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Ostholsteiner Anzeiger

15. Dezember 2017 | 09:52 Uhr

Eutin : Gartenschau ohne Ecken und Kanten

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Landesgartenschau stellt sich inklusiv breit auf: Mit insgesamt zwölf Projekten soll die LGS auch für Besucher unterschiedlicher Einschränkungen erlebbar werden.

shz.de von
erstellt am 15.Apr.2016 | 14:00 Uhr

„Inklusion ist für die Landesgartenschau kein Mittel der Werbewirksamkeit“, betonte Marketing-Assistentin Julia Schönfeld gestern bei der Vorstellung der Inklusionsprojekte für die LGS. Unter dem Motto „Landesgartenschau Eutin 2016: Erlebbar für alle“ habe das Marketing-Team des größten norddeutschen Gartenfestes gemeinsam mit Experten, Interessengruppen und Betroffenen ein Jahr lang an einem inklusiven Konzept getüftelt. Unterstützung erhielt Julia Schönfeld auch durch Lena Middendorf von der Lebenshilfe Ostholstein. „Wir wollten wissen, was wir tun können, um Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen den Aufenthalt bei der LGS so angenehm wie möglich zu gestalten“, sagte Schönfeld. In thematisch verschiedene Gruppen unterteilt, erarbeiteten die Teilnehmer – darunter der Verein Andersicht und der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung – schließlich zwölf inklusive Projekte für die LGS.

Unter dem Titel „Kommunikation“ bietet die LGS zum Beispiel so genannte audio-taktile Geländepläne zum Umhängen. Diese sind kaum größer als ein Din-A4-Blatt und ermöglichen seheingeschränkten und blinden Besuchern dank ihrer Reliefstruktur, das LGS-Gelände zu ertasten. „Und per Knopfdruck können akustische Informationen zu einzelnen Sehenswürdigkeiten abgespielt werden“, ergänzt Schönfeld. Die audio-taktilen Geländepläne können am Haupteingang ausgeliehen werden.

Auch Standreliefs in der Größe von einem Meter mal 90 Zentimeter werden an den Eingängen der LGS und am Bahnhof aufgestellt. „Und die Stadt fand die Idee so toll, dass die Pläne jetzt dauerhaft angelegt und erweitert werden“, erklärt Julia Schönfeld. „Jetzt soll auch der ganze Innenstadtbereich zur besseren Orientierung erfasst werden.“ Ebenfalls zur Orientierung dient seheingeschränkten Besuchern die Blind-Square-App. Schönfeld: „Das LGS-Gelände wird per GPS erfasst und der Besucher wird mit Hilfe der App navigiert.“

Auch für gehörgeschädigte und gehörlose Personen hat die LGS vorgesorgt. Mithilfe von Gebärdendolmetschern werden zwei informations- und serviceorientierte Videos produziert, die sowohl auf der LGS-Website als auch am Haupteingang zu sehen sein werden. Pressesprecherin Kerstin Merx fasst zusammen: „Mit Gebärdensprache, Untertiteln und Lautsprache sind die Videos inklusiv in alle Richtungen.“ Mit Blick auf die kulturellen Eckpunkte der LGS sagte Julia Schönfeld: „Es ist vorgesehen, dass Veranstaltungen wie Lesungen, Diskussionsrunden, Theater und Musikprogramme in Gebärdensprache übersetzt werden.“ Fest stehe jetzt schon, führte die Marketingassistentin weiter aus, dass die Eröffnungsveranstaltung und das Konzert der Nachwuchsband „Jeden Tag Silvester“ übersetzt würden. Inklusion ende nicht bei baulicher Barrierefreiheit, erklärte Kerstin Merx. Mobilitätseingeschränkte Besucher erhalten beispielsweise gegen einen Pfand am Haupteingang E-Mobile, Rollstühle und Rollatoren – gesponsert vom Sanitätshaus Klindwort aus Bad Schwartau. „Es ist ein intensives Thema. Wir sind immer mehr eingetaucht und mittlerweile ist es eine echte Herzensangelegenheit geworden.“

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