zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

20. August 2017 | 08:24 Uhr

Fürstbischof Christian August ordnete an:

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Eutin war vermutlich schon im Mittelalter als slawische Siedlung ein Ort, an dem Markt abgehalten wurde. Aber wie alt ist der Wochenmarkt? OHA-Autor Klaus Petzold hat recherchiert. Am 21. Juni 2014 feierten die Stadt Eutin, vertreten durch den Bürgervorsteher und den Bürgermeister, zusammen mit den Marktbeschickern das 145-jährige Bestehen des Eutiner Wochenmarktes. Der Bürgermeister räumte dabei ein, dass dieses Jubiläum historisch nicht exakt sei und nur ungefähr stimme. Wichtiger als die Jahreszahl sei vielmehr die belebende Wirkung des Wochenmarktes für die Stadt Eutin als Einkaufsstadt und Touristenziel. Dass dies schon immer so war, wird im Folgenden geschildert.


Aus den Anfängen


Bereits weit vor der Verleihung des Stadtrechts 1257 hatte die slawische Siedlung Utin eine wirtschaftliche Bedeutung als Umschlagplatz für die damals gebräuchlichen Handelswaren wie Pelze, aus Tierknochen und Geweihen angefertigte Geräte, Tongefäße und Silberschmuck. Die um 1140 in Eutin angesiedelten Holländer übernahmen den von den Slawen begründeten Handelsplatz und bauten ihn zielstrebig aus. Der Mittelpunkt der holländischen Siedlung war der geräumige Marktplatz in einer Größe von rund 4500 Quadratmetern, so wie er sich noch heute darstellt. Auf diesem Platz wurde mit allen Produkten des Landes wie Vieh, Lederwaren, Pelzen, Keramik und Salz gehandelt.

Ob es damals schon feste Markttage gegeben hat, ist nicht bekannt. Der Sonntag wird jedoch so ein Tag gewesen sein, konnte dann doch der Besuch des Gottesdienstes mit dem Ein- und Verkauf der Handelswaren verbunden werden. Aus der Nachbarstadt Plön wird um 1163 berichtet, dass der sonntägliche Handelsverkehr von Slawen und Deutschen auf dem Marktplatz so laut und stark gewesen sei, dass der Gottesdienst davon beeinträchtigt wurde. Die regionale Mittelpunktfunktion des Marktortes Eutin war einer der Gründe, weshalb Eutin dann im Jahre 1257 das Stadtrecht verliehen bekam.


Verschiedene Märkte


Wegen der dürftigen Quellenlage ist bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wenig von den Märkten bekannt, die es in Eutin gegeben hat, weder über Zahl, noch über Häufigkeit der Märkte gibt es gesicherte Angaben. Wir wissen lediglich, dass ab dem 12. Oktober 1584 jährlich der Herbstmarkt, genannt der Michaelismarkt, als Pferde-, Vieh- und Krammarkt stattfand.

Fürstbischof August Friedrich verfügte 1696, dass zusätzlich ein freier Pferde- und Viehmarkt als Frühjahrsmarkt „hinkünftig allezeit den Montag nach Quinquagesima, ist der Tag vor dem Fastelabend, welcher dieses Jahr der 24. Februarij seyn wird, soll gehalten werden. Darbey dann denen Krämern, so diesen Marckt etwan mit beziehen wollen, auch erlaubet wird, mit ihren Waaren drey Tage nacheinander, nemlich biß die Mittwoche Abends frey auszustehen und selbige ohne jemands Anspruch oder Verhinderung zu verkaufen.“

1830 wurde ein dritter Kram- und Pferdemarkt in der Woche vor Pfingsten jeweils am Montag, Dienstag und Mittwoch eingeführt. Die Märkte fanden seit altersher immer auf dem Marktplatz statt, erst 1817 wurde der Pferdemarkt zur Weidestraße verlegt, der Kram- und Viehmarkt blieb im Stadtzentrum. Bis 1809 war der Marktplatz unbefestigt, so dass er im feuchten Frühjahr und nassem Herbst mit Pfützen übersät war, an Markttagen vermengt mit Pferdeäpfeln und Kuhfladen.

Dafür war er aber auch beleuchtet, ab 1783 von 16 Öllampen und ab 1857 mit sechs Gaslampen. Erst ab 1810 wurde der Marktplatz mit Katzenkopfsteinen gepflastert und mit Entwässerungsrinnen versehen, so dass Regenwasser ablaufen konnte. Bei der zweiten Pflasterung 1910 erhielt er ein Granit-Reihenpflaster, das 1970 durch das heutige Pflaster ersetzt wurde.


Der erste Eutiner Wochenmarkt


Alle Märkte fanden lediglich zwei- bis dreimal jährlich statt. Die erste Nachricht von einem Eutiner Wochenmarkt finden wir in einer Verordnung des Fürstbischofs Christian August vom 2. August 1719.

Christian August hatte am 25. Juni 1719 seinen Räten in Eutin mitgeteilt, dass er demnächst mit seinem Hause von Hamburg nach Eutin übersiedeln wolle. Die für seine Hofhaltung benötigten Lebensmittel sollten möglichst an Ort und Stelle erworben und nicht mit hohen Kosten von anderen Orten wie zum Beispiel aus Lübeck herbeigeschafft werden.

Seine Räte sollten prüfen, ob deshalb in Eutin ein Wochenmarkt eingerichtet werden könne. Ein Wochenmarkt sei darüber hinaus auch für seine Untertanen gut, weil sie nicht mit hohen Transportkosten ihre Waren nach außerhalb bringen müssten und diese am Ort günstiger und frischer verkaufen könnten.

Die Räte Johann Philip Förtsch, Gotthard von Plönnies und Gottfried Bleuel prüften die Anregung ihres Landesherrn und kamen nach seitenlangen Berechnungen zu dem Ergebnis, dass mit gewissen Einschränkungen unterm Strich die Sache vorteilhaft wäre.

Bereits am 2. August 1719 ordnete deshalb der Fürstbischof an, wöchentlich einen Markttag, und zwar sonnabends, abzuhalten: „Der Anfang mit diesen Wochenmärkten soll am 26. Augusti, so also Sonnabend nach Bartholomäi dieses laufenden Jahres gemacht werden.“

Er bestimmte auch, welche Produkte angeboten werden sollten: „Rind- und ander Fleisch, allerhand andere Victualien sollen feilgehalten werden. Alles was meine Unterthanen an Eßwahren in anderen Orten verkauft haben wie von lebendigem Vieh wie Lämmer, Gänse Hüner, Enten, Tauben oder auch Eier, Butter, Käse, Obst- und Gartengewächse.“ Aus den alten Akten ergibt sich leider nicht, wie lange dieser Wochenmarkt Bestand hatte.

Fortsetzung nächste Seite

zur Startseite

von
erstellt am 26.Aug.2014 | 12:19 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen