Eutin : Frische Musik an frischem Wasser

Das „Sirius Quartett“ aus New York überzeugte im „Garten des frischen Wassers“ besonders mit dem Stück „Red Hook“.  Fotos: Rosemarie Schrick
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Das „Sirius Quartett“ aus New York überzeugte im „Garten des frischen Wassers“ besonders mit dem Stück „Red Hook“. Fotos: Rosemarie Schrick

Etwa 50 Interessierte lauschten einem weiteren Konzert des Classical Beat Festivals im Garten des Wassers des Kirchenkreises

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24. Mai 2019, 17:20 Uhr

Eutin | Während die Sonne den einen ins Gesicht leuchtet, wärmt sie den anderen den Rücken. Das ist so, wenn viele im „Garten des frischen Wassers“ des evangelischen Kirchenkreises Ostholstein in Eutin, an diesem sehr besonderen Platz unter den beiden Federbuchen, im Rund sitzen.

Im Freien herrschen ganz andere Bedingungen zum Horchen als zum Beispiel im Rittersaal. So dauert es eine Weile, bis die Klarinette, gespielt von Prof. Bernd Ruf, sich mit ihrem Stück „Quellgeflüster“ durchsetzt. Dieses und die nächsten beiden Stücke, die speziell für dieses Festival mit dem Thema „Wasser“ komponiert wurden, waren bereits am Montag im Rittersaal zu hören. Wie gut, das sie noch einmal zur Aufführung kamen.

Propst Peter Barz hieß die Hörer willkommen, verwies auf die Aussagen über das Wasser bereits im Alten Testament und gratulierte einem der Musiker, dessen Geburtstag es war, mit einer Kerze, die ihn an den so nah am Wasser gelegenen Ort erinnern soll. Auch Ruf bezog sich in seiner Begrüßung kurz auf das Wasser als Ursprung der Menschwerdung, also das Fruchtwasser und später in der spirituellen Bedeutung der Taufe. Dann sprach er darüber, dass Komponisten aller Zeiten Improvisationsmeister waren, was wir leider nicht hören können, wenn es nicht niedergeschrieben wurde.

An diesem Abend gab es wieder eine sehr gelungene Mischung aus Verschriftlichtem und Improvisation, Kompositionen der Musiker, die sie selbst mit anderen zusammenspielten. Kai Ono (Keyboard), Brian Scarborough (Posaune) und Etienne Abelin (Violine und Dirigat) entlockten ihren Instrumenten nicht nur neue, ungewohnte und keinem Stil zuzuordnende Klänge, sondern letzterer erklärte und musizierte mit den anderen die „Soundpainting“ genannte Zeichensprache.

Hierbei werden kleine Stücke improvisiert, indem die Musiker die Zeichen des Leiters ausführen, nicht aber an andere Vorgaben gebunden sind. Ein besonderes Vergnügen für Hörer und Klanghersteller, das sieht man ihnen an, an diesem speziellen Ort. Denn z. B. zeigt Abelin nach oben in die Bäume, worauf Ono beginnt, mit dem Keyboard erstaunlich genau Vogelzwitschern zu imitieren, während die anderen Musiker nachziehen. Dem gefiederten Volk zwischen Himmel und Publikum scheint es zu gefallen oder es gar zu animieren und irgendwann sind die geflügelten von den beflügelten Musizierenden kaum noch zu unterscheiden.

Das „Sirius Quartett“ aus New York (Fung Chern Hwei, Gregor Hübner, Ron Lawrence und dieses Mal Rubin Kohdeli), überzeugte besonders mit dem Stück „Red Hook“. Den Titel verdankt diese variationsreiche Musik dem New Yorker Stadtteil, in dem viele Roma wohnen. Angelehnt an deren Musik spielen die vier Streicher mal melancholisch, mal rhythmisch stampfend, dann von solcher Virtuosität, dass man unwillkürlich an den „Teufelsgeiger“ Paganini denkt, um schließlich mit einem ausgelassen anmutenden Tanz furios zu enden. Das begeistert das Publikum.

Und so gibt es, nachdem Ruf dem Initiator, Gründer und „Turbomotor“ Hans-Wilhelm Hagen, ohne den es dieses Festival nicht gäbe, gedankt hat, noch eine letzte Zugabe des Streichquartetts. Der Abend klingt aus mit einer freien Improvisation, in der die Vier das Abendliederzwitschern der Vögel wieder aufnehmen. Wunderbar. Aber das „letzte Wort“ haben hier natürlich die Federführenden.

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