Eutin : Für 1,25 Millionen versteigert

Dieses Gebäude hat nach vier Jahren in der Zwangsversteigerung nun einen neuen Eigentümer.
Dieses Gebäude hat nach vier Jahren in der Zwangsversteigerung nun einen neuen Eigentümer.

Er kam als Gläubiger und ging als Eigentümer: Ein Däne ersteigerte gestern das gut 100 Jahre alte Wohn- und Geschäftshaus in der Eutiner Peterstraße – und rettete sein Investment früherer Tage. Vier Jahre wurde das Haus zwangsverwaltet.

shz.de von
17. Mai 2018, 00:47 Uhr

Es ist für den Dänen Jesper Antschukov Kjær das schönste Gebäude in Eutins Fußgängerzone und „it’s worth to keep“ (es ist es wert, es zu bewahren): Der 63-jährige Unternehmer ersteigerte gestern Morgen am Eutiner Amtsgericht das repräsentative Wohn- und Geschäftshaus in der Peterstraße 14 für insgesamt 1,25 Millionen Euro – und wechselte so die Rolle vom Gläubiger zum Eigentümer.

640 000 Euro habe er damals einem Freund insgesamt geliehen, um die Forderungen der Banken zu begleichen. Damals, das war 2008, als die Dadriba GmbH das Haus in Eutins 1a-Lage kaufte. Der Geschäftsführer der GmbH war der Freund des Dänen. Seit März 2014 befindet sich das Haus in der Zwangsverwaltung. Die Nord-Ostsee-Sparkasse hatte das Verfahren eingeleitet, weil offene Forderungen von rund 840 000 Euro von der Dadriba GmbH nicht beglichen worden waren. Auf die Frage, weshalb er mitbieten wolle, wie sein Anwalt zu Beginn im Saal erklärte, sagte Jesper Antschukov Kjær: „Ganz klar, ich will mein Investment schützen.“ Denn er wäre, hätte den Zuschlag ein anderer bekommen, leer ausgegangen. Lediglich die Forderungen der Sparkasse wären bedient worden.

Der Verkehrswert, der per Gutachter für das Zwangsversteigerungsverfahren ermittelt wurde, lag bei rund 811 000 Euro, das Mindestgebot deshalb bei 567 7000 Euro, wie Rechtspflegerin Katrin Jensen vor Bietbeginn erläuterte.

Neben Kjær, der mit Frau und Anwalt angereist war, zeigte sich der Eutiner Unternehmer Thies Hahn und Klaus Schröder, Geschäftsführer eines Malenter Pflegedienstes, interessiert am unter Denkmalschutz stehenden Gebäude. Nach mehreren Gesprächen mit dem Vertreter der Nord-Ostsee-Sparkasse sowie dem Insolvenzverwalter vor der Tür gaben beide das erste Gebot um 9.56 Uhr über insgesamt 700 000 Euro ab. Es dauerte keine drei Minuten, da erklärte der Flensburger Anwalt Jürgensen, dass Kjær 1,25 Millionen Euro biete. Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten – vorbei: Der Däne hatte Bietkonkurrenten damit ins Abseits gedrängt. Aber warum mit so einer hohen Summe? „Das ist ganz einfach, wenn er es binnen der nächsten zehn Jahre auf dem freien Markt verkaufen würde, ginge die Differenz zwischen dem erzielten und dem ersteigerten Wert als Spekulationssteuer ans Finanzamt. Dann kann man auch gleich den richtigen Preis zahlen“, sagte sein Anwalt.

Im Erdgeschoss des Hauses befindet sich seit 1985 eine Filiale der Deutschen Bank, die noch bis Ende 2035 ein Nutzungsrecht im Grundbuch eingetragen hat. Die beiden Etagen darüber seien vermietet. „Und daran soll sich auch in den nächsten Jahren nichts ändern“, wie der neue Eigentümer auf Nachfrage mitteilte.

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