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Kreuzfeld bei Malente : Friedhof einer germanischen Siedlung

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Auf einem Malenter Acker, der dem Kiesabbau weichen soll, ist das Archäologische Landesamt auf etliche Urnen aus germanischer Zeit gestoßen. Viele davon sind außergewöhnlich gut erhalten.

Oberflächlich betrachtet ist es ein Feld wie viele andere auch. Doch der gut einen Hektar große Acker, linksseitig am Ende des Holmer Wegs in Kreuzfeld, den das dortige Kies- und Schotterwerk vor einiger Zeit von einem Bauern erwarb, hat es in sich – im wahrsten Sinne des Wortes. In dieser Woche rückten vier Mitarbeiter des Archäologischen Landesamts an und stießen auf einen Friedhof aus der Zeit der Germanen.

Innerhalb von drei Tagen fanden die Männer um Grabungstechniker Steffen Haucke 60 Urnen, von denen etwa 15 sehr gut erhalten sind. Er deutet auf eines der Gefäße, das noch im Boden steckt und zur Hälfte freigelegt ist. „Diese Urne ist um die 1700 Jahre alt“, erklärt Haucke. Das könne er anhand der Machart erkennen, die schon damals den Strömungen der Mode unterworfen gewesen sei. Es handele sich um eine schalenförmige Urne, mit sparrenförmigen Riefen verziert, vermutlich mit Holzkohle geschwärzt und anschließend poliert. „Das sind Anzeichen für die jüngere römische Kaiserzeit von 160 bis 375 nach Christus oder der frühen Völkerwanderungszeit ab dem Jahr 375“, erläutert Haucke.

Wo heute Kreuzfeld liegt, müssen damals germanische Sippen gelebt haben. Sie hätten ihre Toten auf Scheiterhaufen verbrannt. Die übrig gebliebenen Knochen seien anschließend zerkleinert und dann in Urnen aus geglättetem, ungebrannten Ton bestattet worden. Grabungsassistent Marcus Kay deutet auf mehrere ein bis zwei Zentimeter lange Knochensplitter, die auf der Urne liegen, und erklärt: „Manchmal sieht man noch die Spuren der Werkzeuge.“ Und tatsächlich: Einer der Splitter weist schnittförmige Einkerbungen auf.

Im westlichen Teil des Ackers stießen die Ausgräber, die mit Schaufel, Kelle und Pinsel am Werk sind, auf noch ältere Urnen. Sie stammen aus der frühen Eisenzeit (5. bis 1. Jahrhundert vor Christus). Im Gegensatz zu den späteren Funden waren diese noch mit faustgroßen Feldsteinen eingefasst. „Diese Tradition ist um das Jahr 0 erloschen“, weiß Haucke. In manchen Urnen fanden sich Beigaben, etwa Glasperlen, Gewandspangen oder auch eine eiserne Pfeilspitze. Sie sind wahrscheinlich mit den Toten durchs Feuer gegangen und dann mit der Asche in die Urnen gelangt.

Für Haucke sind die Funde zwar nicht sensationell, aber auch nicht gerade gewöhnlich. Zum einen liegt das am guten Zustand vieler Urnen. Verantwortlich dafür ist die von der letzten Eiszeit geschaffene Hanglage des Ackers. Durch sogenannten Hangfluss lagerten sich daher über den nicht besonders tief liegenden Urnen Sedimente ab. So überdauerten die Gefäße die Jahrhunderte unbeschadet: Weder die Bodenverdichtung durch schwere Ackerfahrzeuge noch tief furchende Pflüge konnten ihnen etwas anhaben.

Zum anderen deuten die bisherigen Funde darauf hin, dass es sich um einen über rund 700 Jahre kontinuierlich genutzten Friedhof eines kleinen Dorfes oder einer Hofstelle gehandelt haben muss. Die gefundenen Urnen stammten aus einer Zeit von 300 v. Chr. bis 400 n. Chr. „Das wäre schon etwas Besonderes“, sagt Haucke. So seien beispielsweise zur Zeit der Arminius-Schlacht 9 n. Chr. viele Stammesverbände abgewandert, weil sich die Männer sich Söldner verdingt hätten. Ein vergleichbares Schicksal ereilte vermutlich eine in Krummsee gefundene Besiedlung. Sie breche um 200 n. Chr. ab.

Bislang haben sich die Ausgräber in Kreuzfeld nur stichprobenartig einen Überblick verschafft. Dafür zog ein Bagger etwa ein Dutzend, rund 1,80 Meter breite, zwischen einem halben und einen Meter tiefe Gräben, sogenannte Suchschnitte, im Abstand von etwa 20 Metern. Darunter findet sich an vielen Stellen bereits feinster Kies. Bevor dieser jedoch abgebaut werden darf, muss das gesamte Feld abgesucht werden. Haucke rechnet grob geschätzt mit 600 Urnen, die hier vergraben wurden. Rund drei Monate würde es dauern, alle zu bergen.

Die bereits geborgenen Urnen kommen nun ins Fundmagazin des Archäologischen Landesmuseums Schloss Gottorf. Sollte sich einmal ein Wissenschaftler mit dem Kreuzfelder Germanen-Friedhof befassen, könnte er anhand der ermittelten GPS-Daten zentimetergenau ermitteln, wo jede einzelne Urne gefunden wurde. Aus Sicht von Steffen Haucke ist jedoch etwas anderes entscheidend. „Viel wichtiger als der wissenschaftliche Wert ist der Schutz der Denkmäler.“ Dafür hat er mit seiner Arbeit die Voraussetzungen geschaffen.

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erstellt am 14.Feb.2015 | 04:00 Uhr

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