zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

24. Oktober 2017 | 10:14 Uhr

Frühstart in den sonnigen Süden

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Bereits im Juli tritt der Gartenrotschwanz seine Reise in die Winterquartiere an. Dort kämpft der Vogel mit den Folgen des Klimawandels

von
erstellt am 09.Sep.2015 | 17:18 Uhr

Man braucht schon sehr viel Glück, um diesem schönen Vogel in Norddeutschland zu begegnen, denn der Bestand ist, aus verschiedenen Gründen, erheblich zurückgegangen. Obwohl es der Name eigentlich nahe legt, lebt der Gartenrotschwanz nicht vorwiegend in den heutigen aufgeräumten Hausgärten, sondern in lichten Wäldern, an Waldrändern, in Parks, Friedhöfen und Streuobstwiesen mir altem Baumbestand, die es leider nur noch selten gibt.

Vor einigen Jahren konnte man ihn noch relativ oft sogar in den heimischen Hausgärten beobachten, wo er auf niedrigen Sitzwarten, Zaunpfählen oder Baumästen auf Insekten wartet, die er meist in Bodennähe oder auf dem Erdboden fängt. Seine Nahrung besteht vorwiegend aus Käfern, Raupen, Ameisen, Spinnen, Blattwespen und Schmetterlingen. Aber auch Asseln und kleine Würmer, die er auf dem Erdboden findet, gehören zu seiner Beute.

Der Gartenrotschwanz ist ein Höhlen- und Halbhöhlenbrüter. Er nimmt mangels natürlicher Nistmöglichkeiten in Astlöchern alter Bäume oder Mauernischen alter Bauernhöfe heute auch gerne die in zwei bis fünf Metern Höhe angebrachten künstlichen Nisthilfen an.

Gelegentlich sieht man einen der Vogeleltern sogar mit sechs bis sieben verschiedenen Insekten und Schmetterlingen auf der Sitzwarte in der Nähe der Bruthöhle, wo er die Umgebung beobachtet, bevor er zu den Jungen fliegt. Die Jungvögel werden von beiden Eltern von Sonnenaufgang bis in den späten Abend hinein gefüttert. Im vorliegenden Falle sogar noch nach 22 Uhr.

Der Gartenrotschwanz gehört zu den Langstreckenziehern und überwintert in den Savannen der Sudan-Zone sowie im Süden der Arabischen Halbinsel und in Afrika. Da kommen für die kleinen Vögel leicht 6000 bis 7000 Kilometer Zugstrecke zusammen.

Der Abzug in die Winterquartiere beginnt bereits ab Mitte Juli. Die Rückkehr erfolgt Mitte April bis Anfang Mai. Leider werden auch die Rotschwänzchen von den Folgen der Erderwärmung nicht verschont. Zunehmende Trockenheit und Ausdehnung der Sahel-Zone tragen zur drastischen Verringerung des Futterangebotes in den Winterquartieren bei. Der unverständlicherweise noch immer ausgeübte „traditionelle Vogelfang“ erledigt dann den Rest.

Das Anbringen von Halbhöhlen an einer ungestörten Stelle in Garten oder einer Seite der Haus- oder Scheunenwand trägt zur Behebung der Wohnungsnot dieser Vögel bei. Dabei müssen es nicht unbedingt die schönen gekauften Holzbetonbruthöhlen sein, auch einfache Halbhöhlen, die man sich selbst aus Holzbrettchen zusammennageln kann, werden problemlos (auch von Spatzen) angenommen. Es kann aber sein, dass der Besatz nicht gleich im ersten Jahr erfolgt. Zunächst muss ein Vogelpärchen erst einmal die lange Rückreise aus dem Winterquartier überstehen und dann den Weg zur Bruthöhle finden. Das kann dauern, ist aber kein Grund, sich entmutigen zu lassen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen