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Ostholsteiner Anzeiger

20. Oktober 2017 | 04:30 Uhr

Gädechens baut auf Merkel

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Eine glatte Wiederwahl erlebte der CDU-Kreisvorsitzende Ingo Gädechens beim 50. Parteitag der ostholsteinischen CDU. Im OHA-Interview bezieht er Position zu aktuellen Themen auf Bundes- und Kreisebene.

von
erstellt am 28.Sep.2015 | 16:30 Uhr

Herr Gädechens, die Popularität der Kanzlerin bröckelt. Welche Gründe dafür sehen Sie?
Viele Menschen sind beunruhigt, ob Deutschland dem Andrang von Flüchtlingen noch gewachsen ist. Nur eine rosa Brille hilft da nicht weiter. Die Menschen sehen aber, dass sich die Bundeskanzlerin intensiv um die Problematik kümmert. Sie wird innerhalb kurzer Zeit auch die Skeptiker mit ihrer sachlichen Art überzeugen, dass der Weg, Menschen in Not zu helfen, richtig ist.

Wie stehen Sie selbst angesichts der Kritik aus Bayern zur Flüchtlingspolitik der Kanzlerin?
Ich bin davon überzeugt, dass die Politik der Bundeskanzlerin richtig ist und sich mittelfristig auch positiv für Deutschland auswirkt. Wir müssen schnell zu einer tragfähigen europäischen Lösung kommen. Angela Merkel genießt dabei großen Rückhalt in der Fraktion.


Wie erleben Sie die Akzeptanz in Ostholstein für Flüchtlinge?
Die Ostholsteiner haben mit einer bewundernswerten Hilfsbereitschaft die Flüchtlinge willkommen geheißen. In der Erstaufnahmeeinrichtung in Putlos bin ich vielen ehrenamtlichen Helfern begegnet, die sich hochmotiviert um die Menschen kümmern. Auch enorme Sachspenden sind bereits eingegangen. Ich hoffe, dass diese große Hilfsbereitschaft nicht abebbt.


Willy Brandt hat schon vor 30 Jahren in einer UNO-Kommission gesagt, wenn die Armut im Süden nicht bekämpft wird, kommen die Armen in den reichen Norden.

Willi Brandt hatte Recht. Nur: Wenn keine mediale Aufmerksamkeit erzeugt wird, rutschen wichtige Themen in den Hintergrund.

Hat Deutschland zu wenig für die Entwicklungshilfe getan?

Dabei glaube ich nicht, dass ausgerechnet Deutschland zu wenig Entwicklungshilfe geleistet hat. Entwicklungszusammenarbeit braucht einen langen Atem, bis man Erfolge sehen kann.

Wird Deutschland jetzt mehr machen?

Der Bundestag hat im aktuellen Haushaltsentwurf die Mittel für die Entwicklungshilfe 2016 nochmals aufgestockt. Mehr Geld alleine wird es jedoch nicht richten und für ein Abflauen des Flüchtlingsstroms sorgen. Wir müssen vielmehr auch darauf achten, keine falschen Eindrücke von Deutschland zu vermitteln.

Was meinen Sie konkret?

In Zeiten mobiler Kommunikation verbreiten sich alle Bilder sehr schnell. Wir dürfen in der jetzigen Situation nur Flüchtlinge mit einem berechtigten Asylgrund aufnehmen. Alle anderen müssen zügig in ihre Heimatländer zurück gebracht werden.


Herr Gädechens, Sie sind seit 2003 Vorsitzender der CDU in Ostholstein. Streben Sie,wie es Rolf Olderog gelang, eine 25-jährige Amtszeit an?
Die CDU Ostholstein ist in der komfortablen Lage, dass alle drei Stellvertreter und weitere Vorstandsmitglieder das Format hätten, den Vorsitz der Partei zu übernehmen. Das wir so freundschaftlich zusammen arbeiten, liegt sicherlich auch ein bisschen an meinem ausgleichenden Naturell. Ich denke aber nicht in festen Zeiträumen. Solange man das Vertrauen in der Partei genießt, trägt man auch ein Stück weit Verantwortung, der man gerecht werden muss.

Was ist Ihr Hauptanliegen als Parteichef für die nächsten zwei Jahre?
Die CDU ist Heimat für viele Menschen, die sich zur Zeit politisch engagieren oder zukünftig engagieren möchten. Mein Ziel bleibt, dass die CDU auch aus den kommenden Wahlen als stärkste Kraft hervorgeht und wir 2017 die Landtagswahl gewinnen, um den Ministerpräsidenten zu stellen. Die SPD-Regierung zeigt eine denkbar schwache Leistung. Unser Bundesland hat große Probleme und rutscht im Vergleich immer weiter ab. Als Bundestagsabgeordneter ist mein Fokus aber ähnlich scharf auf die Bundestagswahl gerichtet.Da wünsche ich mir natürlich 2017 ein ähnlich gutes Ergebnis wie vor zwei Jahren.
Wie stark sind in Ihnen Zweifel gewachsen, dass die Dänen vielleicht doch nicht den Fehmarnbelttunnel bauen?
Ich bin der Meinung, dass die Dänen die Querung bauen werden. Der Druck aus ganz Skandinavien ist riesengroß und der Wunsch, besser an den europäischen Festlandsockel angebunden zu werden, uralt! Allerdings habe ich beim Thema Fehmarnbeltquerung manchmal den Eindruck, dass wöchentlich eine neue „Sau durchs Dorf getrieben wird“. Mein Auftrag besteht ausschließlich darin, die Region auf das, was kommen könnte, vorzubereiten. Darüber hinaus müssen wir die Planungen für eine neue Sundquerung aufmerksam begleiten.

Fürchten Sie, dass das Projekt Hinterlandanbindung so pannenreich werden könnte wie der Flughafenbau in Berlin?
Die Voraussetzungen sind komplett andere, daher ist der Flugenhafen Berlin nicht mit dem Bau der Hinterlandanbindung zu vergleichen. Aus meiner Sicht hat die Bahn AG sehr viele Erfahrungen bundesweit mit Ausbauprojekten gesammelt. Dass die Kosten drastisch gestiegen sind, liegt daran, das durch das von der CDU initiierte Raumordnungsverfahren die Bahn aus dem „alten Gleisbett“ heraus muss. Von den 75 km Bahnschienen werden 55 km neu verlegt. Somit bekommt der Trassenverlauf eine wesentlich bessere Streckenführung zum Schutz der Menschen vor Lärm!

Welche Chance sehen Sie, neue Hochspannungsleitungen in Ostholstein teilweise als Erdkabel zu verlegen?
Dafür ist es erforderlich, dass die Ostküstenleitung nicht nur endlich in das Energieleitungsausbaugesetz aufgenommen wird, sondern darüber hinaus als Modellprojekt klassifiziert wird. Hier tragen der schleswig-holsteinische Minister Habeck und Bundeswirtschaftminister Gabriel die Verantwortung, ob eine Teilerdverkabelung auch in Ostholstein möglich wird.

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