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Eutin : „Ganz großes Kino“ auf der Seebühne

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Nur knapp 500 Besucher bei der Movie-Night der Eutiner Festspiele. Das Orchester hauchte Stummfilmen wieder neues Leben ein

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erstellt am 30.Aug.2015 | 19:35 Uhr

Im wahrsten Sinne des Wortes „ganz großes Kino“ erlebten knapp 500 Besucher der Movie-Night am Sonnabendabend und spendeten frenetischem Applaus und Bravo-Rufe. Die Abschlussveranstaltung der Eutiner Festspiele in dieser Spielzeit wurde auch von einem jüngeren Publikum besucht. Die Kombination aus berühmten Filmmusiken und dem Stummfilmklassiker „Goldrausch“ von 1925 mit musikalischer Untermalung aus der Feder von Charlie Chaplin wurde zu einem gelungenen Open-Air-Kino-Abend.

Das Festpiel-Orchester unter der Leitung des Generalmusikdirektors Urs-Michael Theus zeigte eine große Bandbreite seines Könnens. Im ersten Teil spannte Theus, der auch als Moderator durch den Abend führte, einen musikalischen Bogen großer Kinofilme der vergangenen 50 Jahre. Weltbekannte und größtenteils mit einem Oscar ausgezeichnete Filmmusiken aus „Gladiator“, „Jenseits von Afrika“ und „Es war einmal in Amerika“ waren ebenso zu hören wie aus „The dark knight“ und aus dem Liebesdrama „Titanic“.

Mit einem Gruß an die benachbarten Karl-May-Festspiele und in Erinnerung an den kürzlich verstorbenen Winnetou-Darsteller Pierre Brice intonierte das Orchester die bekannte Titel-Melodie aus den 1960-er Jahren. Manch ein Besucher war über die Information von Urs-Michael Theus erstaunt, dass „Winnetou“ in Amerika gänzlich unbekannt sei.

Um eine der berühmtesten Filmmusiken der vergangenen Jahrzehnte zu erkennen, reichten nur wenige Mundharmonika-Töne von Ben Heuer. Voller Leidenschaft spielte der 24-jährige Mundharmonika-Musiker aus der Nähe von Itzehoe die unverwechselbare Melodie. „Das Stück spiele ich nicht so häufig. Umso mehr hat es mich gereizt, es mit einem großen Orchester zu präsentieren“, sagte Heuer dem OHA.

Einzige Solistin war die Nachwuchssopranistin Lea Bublitz. Für ihren Auftritt „Gabriellas Song“ aus dem schwedisch-dänisches Musikfilm-Drama, den sie in der schwedischen Originalfassung sang, erntete die 19-jährige Eutinerin einen Riesenapplaus.

Der rund 75-minütige Stummfilm von und mit Charlie Chaplin begeisterte im zweiten Teil des Abends Jung und Alt. Auf einer acht mal sechs Meter großen Leinwand, die zwischen dem Orchestergraben und dem Gala-Zelt aufgebaut war, erlebte das Publikum den Stummfilm mit englischen Erläuterungen, die in Deutsch untertitelt waren.

Mit Bravour managte Urs-Michael Theus sein Orchester, um das Zusammenspiel zwischen Filmszenen und Musik als Einheit zu präsentieren. „Es ist sehr, sehr schwer, hierbei das richtige Timing zu haben“, erläuterte Theus im OHA-Gespräch. Den Film habe er sich im Voraus mehrfach angesehen und kenne ihn nun fast auswendig. Um den genauen Einsatz geben zu können, habe er sich zu jedem Handgriff, jeder Bewegung und Aktion in dem Stummfilmstreifen Merkpunkte in die Partitur geschrieben. „Ein großer Dank gebürt der Professionalität des Orchesters, das den Abend zum Erfolg gemacht hat“, führte Theus aus, der auch von den Musikern mit viel Applaus bedacht wurde.

„Das war absolut genial“, waren die Eutiner Grit und Martin Wagner von ihrem ersten Besuch auf der Seebühne begeistert. Und auch der regelmäßige Festspiel-Besucher, Fritz von Korff aus der Rosenstadt, war angetan: „Die Karl-May-Musik weckte bei mir Erinnerungen an Kinobesuche in meiner Jugend.“

Ob die Movie Night, trotz der geringen Besucherresonanz kostendeckend war, konnte Geschäftsführerin Susanne Kuhnert noch nicht sagen. Fest stand für sie aber: „Die letzten drei Veranstaltungen – die zwei Gala-Abende und die Movie Night – sind mehr als kostendeckend, so dass wir hier ein gutes Plus haben werden.“ Kerstin Emma Ahrens

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