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Frieden in den Schrebergärten: Eine Herkulesaufgabe?

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Fronten im Schrebergartenverein Malente sind weiterhin verhärtet. Eine kleine Gruppe in der 89-köpfigen Mitgliedschaft übt nach wie vor massive Kritik an der Amtsführung des Vorstands um die Vorsitzende Birgit Schneider. An dieser Situation hat sich offenbar noch nichts geändert – obwohl der komplette Vorstand zurückgetreten war und Schneider bei einer anschließenden außerordentlichen Versammlung Mitte April mit deutlicher Mehrheit erneut gewählt wurde; und obwohl mit dem Plöner Wolfgang Krüger ein erst vor kurzem eingetretenes Vereinsmitglied das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden und des Rechnungsführers übernommen hat (wir berichteten).

Zuletzt entzündete sich die Kritik am Termin für eine zweite außerordentliche Mitgliederversammlung, bei der es um die Besetzung weiterer Ämter wie Fachberater, Schlichter und Gerätewart und andere Vereinsangelegenheiten, darunter auch den Austausch zahlreicher, im vergangenen Jahr kaputtgefrorener Wasseruhren und Gebührenerhöhungen gehen soll. Damit das Problem mit den Wasseruhren möglichst schnell gelöst werde und die Mitglieder ihre Parzellen wieder bewässern könnten, hatte der Vorstand mit Zustimmung der meisten Mitglieder einen Termin für Ende April anberaumt und damit die Ladungsfrist missachtet. Doch Birgit Schneider reagierte nach anwaltlicher Beratung auf die Kritik und setzte schließlich einen neuen Termin für Mittwoch, 17. Mai, an. Damit sei die Ladungsfrist nun gewahrt, erklärt sie.

Die Vorstandskritiker Holger Kreft, Holger Toop und Claus Schallat kann das aber nicht besänftigen. Sie werfen dem Vorstand vor, dass er sich nicht an die eigene Satzung halte und damit letztlich das Wohl des Vereins gefährde. Das berge die Gefahr einer negativen öffentlichen Wahrnehmung des Vereins und langfristig gar einer Kündigung des Pachtvertrags durch die Gemeinde, warnt Toop, der sein Amt als Obmann nach Auseinandersetzungen mit Birgit Schneider aufgegeben hatte. Er kritisiert die Kassenführung als „nicht ordnungsgemäß“. „Forderungen, die nicht einzutreiben sind, müssen ausgewiesen werden. Das ist nicht erfolgt“, kritisiert Toop. Auch Rückstellungen, etwa für eine noch nicht bezahlte Dachreparatur am Vereinsheim, tauchten im Haushaltsvoranschlag nicht auf. Zudem weise das Zahlenwerk eine Differenz von 100 Euro bei Soll und Haben auf. „Die Quintessenz: Wenn Ausgaben nötig sind, ist kein Geld da“, fürchtet Toop.

Kreft präsentiert zudem ein Urteil des Amtsgerichts Eutin vom Februar 2016. Darin weist das Gericht Forderungen des Vereins an ihn zurück. Der Malenter, seit 2010 Mitglied, hatte die Abrechnung des Vereins um Forderungen gekürzt, die aus seiner Sicht unberechtigt waren. Es ging um eine Summe von insgesamt rund 300 Euro aus den Jahren 2011 bis 2014, die sowohl Pachtzins als auch Verbrauchsabrechnungen und Umlage der Gemeinschaftsarbeit betrafen. Auf jüngste Widersprüche, die er eingelegt habe, reagiere der Verein nicht, klagt Kreft. Stattdessen sei ein Ausschlussverfahren gegen ihn angestrengt worden. Zu den Gründen will sich Birgit Schneider nicht öffentlich äußern, da es sich um ein laufendes Verfahren handele.

Allerdings will Wolfgang Krüger die Rechnungsführung nun auf eine neue Basis stellen. Dafür werde der Verein ein neues Computerprogramm anschaffen, mit dem auch der Kreis- sowie der Landesverband arbeiteten, erläutert er. Für die geplante Versammlung am 17. Mai solle der Haushaltsvoranschlag überarbeitet werden. Den Vorwurf fortgesetzt fehlerhafter Abrechnungen weist der Vorstand zurück. Nach dem Gerichtsurteil seien Beschlüsse gefasst worden, um einwandfreie Abrechnungen zu erstellen. Eine von den Mitgliedern beschlossene Kassenprüfung durch den Kreisverband sei aus Termingründen noch nicht erfolgt, solle aber am 17. Mai vorliegen, versichert Krüger.

Für das Thema Wasseruhren hat Birgit Schneider eine Lösung parat: „Wir wollen die kaputten Wasseruhren aus dem Vereinsvermögen anschaffen“, erklärt sie. Die Uhren würden vom Verein beschafft, gegen die defekten Uhren getauscht, vom Wasserwart eingebaut, verplompt und gingen dann in den Besitz der Pächter über.

Annette Soester appelliert an die Kritiker, dem jetzt gewählten Vorstand Zeit zu geben: „Man muss uns die Arbeit auch machen lassen und nicht ständig querschießen.“ Dem Verein gehe es gut, lediglich vier von 69 Parzellen seien nicht verpachtet.

Nicht nur der Vorstand hofft, dass sich die Lage beruhigt: „Wir wollen diesen Streit nicht mehr haben als Mitglieder“, betont der frühere Obmann Leuthold Oertel. Ein Großteil der Mitglieder sei zufrieden mit der Arbeit des Vorstands und wolle seine Ruhe haben.

Die Lage zu beruhigen, scheint indes eine Herkulesaufgabe zu sein. „Ich möchte Frieden und Ordnung in den Verein bringen“, verkündete schon Harry Lohrke, nachdem er 2013 zum Vorsitzenden gewählt worden war. Sein Vorgänger hatte damals entnervt aufgegeben. Schon zu diesem Zeitpunkt war nach Lohrkes damaligen Worten eine „unzureichende und unsortierte Kassenführung“ Auslöser des Eklats. Doch auch Harry Lohrke hielt nicht lange durch. Er gab das Amt bereits 2015 wieder ab. Nach einem Intermezzo des heutigen Ehrenvorsitzenden Dr. Horst Neumann übernahm dann Birgit Schneider 2016 das Amt.

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erstellt am 28.Apr.2017 | 10:47 Uhr

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