Gefahr für Schüler trotz Grün

Rot für Fußgänger, wenn Autos fahren: So, wie auf dem Bild, sollte es nach Meinung von (von links) Uwe Borchers, Anke Freese, Sonya Gutzke und Tatjana Denz an der Kreuzung vor der Malenter Grundschule immer sein.
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Rot für Fußgänger, wenn Autos fahren: So, wie auf dem Bild, sollte es nach Meinung von (von links) Uwe Borchers, Anke Freese, Sonya Gutzke und Tatjana Denz an der Kreuzung vor der Malenter Grundschule immer sein.

Die Tochter von Sonya Gutzke wäre an der Kreuzung vor der Grundschule fast von einem Rechtsabbieger erfasst worden

shz.de von
28. Mai 2018, 14:59 Uhr

Es war an einem Montag, nach der sechsten Unterrichtsstunde. Da wollte die Tochter von Sonya Gutzke die Bahnhofstraße queren – von der Grundschule zum „Blumenland Vollert“. Doch sie kam nicht weit. Obwohl die Achtjährige grün hatte, bog ein Renault Twingo laut Zeugenaussagen mit einigem Tempo von der Maria-Magdalenen-Kirche kommend nach rechts ab, ohne auf die Zweitklässlerin zu achten.

Zwar dürfte auch der Renault-Fahrer Grün gehabt haben, dennoch hätte er Fußgänger erst über die Straße lassen müssen. Zum Glück nahm das Mädchen den Kleinwagen im letzten Moment im Augenwinkel wahr. „Sie ist nach hinten gesprungen und stürzte dann auf den Fußweg“, berichtet Sonya Gutzke.

Der Autofahrer, es soll sich um einen älteren Mann gehandelt haben, kümmerte sich nicht weiter um das Mädchen. Zwar sei er noch kurz angehalten, doch dann sei er weitergefahren. Die Mutter zeigte den Vorfall bei der Polizei in Malente an. Doch viel Hoffnung, dass der Fahrer ermittelt werde, habe man ihr nicht gemacht. Weil ihre Tochter bei dem Vorfall nicht verletzt worden sei, handele es sich lediglich um eine Ordnungswidrigkeit, habe man ihr erklärt.

Sonya Gutzke ist Mitglied im Schulelternbeirat. Und der wollte den Vorfall nicht auf sich beruhen lassen. Also startete sie gemeinsam mit der Vorsitzenden Anke Freese und deren Stellvertreterin Tatjana Denz eine Umfrage unter den Eltern. „Ist Ihr Kind oder sind Sie selbst an der genannten Ampelkreuzung auch schon einmal in eine brenzlige Situation geraten?“, lautete die Frage. Die Antwort überraschte die Mitglieder des Schulelternbeirats dann doch: 52 Eltern bejahten die Frage. „Das hätte ich selbst nicht gedacht, dass so viele sagen, da gibt es Probleme“, berichtet Anke Freese. Ein Kind ist dort sogar angefahren worden, wie aus einer Anmerkung auf dem Fragebogen hervorging.

„Wir wollen Autofahrer noch einmal darauf aufmerksam machen, dass die Kreuzung eine Gefahrenstelle ist“, sagt Anke Freese. Und Schulleiter Uwe Borchers macht sich Gedanken darüber, wie der Gefahrenpunkt entschärft werden könnte. „Man müsste die Grünphasen für Fußgänger und Autofahrer entkoppeln“, überlegt er. Das hält auch Tatjana Denz für sinnvoll. Denn sie hat schon beobachtet, dass mancher Autofahrer mit seinem Wagen regelrecht um die Kurve schießt, um die Grünphase noch zu schaffen. Darunter leide dann die Aufmerksamkeit gegenüber Fußgängern. Außerdem fordert sie, mehr Übersicht zu schaffen. Blumenkästen und an einer Absperrkette angebrachte Plakate schränkten die Sicht für rechtsabbiegende Autofahrer ein.

Der Schulelternbeirat überlege nun, ob er sich mit dem Problem an die Gemeinde wende, erklärt Anke Freese. Zwar handelt es sich bei der Bahnhofstraße um eine Landesstraße, die Gemeinde wäre aber trotzdem erst einmal die richtige Adresse, um auf das Problem aufmerksam zu machen, sagt Thomas Jeck, Sprecher des Kreises Ostholstein. „Die Gemeinde kann Anregungen bei der Straßenverkehrsbehörde des Kreises vorbringen“, erklärt er. Dort würden diese geprüft, wobei Polizei und der Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr eingebunden würden. Sinnvoll wäre es, wenn die Gemeinde bereits im Vorfeld mit dem Fachdienst Straßenverkehr kläre, wie die Situation möglicherweise entschärft werden könne, erläutert Jeck.

Die Klassenlehrerin ihrer Tochter habe unterdessen am eigenen Leib erfahren, dass die besagte Kreuzung Gefahrenpotenzial berge, berichtet Sonya Gutzke. „Die Klassenlehrerin hatte ebenfalls die Situation, dass sie fast angefahren worden wäre.“ Das sei passiert, als sie mit ihrer Klasse eigens noch einmal zur Kreuzung gegangen sei, um die Kinder für die Gefahrenstelle zu sensibilisieren. Sonya Gutzkes Tochter meidet seit dem Beinahe-Unfall den direkten Weg über die Straße. Sie geht jetzt immer außen herum, auch wenn sie dann drei Mal auf Grün warten muss.

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