sie setzen das Gift frei.

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