Funkstörungen bei Feuerwehren

Das Funken unter Atemschutz  soll durch neue Geräte in den Wehren der Gemeinden Süsel und Malente sowie der Stadt Eutin verbessert werden.
Foto:
Das Funken unter Atemschutz soll durch neue Geräte in den Wehren der Gemeinden Süsel und Malente sowie der Stadt Eutin verbessert werden.

Nach Eutin und Süsel sollen auch die Feuerwehren in Malente mit Hilfe neuer Funkgeräte problemlos Atemschutzeinsätze machen können.

shz.de von
07. Februar 2018, 13:09 Uhr

Gut ein Jahr nach der flächendeckenden Einführung der digitalen Funktechnik bei den Feuerwehren in Ostholstein wollen viele Wehren die Unzulänglichkeiten, die sich besonders für die Träger von Atemschutzgeräten ergeben haben, nicht mehr hinnehmen. Wie die Feuerwehren in Eutin und der Gemeinde Süsel sollen auch die Atemschutzträger der acht Wehren der Gemeinde Malente neue Funkgeräte bekommen. Für die betroffenen Kommunen bedeutet das Ausgaben im fünfstelligen Bereich.

Zunächst sei man von Bedienungsfehlern ausgegangen, schilderte Malentes stellvertretender Gemeindewehrführer Andree Bendrich am Dienstagabend im Hauptausschuss die Problematik. „Wir haben probiert, probiert, probiert. Die Trupps haben die Erfahrung gemacht: Mich hört hier keiner mehr.“ Erst auf einem Treffen aller Gemeinde- und Amtswehrführer sei ihm klar geworden, dass Malente mit dem Problem nicht alleine stehe.

Bendrich machte klar, welche Folgen die unzureichende Sprachqualität beim Einsatz in brennenden Gebäuden habe: „Wenn ein Gruppenführer sagt: ,kein Kontakt‘, dann bedeutet das: Abbruch des Innenangriffs.“ Im Ernstfall könne dies heißen, Menschen in Not zurückzulassen. Bislang habe man nur Glück gehabt, dass es nicht dazu gekommen sei.

Wann ein angekündigtes Software-Update komme, sei völlig unklar, kritisierte Bendrich. Er will nicht länger warten: „Ich bin ein ungeduldiger Mensch, wenn es um Sicherheit geht.“

Im Ausschuss herrschte Einigkeit, dass eine schnelle Lösung her müsse. „Die Ausstattung muss da sein, um sicher rein und raus zu kommen“, forderte Jürgen Redepenning (SPD), Vorsitzender der Fraktion von SPD und Grünen. Man kam überein, 10 000 Euro bereitzustellen, damit Verwaltung und Feuerwehr so schnell wie möglich 20 neue Hör-Sprech-Garnituren für die Atemschutztrupps bestellen könnten. Bendrich hatte vorgeschlagen, diese gemeinsam mit der Eutiner Feuerwehr anzuschaffen. „Da könnte man aufspringen.“ Tests der Eutiner mit anderen Geräten hätten gezeigt, dass deren Qualität viel besser sei.

Bürgermeisterin Tanja Rönck soll auch versuchen, das Geld für die nicht funktionierenden Geräte zurückzubekommen. Doch das dürfte schwierig werden, wie Dagmar Nöh-Schüren, Fraktionschefin der Bürger/-innen für Malente, klar machte. „Wir sind nicht Vertragspartner“, erklärte sie. Deswegen könne Malente selbst auch keine Gewährleistungsansprüche geltend machen. Dieses Recht liege beim Kreis Ostholstein, das die Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH) mit der Ausschreibung beauftragt habe.

Die Eutiner Feuerwehren hatten sich intensiv mit den Mängeln und Möglichkeiten zu deren Beseitigung beschäftigt. Wegen der unterschiedlichen Ausstattung sind deren Erkenntnisse aber nicht auf alle anderen Wehren übertragbar.

In Eutin gibt es für Atemschutzträger Funkgarnituren, die ein externes Mikrofon haben und deren Funkgeräte durch große Tasten bedient werden. Ein großes Problem, wie es Gemeindewehrführer Heino Kreutzfeldt dem OHA schilderte, ist eine geringe Lautstärke. Wegen Vorgaben zum Schutz der Gesundheit und in diesem Fall des Gehörs seien die Geräte nach dem Einschalten sehr leise geschaltet und müssten erst manuell so eingestellt werden, dass die Einsatzkraft beim Funken die Antworten verstehen könne.

Als Problem habe sich auch die Empfindlichkeit der Mikrofone herausgestellt: „Man muss in einen bestimmten Winkel hineinsprechen, sonst kommt bei den anderen nichts an. Das ist natürlich unter Einsatzbedingungen sehr lästig.“

Die rund 25 Atemschutzträger in den neun Feuerwehren der Gemeinde Süsel sind mit sogenannten Schädeldecken-Mikrofonen ausgestattet worden. Die kämpfen nach Auskunft des Gemeindewehrführers Rolf Müller ebenfalls mit Verständigungsproblemen: „Da sitzt der Helm mal nicht richtig, und schon funktioniert das nicht.“ Sowohl die Eutiner als auch die Süseler Wehren haben den Kauf von neuen Funkgeräten beantragt, die auch unter den erschwerten Bedingungen, die die Atemschutzmaske mit sich bringt, eine einwandfreie Kommunikation ermöglichen. „Es sind“, wie Kreutzfeldt erklärt, „Handsprechfunkgeräte, die laut genug sind und bei denen nicht in einem bestimmten Winkel in das Mikrofon gesprochen werden muss, sondern der Mund auch ein paar Zentimeter weg sein kann.“

In den jeweiligen Entwürfen der Haushaltspläne stehen entsprechende Summen. Für Süsel werden – wie in der Gemeinde Malente – um die 10 000 Euro fällig, für die Stadt Eutin mit einer Stückzahl von 60 Geräten folglich mehr als das Doppelte.

Es gibt sowohl in Ostholstein als auch im ganzen Land weitere Wehren, die mit ihren Funkgarnituren unzufrieden waren oder auch sind. Als erste hatten die Heiligenhafener nachgerüstet, sagte Kreisbrandmeister Thorsten Plath dem OHA.

Es gebe aber auch Wehren, die mit der neuen Gerätegeneration problemlos zurecht kämen. Die Wehren der Gemeinde Lensahn seien ein Beispiel.

Nach Plaths Erfahrung lassen sich viele Probleme nicht durch neue Geräte lösen, sondern durch eine intensive Beschäftigung mit den Geräten. So ließen sich die meisten Funkgeräte individuell auf die Mikrofone abstimmen.

Dem Kreis Ostholstein sei das Thema bekannt, sagte Pressesprecherin Carina Leonhardt. Die von den Feuerwehren geschilderten Probleme nehme der Kreis sehr ernst.

In diesem Monat laufe auf Landesebene ein Test- und Freigabeverfahren für das Software-Update, bei dem die Digitalfunk-Servicestellen der Kreise ebenfalls beteiligt würden. Die Erkenntnisse der Feuerwehren flössen in dieses Verfahren ein. Das Problem werde in enger Zusammenarbeit mit der autorisierten Stelle des Landes und dem Landespolizeiamt analysiert und an einer Lösung gearbeitet.

Im Kreis Ostholstein sind alle 131 Feuerwehren mit Digitalfunkgeräten ausgestattet worden. Alle Funkgeräte seien 2013 im Rahmen einer landesweiten Sammelbeschaffung über das Gebäudemanagement SH bestellt und ab Januar 2016 geliefert worden. Die Gesamtanschaffungskosten für die Digitalfunkgeräte aller Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (Feuerwehr, Rettungsdienst, Katastrophenschutz, Hilfeleistungsorganisationen) im Kreis inklusive der Nachbestellungen bis zum heutigen Tag bezifferte Leonhardt auf rund 1,89 Millionen Euro.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen