Für Schleswig-Holsteins Wasser

Informieren heute von 9.30 bis 18 Uhr: (v. li.) Sophia Wagener, Werner Küppers und Sophia Modes.
Informieren heute von 9.30 bis 18 Uhr: (v. li.) Sophia Wagener, Werner Küppers und Sophia Modes.

Am „Omnibus für direkte Demokratie“ werden auch heute auf dem Eutiner Markt Unterschriften gegen Fracking gesammelt

shz.de von
24. Mai 2018, 13:28 Uhr

Seit 18 Jahren rollt Werner Küppers für direkte Demokratie durchs Land. Auf Wunsch unterstützt der Künstler regional angestoßene Volksinitiativen, wie die zum Schutz des Wassers von Reinhard Knof und dessen Mitstreitern.

Für gutes Wasser im nördlichsten Bundesland sprechen Küppers und seine zwei Mitarbeiterinnen seit fünf Wochen mit den Menschen in Schleswig-Holstein. Das Team will in Städten und Gemeinden über Fracking und seine Folgen aufklären und möglichst viele Unterschriften zum Schutz des Wassers im Bundesland sammeln. 20 000 gültige müssen es am Ende sein. Die Liste wird Dienstag, 29. Mai, um 13 Uhr dem Landtag, Landeshaus Kiel, überreicht.

In Eutin ist das Trio seit gestern auf dem Markt aktiv. Das Interesse sei da, sagte Küppers. Gleich morgens seien die ersten Menschen an sie herangetreten. In den Gesprächen weisen Küppers, Sophia Wagener und Sophia Modes auf Fracking hin, die Bezeichnung für das In-den-Boden-Pressen von Lagerstättenwasser, um Rohstoffe zu gewinnen. Lagerstättenwasser sei mit Giftstoffen versetzt und werde unter großem Druck in die Erde gebracht, erklärte Küppers. Das passiere auch in Schleswig-Holstein. Die Volksinitiative um Reinhard Knof will nicht nur Wasser, Nord- und Ostsee schützen. Sie will auch die „Offenlegung des Gefahrenpotenzials“ von Fracking.

Das gemeinnützige Unternehmen Omnibus wird laut Küppers mit Hilfe eines Fördererkreises und Spenden finanziert. Den Omnibus für direkte Demokratie steuere er passend zur Bedeutung des Wortes im Lateinischen „für alle“ durch das Land, erklärte Küppers. Direkte Demokratie sei für alle, funktioniere aber auch nur mit allen. Ideen gingen alle Menschen an, ob direkt oder indirekt. Küppers weiß aus seinen unzähligen Gesprächen, die er bundesweit bisher führte: „In Deutschland mangelt es nicht an Ideen, sondern an einem Werkzeug, wie wir Themen gewaltlos und konstruktiv in die Gesellschaft bringen und diskutieren können.“ Die Diskussion sei von grundlegender Bedeutung für eine Demokratie.

Auf Gemeinde- und Länderebene sind Volksinitiativen bereits geregelt. Daran hätten der Omnibus und der Verein Mehr Demokratie erheblichen Anteil, sagte Küppers. Es fehle noch die Regelung auf Bundesebene. Der Verein schlage eine dreistufige Volksgesetzgebung aus Volksinitiative, Volksbegehren und Volksentscheid vor. Dem haben die Bundestagsabgeordneten mit einer Zweidrittelmehrheit zuzustimmen, damit auch auf Bundesebene jeder Wähler direkt Demokratie üben könne. Der Kreis der Befürworter wachse, inzwischen auch unter den Bundestagsabgeordneten. Doch noch müsse weiter darüber informiert und dafür geworben werden.

Das wird Küppers weiterhin stets von April bis Mitte November tun. Dann fährt er mit Mitarbeitern und dem Omnibus von A nach B, lebt in der Zeit in dem Gefährt und arbeitet konsequent an dem sozialen Kunstwerk Omnibus.

Der Omnibus wurde 1987 auf der Documenta in Kassel ins Leben gerufen, beeinflusst von dem Künstler Joseph Beuys, der sich seit 1971 für direkte Demokratie einsetzte, die er gemäß seines erweiterten Kunstbegriffs als soziale Kunst verstand.

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