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Ostholsteiner Anzeiger

21. August 2017 | 14:17 Uhr

Friedliche Einigung in weiter Ferne

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Haus des Gastes: Bürgermeister Carsten Behnk und die Mitglieder der Bürgerinitiative lieferten sich gestern ein hitziges Wortgefecht

Die Bürgerinitiative „Erhalt und Instandsetzung Haus des Gastes Eutin“ (BI) hatte gestern einen Erfolg zu verbuchen. Auch das zweite Bürgerbegehren mit dem erklärten Ziel, das Haus des Gastes (HdG) nicht weiter verfallen zu lassen, sondern einer konkreten Nutzung zuzuführen, fand mit insgesamt 2378 Unterschriften regen Anklang in der Bevölkerung. Doch die Fronten zwischen Stadtverwaltung und BI sind nach mehr als zwei Jahren Dauer-Disput um die Zukunft des umstrittenen Gebäudes verhärtet. Das zeigte sich auch gestern beim Zusammentreffen von Sigrid Jürß, Malte Tech und Carsten Behnk. „Es ist schade“, sagte Behnk, „ich wollte nach meinem Amtsantritt den Dialog mit der Bürgerinitiative führen.“ Sigrid Jürß (BI) entgegnete: „Soweit ich mich erinnere, waren wir es, die einen Dialog mit der Stadt initiiert haben.“ Behnk konterte: „Es ist kein Dialog, wenn man sich einen Tisch setzt und Fundamentalmeinungen austauscht.“

Für die BI stand in erster Linie der Erhalt und die Nutzung des HdG im Vordergrund, erklärte Sigrid Jürß, „aber viele Bürger haben ein grundsätzliches Problem mit der Kommunalpolitik in Eutin.“ Aktuell geplante Baumaßnahmen in der Innenstadt und das millionenschwere Defizit der Landesgartenschau verärgerten viele Menschen, mahnte Jürß; „vielleicht sollte man die Bürger besser in Entscheidungen einbeziehen“. Carsten Behnk hatte eine klare Antwort für die Vorsitzende des Fördervereins: Zwar befürwortete das Verwaltungsoberhaupt basisdemokratische Elemente, „man muss bei Entscheidungen aber auch die entsprechende Verantwortlichkeit mitgeben und das Gesamtwohl der Stadt, nicht Einzelinteressen, berücksichtigen“. Behnk kritisierte, dass zunehmend weniger Menschen bereit seien, sich für dauerhafte Projekte in der Kommunalpolitik einzusetzen. „Es sind immer nur Einzelinteressen, für die sich stark gemacht wird“, bemängelte Behnk. „Aber man muss auch mal übers Ganze schauen, sich fragen, woher soll das Geld für dieses Ziel kommen.“ Immerhin habe die Stadt Schulden in Höhe von 50 Millionen Euro.

An Sigrid Jürß gewandt schlug der Eutiner Bürgermeister vor: „Sie können sich gern zukünftig für alle Projekte der Stadt einbringen.“ Doch die Vorsitzende des Fördervereins gab den Ball zurück: „Wenn ich mich langfristig engagieren soll, möchte ich auch Ihr Gehalt haben.“ Lachend fügte sie hinzu: „Wenn Sie sagen ,Ich trete ab‘, dann übernehme ich das auch“. Doch Carsten Behnk war nicht zu Scherzen aufgelegt: „Ich habe Ihnen nicht meinen Job angeboten“, er habe sich mit seinem Angebot an Sigrid Jürß lediglich auf die ehrenamtliche Kommunalpolitik bezogen, betonte Behnk.

Auch Architekt und BI-Mitglied Malte Tech äußerte sich kritisch zur Stadtverwaltung: „Nach dem ersten Bürgerentscheid haben Sie das Haus des Gastes zu erhalten, aber das Gegenteil geschieht, sie lassen es verrotten.“ So sei das Gebäude seit der Landesgartenschau spürbar dem Zerfall anheim gefallen. „Türen standen wochenlang sperrangelweit offen und niemand hat sich darum gekümmert“, sagte Tech.

Eine Einigung zwischen den Mitgliedern der Bürgerinitiative und der Stadtverwaltung war gestern nicht in Sicht. Der Bürgerentscheid, den die BI zwischen Februar und April 2017 erwartet, bringt womöglich die von allen Beteiligten ersehnte Lösung in der Frage: Was passiert mit dem Haus des Gastes? Denn das Ergebnis der Wahl ist politisch bindend.

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erstellt am 02.Dez.2016 | 13:07 Uhr

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