zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

20. August 2017 | 23:39 Uhr

„Ganze Branche vor Umbrüchen“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Volksbank-Vorstand wertet Zinspolitik der Europäischen Zentralbank als einen Angriff auf Genossenschaftsbanken und Sparkassen

Anhaltend niedrige Zinsen ärgern nicht nur Sparer. Sie machen auch Banken das Leben schwer: Der Marktzins werde von der Europäischen Zentralbank (EZB) künstlich niedrig gehalten und sei ein Angriff auf Genossenschaftsbanken und Sparkassen, sagte gestern Matthias Benkstein, Vorstandsmitglied der Volksbank Eutin, in einem Pressegespräch. Wenn im klassischen Bankgeschäft keine vernünftigen Margen mehr zu erzielen seien, werde das Umbrüche in der ganzen Branche nach sich ziehen.

Dabei könne die Bank selbst keine Zinsen mehr einnehmen und bekomme auch für Geldanlagen keine mehr: „Wenn wir Geld bei der EZB kurzfristig ,parken‘ müssen, bezahlen wir 0,3 Prozent“, betont Benkstein. Diese Gebühr könne man aber nicht an den Kunden weiterreichen.

Die Umbrüche in der Branche sind bei der Volksbank schon sichtbar: Die Reduzierung des Filialnetzes durch die Ende Februar bevorstehenden Schließungen in Hutzfeld, Pönitz und Garbek (wir berichteten) gehören dazu. Immer weniger Kunden nutzten den Service am Schalter oder der Kasse: „75 Prozent der Kunden betreten die Bank nur, um Geld am Automaten abzuheben oder sich Kontoauszüge zu drucken,“ sagt Benksteins Kollege Hans-Wilhelm Hagen. Zugleich sinke die Kundenzahl auch durch die wachsende Bedeutung von Online-Banking.

Fehlende Einnahmen aus Zinserträgen und wachsende Kosten – auch durch immer mehr staatliche Auflagen – zwängen zum Sparen. Möglichkeiten böten sich bei Filialen und bei „Anpassung des Personals“, wobei Stellenabbau bei der Volksbank noch nie durch Kündigungen, sondern durch natürlich Fluktuation erreicht worden sei.

Die beiden Vorstände versicherten, dass es bis auf weiteres keine weiteren Schließungen geben werde. Wo Filialen geschlossen würden, bleibe der Automatenservice (Bargeld und Kontoauszüge) erhalten. Da die Sparkasse Holstein von dem Strukturwandel ebenso betroffen sei, habe man versuchsweise sogar eine gemeinsame Strategie vereinbart: „In Haffkrug, Niendorf und Hutzfeld werden Volksbank und Sparkasse jeweils einen gemeinsamen Geldautomaten betreiben“.

Außerdem setze die Volksbank alles daran, den Service, der mit dem Abzug von Personal aus der Fläche verbunden sei, auf anderen Wegen zu ersetzen. Dazu zähle zum einen die neue Service-Filiale, in der sieben Tage die Woche telefonisch Bankgeschäfte erledigt werden könnten (siehe auch extra Bericht). Und es seien für mobil eingeschränkte Kunden Hausbesuche einschließlich eines monatlich kostenlosen Lieferdienstes von Bargeld möglich, ergänzte Prokuristin Tanja Kannenberg, die zum Jahresende in Vorstand kommt, wenn Hans-Wilhelm Hagen in Ruhestand geht.

Der Pressetermin diente gestern auch einem Fazit für das Geschäftsjahr 2015. Die Bilanzsumme der Bank habe zum Jahresende 415 Millionen Euro erreicht, das ist ein Plus von 16,5 Millionen oder sei 4,2 Prozent. Benkstein: „Wir haben unsere Kreditvolumen ausgeweitet und konnten mit neuem Geschäft sinkende Margen auffangen. Zudem haben wir hohe Reserven. Wir werden auch in fünf Jahren erfolgreich sein, selbst wenn das Zinsumfeld über längere Zeit so bleiben sollte.“

Nach zwei Jahren Bauzeit habe Ende Januar der Einzug in das neue Verwaltungsgebäude in der Freischützstraße begonnen. Dort fänden 40 Angestellte aus Fachbereichen ohne Kundenverkehr ihre Arbeitsplätze.

In der Hauptstelle in der Königstraße, wo 90 Mitarbeiter blieben, würden neue Beratungsplätze geschaffen. Am 15. Februar ziehe der Creditshop aus der Weidestraße in die Hauptstelle, er werde vom Parkplatz Stadtgraben aus täglich von 8 bis 20 Uhr und nach Vereinbarung auch am Wochenende erreichbar sein. Geldautomat und Kontodrucker ziehen, wie es weiter hieß, von der Weidestraße in das neue Verwaltungsgebäude um.

Siehe auch Seite 7

zur Startseite

von
erstellt am 04.Feb.2016 | 08:49 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen