„Ganze Anzahl Anhänger unter der Vogelstange vereinigt“

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11. Juli 2014, 11:15 Uhr

Das stand vom 4. bis 10. Juli im Anzeiger:

In dieser Woche beschäftigt eine leichte Erkrankung des Kaisers die Zeitungen. Ferner wird über die Bestattungsfeierlichkeiten für den österreichischen Thronfolger und seine Gattin, die in Sarajewo erschossen wurden, berichtet. Dabei wird die Frage intensiv diskutiert, warum der deutsche Kaiser an der Beerdigung nicht teilgenommen hat. Es werden verschiedene Gerüchte, die in Österreich verbreitet werden, dargestellt. Allerdings findet die deutsche Regierung in dem Unwohlsein Wilhelms II. eine erschöpfende Erklärung. In einem Porträt wird die Frau des jetzigen österreichischen Thronfolgers, Erzherzogin Zita, der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Suche nach den Hintermännern des Bombenattentats in Sarajewo läuft auf Hochtouren, die Drahtzieher werden in der serbischen Armee vermutet.

Ein Attentat auf den russischen Zaren wurde von der Polizei vereitelt: Auf einer Landstraße wurden zwei Männer festgenommen, die zwei in Papier eingewickelte Bomben hatten. Bei den beiden handelt sich um zwei Anarchisten aus Russisch-Polen.

Zum Ende der Woche wird umfangreich über die Fahrt des französischen Staatspräsidenten Poincaré nach Sankt Petersburg berichtet. Dieser Besuch gilt in der Hauptsache – so der Anzeiger – „dem politisch-militärischen Zweck, die Russen zu veranlassen, daß sie ihre Grenze gegen Deutschland wieder stärker mit einbruchsbereiten Truppen belegten und auch ihre strategischen Eisenbahnen weiter ausbauten.“

Die Berlinerin Minna
Cauer, eine aktive Streiterin für das Frauenwahlrecht, schreibt einen Artikel über das „goldene Jubiläum der modernen Frauenbewegung“.

Die Schulferien beginnen. Über Deutschland liegt eine Hitzewelle. Der Anzeiger bittet in seinem Aufruf am 7. Juli: „Vergesst nicht die dürstenden Tiere! Tränkt die Zugtiere und die Hunde!“

Das Bürgervogelschießen, das am Wochenende stattgefunden hat, beschäftigt die Eutiner Leserschaft am 8. Juli. Im Anzeiger heißt es: „Alljährlich zu Anfang Juli findet bei uns in Eutin das Fest des Bürgervogelschießens statt, das immer noch eine ganze Anzahl treuer Anhänger dieser altehrwürdigen Feier unter die Vogelstange vereinigt“.

Die Witwe Frieda Westphal führt das Schuhwarengeschäft nach dem Tode ihres Mannes weiter, die Schuhmacherarbeiten werden allerdings durch Ernst Wisser fortgeführt. Gastwirt August Holzbach, Gasthaus zum
Uglei, lädt zu einem seiner berühmten Mondscheinkonzerte ein. Der Eintritt beträgt 50 Pfennig.

Durch den Trägerverein intensiv vorbereitet, naht jetzt das Eutiner Volksfest. In Kürze wird eine Zeltstadt aufgebaut, die letzten Vorbereitungen für einen großen Festumzug laufen. Die landwirtschaftliche Beilage beschäftigt sich umfangreich mit alten deutschen Schafrassen.

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