Forderungen gegen die Geschäftsführung : Führungsetage in der Opernscheune soll Regress leisten

Frische Brisanz gewinnt die Frage, wer Verantwortung für die Insolvenz der Eutiner Festspiele trägt.

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03. Januar 2011, 11:40 Uhr

eutin | Nach OHA-Informationen hat der vorläufige Insolvenzverwalter Reinhold Schmid-Sperber den Festspiele-Geschäftsführer Josef Hussek offiziell aufgefordert, exakt 386.196,61 Euro an die Oper zurückzuzahlen. Begründung: Ausgaben in dieser Gesamthöhe seien noch erfolgt, obwohl die Festspiele zum 30. August schon zahlungsunfähig gewesen seien.

Schmid-Sperber hat Hussek bereits Ende November mit dieser Forderung konfrontiert. Zugleich ließ er in dem Schreiben anklingen, dass auch die Verantwortung früherer Geschäftsführer und Aufsichtsräte für den Niedergang der Festspiele zu prüfen sei. Dafür kommt aus rechtlicher Sicht der Zeitraum zurück bis Ende 2007 in Frage.
"Ich muss zusammenhalten, was noch da ist"
Nach OHA-Informationen hat Josef Hussek in dieser Angelegenheit umgehend die Versicherung der Festspiele für Schäden durch Managementfehler eingeschaltet. In ihrem Auftrag ist damit jetzt eine renommierte Anwaltskanzlei in Kiel befasst. Hussek selbst lehnte eine eigene Stellungnahme zu der Forderung ab. "In der Frage der Geschäftsführerhaftung bitte ich um Verständnis, wenn ich mich zum jetzigen Zeitpunkt dazu nicht äußern möchte. Ich möchte diesbezüglich in keinster Weise Dingen vorgreifen, die weder im einzelnen geklärt, geschweige denn entschieden sind", sagte er dem OHA gestern aus dem Weihnachtsurlaub in Wien.

Auch Reinhold Schmid-Sperber hüllte sich zu den Umständen und Gründen seiner Rückzahlungsforderung an den Geschäftsführer, der erst Mitte Juni sein Amt in Eutin angetreten hatte, in Schweigen. Das Wort dazu hätten nur der Insolvenzverwalter, der nach der in Kürze zu erwartenden Erföffnung des Verfahrens vom Amtsgericht eingesetzt werde, und die Gläubigerversammlung. Er könne derzeit nur Grundsätzliches sagen: "Ich bin Vertreter der Gläubiger und muss zusammenhalten, was noch da ist." Dazu gehöre auch der Versuch, Verantwortliche für mögliche Fehlhandlungen in Regress zu nehmen.
"Er zwingt uns, darüber nachzudenken, ob Fehler gemacht wurden"
Diese Aussicht hat Monika Obieray, seit Juni Vorsitzende des Aufsichtsrates bei den Festspielen, über Weihnachten "ein mulmiges Gefühl" beschert. Sie bestätigte dem OHA: "Ich habe Kenntnis von dem Schreiben. Wir lassen das jetzt alles über den Anwalt laufen. Persönlich finde ich aber nicht, dass wir uns im Aufsichtsrat grobe Fahrlässigkeit zuschulden kommen ließen, als wir im August darauf vertrauten, dass ein absehbares Defizit wie in den Vorjahren wieder von der Stadt ausgeglichen würde."

Obieray, die im Auftrag der Stadt im Aufsichtsrat tätig ist, gewinnt der Forderung des Insolvenzverwalters auch eine gute Seite ab: "Er zwingt uns, intensiv darüber nachzudenken, wie die Abläufe bei den Festspielen waren und ob da trotz besten Bemühens doch auch Fehler gemacht wurden."

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