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Freundin attackiert: Bewährungsstrafe für Bordellbetreiber

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Haftstrafe auf Bewährung für einen polnischen Bordellbetreiber aus Kiel, der seine damalige Freundin und Geschäftspartnerin während einer Autofahrt im Jahr 2011 in Hamburg so brutal geschlagen hat, dass sie das Bewusstsein verlor und einen Auffahrunfall verursachte.

Das Schöffengericht am Kieler Amtsgericht verurteilte den vorbestraften 32-Jährigen am Dienstag wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, wegen vorsätzlicher sowie gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen und wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu 18 Monaten Haft auf Bewährung. Die Bewährungszeit beträgt zwei Jahre, zudem erhielt der Mann ein Kontaktverbot zu seiner Ex-Freundin (29). Die Richterin redete dem Angeklagten ins Gewissen: „Es war ein sehr brutales Vorgehen. Die Frau hat Glück gehabt – das hätte auch sehr viel schlimmer ausgehen können.“

Zuvor hatten sich alle Verfahrensbeteiligten auf dieses Urteil als Maximalstrafe geeinigt, sollte der Angeklagte die Vorwürfe weitgehend gestehen – was er auch tat. Außerdem muss der Mann der 29-Jährigen ein sattes Schmerzensgeld in Höhe von 12 500 Euro überweisen. Die erste Anzahlung – 5500 Euro – überreichte der Verteidiger gestern dem Anwalt der jungen Frau, die auch Nebenklägerin ist, bar in einem Briefumschlag.

Was war geschehen? Anfang Dezember 2011 waren der Angeklagte und seine Partnerin im Auto unterwegs vom Flughafen Hamburg zurück nach Kiel. Sie war am Steuer. Beide hatten zuvor miteinander gestritten. Mehrfach schlug der 32-Jährige ihr daraufhin mit der Faust heftig gegen den Kopf – Ohnmacht und Unfall folgten.

Später setzten beide die Fahrt fort, fuhren in die gemeinsame Wohnung nach Kiel. Laut Anklage führte der Mann seine Freundin ins Schlafzimmer, sperrt sie stundenlang ein und schlug sie weiter – sogar mit einem Baseballschläger. Dieser Darstellung widersprach der Angeklagte jedoch. In seiner Wohnung wurden später eine halbautomatische Waffe, ein Totschläger, Marihuana und Pillen sichergestellt.

Einem rechtsmedizinischen Gutachten zufolge wies das Opfer nach dem Angriff zahlreiche Hämatome an Kopf, Hals und am gesamten Körper auf. Die Frau erlitt einen Nasenbeinbruch und eine Gesichtsprellung. Die blauen Flecken am Hals ließen laut Gutachten auf ein Würgen schließen – eine lebensgefährliche Verletzung; die Frau fiel in Ohnmacht. Außerdem hatte sie bei der Einlieferung in die Klinik viel Blut verloren, sie trägt Folgeschäden davon.

Die Rolle einer zum Tatzeitpunkt anwesenden 36-Jährigen, die mitangeklagt war, konnte gestern nicht geklärt werden; sie befindet sich offenbar wegen Depressionen und einer Angststörung in einer psychiatrischen Klinik in Polen. Sie soll die Schwester des Angeklagten sein und erwartet nun ein abgetrenntes Verfahren.

Den Hintergrund des Streits, der im Verfahren nicht zur Sprache kam, erläuterte Gerichtssprecher Günther Meenke: „Der Angeklagte und die Geschädigte waren geschäftlich und privat miteinander verbandelt – sie wollte sich trennen. Darüber ist es zur körperlichen Auseinandersetzung gekommen.“

Beide hatten Meenke zufolge in Kiel ein Bordell betrieben, das Opfer war demnach „beteiligt als Betreiberin“. Der 32-Jährige Angeklagte gab im Verlauf der Verhandlung an, er habe in Polen keine Schulausbildung absolviert und bei seinem Onkel in der Werkstatt Kfz-Mechaniker gelernt. Er lebe mittlerweile von Hartz IV, weil er die vorherige Einnahmequelle – eine Bordellwohnung – nach der Tat verloren habe.

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erstellt am 29.Okt.2014 | 20:03 Uhr

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