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Ostholsteiner Anzeiger

22. Oktober 2017 | 07:18 Uhr

Oldenburg : Geburtshilfe im Rettungswagen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Baby kommt auf einem Parkplatz zur Welt. Es ist die erste Geburt mit Hilfe des Rettungsdienstes nach Schließung der Geburtsstation in Oldenburg

von
erstellt am 21.Aug.2014 | 13:24 Uhr

19 Tage nach Aufgabe der Geburtshilfestation im Oldenburger Krankenhaus trat der Fall ein, den viele Kritiker der Schließung befürchtet haben: Der Weg von Fehmarn in die Klinik nach Eutin war für eine hochschwangere Frau zu weit – sie musste ihr Baby mit Hilfe eines Notarztes im Rettungswagen gebären.

Die gute Nachricht: Mutter und Kind sind wohlauf, haben nach zwei Tagen bereits die Sana Klinik in Eutin verlassen. Gestern hat die Urlauberfamilie mit ihrer Nele Xenia genannten Tochter die Heimreise nach Niedersachsen angetreten.

Rückblende: Der Montag dieser Woche war zuerst ein ganz normaler Urlaubstag für die Familie Baete aus Bodenfelde in Niedersachsen gewesen. Erst ein schöner Stadtbummel, dann Indoor-Spielplatz für die zwei mitgereisten Kinder und abends ein gemütliches Zusammensitzen mit den Wohnwagennachbarn. Von der nahenden Geburt noch keine Spur, wieso auch: Jennifer Baete hatte von ihren Ärzten zuhause grünes Licht für den Urlaub in ihrer zweiten Heimat Fehmarn erhalten.

Nele Xenia ist überhaupt ein Überraschungsbaby. Sie hatte ihrer Mutter fast sieben Monate verheimlicht, dass sie unterwegs ist, tarnte sich mit starken Rückenschmerzen und einem Bandscheibenvorfall. Doch dann ging auf dem Campingplatz auf Fehmarn plötzlich alles holterdipolter: Kurz nach dem Zu-Bett-Gehen platzte bei Jennifer Baete (34) die Fruchtblase. Ihr Mann Wolfgang (46) rief geistesgegenwärtig die Rettungsleitstelle in Bad Oldesloe über den Notruf an; der Rettungswagen traf dann auch sehr schnell auf dem Campingplatz in Klausdorf ein. An der Schranke wartete schon Hans-Hinrich Tietje, Stellplatz-Nachbar der Familie Baete, und lotste die Helfer durch die Wohnwagenreihen. Währenddessen kümmerte sich seine Frau Sabine um die anderen Kinder der Familie, Dominik (13) und Jill (6).

Jennifer Baete hatte zu dem Zeitpunkt alle drei Minuten Wehen. Die Rettungswagenbesatzung und der dazu geholte Notarzt kümmerten sich liebevoll um die werdende Mutter, waren geschwind mit ihr unterwegs zur Geburtshilfe nach Eutin. Doch bei Heiligenhafen waren die Wehen zu stark, Nele Xenia konnte es nicht mehr abwarten: Um 0.57 Uhr erblickte das Mädchen auf dem Parkplatz Ostseeblick das Licht der Welt.

Nachdem Mutter und Kind in der Sana Klinik Oldenburg erstversorgt wurden, ging die Fahrt mit einem zusätzlichen Babynotarztwagen, der mit einem Inkubator ausgestattet ist, weiter in die Kinderklinik Eutin. Dort wurden beide nochmal gründlich untersucht, dann konnten alle Beteiligten erleichtert aufatmen: Alles gut gegangen.

Jennifer Baeter ist der ganze Ablauf nur bruchstückhaft in Erinnerung. Ganz wichtig sei für sie der Notarzt gewesen. Er habe ihr mit dem Satz „Ich habe drei Kinder, Sie haben drei Kinder - das schaffen wir schon gemeinsam hier im Rettungswagen“ sehr geholfen. Auch Empfang und Versorgung in Oldenburg und Eutin seien sehr warmherzig gewesen: „Ich habe mich sehr gut aufgehoben gefühlt.“

Erleichterung auch bei den Sana Kliniken Ostholstein: „Wir sind für jeden Fall dankbar, der gut ausgeht. Der Notarzt und die Besatzung des Rettungswagen haben einen guten Job gemacht“, sagte Pressesprecherin Dr. Barbara Kempe. Dennoch werde geprüft, was an den Abläufen zur optimalen Betreuung einer Notfall-Geburt noch zu verbessern sei. „Das Wichtigste ist, Panikmache zu vermeiden“, rief Kempe schwangere Frauen im Nordkreis dazu auf, Vertrauen in die medizinischen Angebote in Ostholstein zu haben. Die Mutter habe ihr gesagt, dass sie bei dem Geburtstempo es auch zu Hause nicht mehr in eine Klinik geschafft haben würde.

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