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Ostholsteiner Anzeiger

20. Oktober 2017 | 02:25 Uhr

Gefahr einer Ölpest wächst

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der boomende Schiffsverkehr und der Tunnelbau am Fehmarnbelt erhöhen das Unfallrisiko

von
erstellt am 06.Aug.2015 | 14:33 Uhr

Die Gefahr eines schweren Ölunfalls in der Ostsee wird in den nächsten Jahren wegen des stark wachsenden Schiffsverkehrs deutlich steigen. Zu dieser Einschätzung kommen der Deutsche Nautische Verein und die Grünen im Bundestag. „Die Möglichkeit von Havarien und Kollisionen wird immer wahrscheinlicher“, erklärt der Vorsitzende des Nautischen Vereins in Kiel, Jürgen Rohweder. Dies gelte nicht zuletzt deshalb, weil die Zahl der Öltanker stark zunehme. Besonders gefährdet sei der Schiffsverkehr in der engen Kadetrinne nordwestlich der Mecklenburger Darß-Halbinsel sowie im Fehmarnbelt.

Die grüne Bundestagsabgeordnete Valerie Wilms aus Wedel warf der Bundesregierung gestern „Verantwortungslosigkeit“ vor, weil die „die Augen vor der drohenden Gefahr“ verschließe. Der Bund müsse sich „dringend mit den anderen Ostsee-Anrainern an einen Tisch setzen“, um schärfere Sicherheitsmaßnahmen durchzusetzen. So sei für die Kadetrinne eine Lotspflicht unabdingbar. Für den Fehmarnbelt forderte Wilms während des Tunnelbaus zwischen Deutschland und Dänemark unter anderem „ein Überholverbot für Tankschiffe“.

Die Ostsee ist bereits vielbefahren. Die an der engsten Stelle kaum einen Kilometer breite und rechtwinklig geknickte Kadetrinne durchfuhren letztes Jahr 55  000 Schiffe, jedes sechste ein Tanker. Die neun Kilometer breite Fahrrinne am Belt passierten 38  000 Schiffe, jedes vierte ein Tanker. Laut Prognosen der dänischen Tunnelbaufirma Femern AS wird der Verkehr im Belt bis 2030 auf 80  000 Schiffe steigen. Die Zahl der Tanker dürfte vor allem deshalb stark zunehmen, weil Russland mehr Öl über seinen Ostseehafen Primorsk verschiffen will. Statt jährlich 350 Tankern könnten dort bald 1200 abgefertigt werden, fürchtet Nautiker Rohweder. Zusätzlich riskant wird die Schifffahrt im Belt dadurch, dass Schlepper während des Tunnelbaus regelmäßig riesige Betonteile für den Absenktunnel durch die Meerenge manövrieren werden.

Käme es tatsächlich zu einem Ölunfall, hätte der in der Ostsee besonders schlimme Folgen: Da sie sauerstoffarm ist, kann sie Öl nur langsam abbauen. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt sieht durchaus Handlungsbedarf, wie aus der Antwort seines Staatssekretärs Ferlemann auf eine Anfrage der Grünen Wilms hervorgeht. So habe sich der Bund zuletzt stets für eine Lotspflicht in der Kadetrinne eingesetzt, schreibt Ferlemann. Dazu wäre allerdings „eine gemeinsame Initiative der Ostsee-Anrainerstaaten erforderleich, wozu die Mehrheit bislang nicht bereit ist“. Allen voran Russland ist dagegen. Ein Überholverbot im Fehmarnbelt werde „noch geprüft“. Jedoch könne auch das „nur im Einklang mit dem Völkerrecht“ werden. Wilms sagt dazu hingegen: „Über verkehrsregelnde Maßnahmen kann die Bundesregierung allein entscheiden.“ Seite 19

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