Frühlingsgefühle und Gasfuß: Polizei kontrolliert Skandinavier auf der Autobahn

Nicht nur Skandinavier, auch Briten geben auf deutschen Autobahnen gerne mal Gas. Foto: crs
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Nicht nur Skandinavier, auch Briten geben auf deutschen Autobahnen gerne mal Gas. Foto: crs

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23. April 2011, 08:43 Uhr

Gremersdorf | Laut heult der Motor eines Autos auf. Für Hauptkommissar Hans-Joachim Bausch ist dieser Handyklingelton das Zeichen, dass er einen neuen Kunden bekommt. Mit elf Kollegen steht er auf einem noch nicht frei gegebenem Rastplatz auf der A1 kurz hinter Heiligenhafen.

Einige Kilometer vorher, in Gremersdorf, haben zwei Kollegen einen Blitzer aufgebaut. Wer viel zu schnell durch die dortige 80-Zone fährt, wird per Handy an Bausch gemeldet.

Besonders hat es der Beamte des Polizeibezirksreviers Eutin auf Skandinavier abgesehen. Die Sonne scheint, die Straße ist frei - da juckt dem ein oder anderen schon mal der Gasfuß. Und da es zwischen Deutschland und den skandinavischen Ländern kein Verwaltungsabkommen gibt, können die Knöllchen nicht einfach hinterhergeschickt werden. Stattdessen werden die Fahrer rausgewunken und müssen vor Ort zahlen.

Wer Glück hat, fährt allerdings schon in Heiligenhafen ab und entgeht der deutschen Polizei. Wie der Fahrer eines schwarzen Lexus, der 134 Kilometer pro Stunde auf dem Tacho hatte.

Glück haben auch all die Fahrer, die nur ein wenig zu schnell fahren und sich noch nicht im Anzeigenbereich sind. Der beginnt bei einer Überschreitung von 21 km/h. Nur wer da drüber liegt, wird von den Beamten rausgewunken. "Sonst bräuchten wir mindestens 30 Leute hier", stellt Bausch fest.

Es ist die erste dieser "spezialisierten" Tempokontrollen in diesem Jahr. Aber angestrebt sei, sie monatlich zu machen, erklärt Bausch. Damit man die ausländischen Raser auch mal erwische. "Egal, wann wir hier stehen und messen - mindestens 50 Prozent der Erwischten sind Ausländer", fügt er hinzu.

So wie der Fahrer des schwarzen Hyundai Tucson. 105 Kilometer hatte er in der 80-Zone drauf. Das kostet ihn 93,50 Euro. Zu bezahlen in bar oder mit Kreditkarte. "Die meisten Fahrer haben genug Bargeld dabei, um sofort zahlen zu können", weiß Bausch. Jedoch nicht alle. Mit einem Polen mussten zwei Polizeibeamte erst einmal nach Heiligenhafen zu einer Bank fahren.

Unterstützt werden die Eutiner Beamten von Kollegen der Bundespolizei und des gemeinsamen Ermittlungsbüros in Puttgarden. Einer dieser Kollegen spricht fließend Schwedisch und Dänisch. Denn nicht immer klappt es, wenn sich Deutsche und Schweden auf Englisch über das Tempolimit unterhalten.

Wobei die Kommunikation mit dem größten Raser dieses Mal ohne Probleme klappt. Denn der kommt aus Ostholstein. Statt der erlaubten 80 fuhr der junge BMW-Fahrer mit 157 km/h an der Radarstation vorbei. Ihn erwarten eine Geldstrafe von 600 Euro, vier Punkte in Flensburg sowie drei Monate Fahrverbot.

Kopfzerbrechen bereitet Bausch und seinen Kollegen auch das Fahrverbot eines Engländers. In seinem Heimatland wurde der nämlich geblitzt, und bis die endgültige Strafe feststeht, bekam er von den englischen Behörden einen vorläufigen Führerschein. Aber gilt der auch in Deutschland?

Ja, entscheidet Bausch. Alles eine Ermessenssache. Zu schnell war der Mann aber auch in Deutschland: 143,50 Euro kosten ihn 43 zu schnell gefahrene Stundenkilometer.

Insgesamt kontrollieren die Beamte sechs Stunden lang. 2803 Autos passieren in dieser Zeit den Messpunkt - 664 davon zu schnell. Keine ungewöhnliche Quote, wie Bausch findet. Zu Beginn der Kontrolle tippte er darauf, dass sie wohl knapp 30 Skandinavier aus dem Verkehr ziehen würden. Er kennt seine Pappenheimer - nach sechs Stunden hatten er und seine Leute 38 ausländische Fahrer wegen Geschwindigkeitsübertretung zur Rechenschaft gezogen.

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