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Ostholsteiner Anzeiger

21. Oktober 2017 | 22:25 Uhr

Gedächtnistraining gegen Sprachverlust

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

50 Teilnehmer kamen zum 3. Aphasie-Tag in der Malenter August-Bier-Klinik

shz.de von
erstellt am 05.Apr.2017 | 16:16 Uhr

„Sprache und Gedächtnis“ lautete das Thema des dritten Aphasie-Tages in der Malenter August-Bier-Klinik. 50 Teilnehmer hatten sich in der Fachklinik für Neurologie und Rehabilitation eingefunden, in der sich das Landes-Aphasie-Zentrum befindet, das sich um Menschen mit erworbenen Sprachstörungen, etwa durch einen Schlaganfall, kümmert. Unter den Teilnehmern begrüßte die Leiterin des Zentrums sowie der Abteilung Logopädie in der August-Bier-Klinik Aphasiker und deren Angehörige sowie Fachleute.

Maik Burmeister (Foto) stellte als Betroffener die Probleme seiner Sprachverarbeitung dar: „Wenn ich einen längeren Satz sprechen möchte, baue ich ihn mir zusammen, und immer wenn der vordere Teil fertig ist und ich mich um das Ende kümmere, kann ich beim Sprechen den Satzanfang nicht mehr wiederfinden.“ Genauso passiere das mit mehrstelligen Zahlen. „Ich kann sie im Kopf zusammensetzen und finde dann den Zahlenanfang nicht wieder.“

Der Chefarzt der Klinik, Dr. Klaus Stecker, erklärte verschiedene Gedächtnismodelle und deren Arbeitsweise. So erfuhren die Teilnehmer nicht nur die Definition von Gedächtnismodellen, sondern konnten auch die Unsinnigkeit von Power-Lernen vor einer Prüfung verstehen und nachvollziehen, dass es verschiedene Modelle gibt, Erlerntes wieder besser abzurufen. Unentbehrlich seien die Pausen, die das Gedächtnis benötige, betonte Stecker.

Prof. Annette Baumgärtner von der Fachhochschule Fresenius in Hamburg berichtete über Sprachverarbeitungsmodelle. Dabei ging sie besonders auf die „phonologische Schleife“ ein. Sprachliche Inhalte, die in kürzerer Zeit nochmal zur Verfügung stehen sollten, wie zum Beispiel bei einem Kellner, der im Restaurant eine Bestellung aufnehme, „kreisen vereinfacht ausgedrückt wie in der Schleuder einer Waschmaschine so lange im Arbeitsgedächtnis, bis sie wieder gebraucht werden“. Bestünden Probleme in diesem Bereich, erfordere dies eine besondere Form des Trainings. Baumgärtner wies auf spezielles neuropsychologisches Gedächtnistraining und auf die Effektivität der Intensivtherapie hin, deren Wirksamkeit nun auch in einer Studie nachgewiesen worden sei, die in der wissenschaftlichen Zeitschrift Lancet veröffentlicht worden sei.

Monika Blunck vom Bundesvorstand der Aphasiker berichtete von den weit reichenden Aktivitäten der jungen Aphasiker, vom Golfspielen bis zur Selbstverteidigung. Nach dem Mittagessen traten drei Gruppen in einem „Memory-Wettstreit“ gegeneinander an.

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